Darktrace IPO – Das müssen Anleger jetzt wissen

Die britische Cybersicherheitsfirma Darktrace hat vergangene Woche ihre Unterlagen für die Beantragung zum Börsengang eingereicht. Der Darktrace IPO wird aller Voraussicht nach aus einem Verkauf bestehender als auch neuer Aktien bestehen. Diesen Montag hatte das Unternehmen nun verkündet, eine günstigere Bewertung als bisher anzustreben. Was müssen potenzielle Anleger jetzt wissen?

Darktrace IPO soll günstiger werden

Bis vor Kurzem war man davon ausgegangen, dass das britische Unternehmen eine Bewertung im Bereich von 3,6 Milliarden britische Pfund (5 Mrd. Euro) anstreben würde. Nun gab Darktrace jedoch bekannt, für den Börsengang stattdessen eine Bewertung zwischen 2,4 und 2,7 Milliarden Pfund anzustreben. Die entspricht einer Reduzierung um 25 Prozent.

Als ein möglicher Grund für diese Entscheidung gilt der desaströse Börsengang von Deliveroo (ISIN: GB00BNC5T391). Nachdem der britische Online-Lieferdienst vergangenen Monat seinen Börsenstart gefeiert hatte, war der Aktienkurs gleich am ersten Tag um rund ein Viertel eingebrochen.

Gerät Darktrace zwischen die Mühlen der Justiz?

Tatsächlich könnte es Experten zufolge jedoch noch weitere Gründe geben, die Darktrace dazu bewegt haben könnten, seine angestrebte Bewertung zu verringern. Zum einen könnte das Unternehmen aufgrund seiner Beziehung zu seinem ersten Kapitalgeber, den Tech-Milliardär Mike Lynch, unter Umständen in rechtliche Streitigkeiten verwickelt werden.

Mike Lynch Wagniskapitalgesellschaft Invoke Capital hatte Darktrace in den ersten beiden Jahren nach seiner Gründung maßgeblich finanziert. Zeitweise teilten sich die beiden Unternehmen die gleichen Büroräume und Lynch hatte bis 2018 einen Posten im Aufsichtsrat inne.

Derzeit wehrt sich Lynch jedoch gegen ein Auslieferungsgesuch der US-Justiz. Lynch wird vorgeworfen, den Umsatz des von ihm gegründeten IT-Unternehmens Autonomy um rund 700 Millionen US-Dollar frisiert zu haben. Pikanterweise sind sowohl die Darktrace Gründerin Poppy Gustafsson als auch diverse andere Darktrace-Manager ehemalige Mitarbeiter bei Autonomy gewesen.

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Der Darktrace IPO könnte durch den Skandal rund um seinen einstigen Finanzier durchaus beeinträchtigt werden. Momentan steht noch nicht fest, ob dem Unternehmen selbst Ermittlungen ob einer möglichen Veruntreuung drohen. Selbst wenn es nicht so kommen sollte, könnte die enge Verwicklung mit Lynch dennoch zu einem Reputationsschaden für Darktrace führen. Genau diese Gefahr war von dem Unternehmen vergangene Woche auch selbst angemahnt worden.

Kann Darktrace profitabel werden?

Ein zweiter Gefahrenpunkt sind die eigenen Umsatz- und Verlustzahlen. Seit seiner Gründung im Jahr 2013 ist es dem Cybersicherheitsunternehmen noch nie gelungen, einen Gewinn zu erwirtschaften. Dass IT-Start-ups über längere Zeit hinweg in den roten Zahlen sind, ist sicherlich keine Neuigkeit. Was potenzielle Investoren und Anleger jedoch sehr wohl abschrecken könnte, ist die Tatsache, dass Darktrace in seinem eigenen IPO-Prospekt infrage gestellt hat, ob es jemals wird profitabel wirtschaften können.

Zwischen 2018 und 2020 war es Darktrace gelungen, seinen Umsatz von 79,4 auf 199 Millionen Pfund zu steigern. Im gleichen Zeitraum stieg jedoch auch der Verlust von 28,7 auf 42,5 Millionen Pfund.

Als einer der maßgeblichen Gründe hierfür gelten die enormen Marketingausgaben des Unternehmens. Demnach beliefen sich diese im vergangenen Jahr auf 163 Millionen Pfund – rund 81 Prozent seines Umsatzes. Damit gibt Darktrace prozentual betrachtet deutlich mehr für Marketing und PR aus als Konkurrenten wie Palo Alto oder Crowdstrike.

Als Software-as-a-Service-Anbieter kann Darktrace zwar auch ohne Neukundenakquisition wachsende Umsätze generieren. Bei der hierfür maßgeblichen Nettoumsatzbindung läuft man den anderen Anbietern am Markt aktuell jedoch hinterher. Derzeit benötigt Darktrace also dringend mehr Kundschaft, wenn man weiter wachsen möchte. Diese erkauft man sich laut Branchenkennern aktuell jedoch zu oft mit aggressiven Rabattaktionen, wodurch zwischen 30 und 40 Prozent der möglichen Einnahmen wegfallen.

Darktrace IPO mit spekulativem Ausgang

Angesichts der obigen Probleme erscheint es umso verständlicher, weshalb Darktrace bei seiner IPO lieber auf eine niedrigere Bewertung abzielen möchte. Hinzu kommt, dass man mittlerweile technisch betrachtet nicht mehr zu den Pionieren auf dem Gebiet der KI-gestützten Cybersicherheit zählt. Um sich neuerer Konkurrenten wie Deep Instinct sowie bereits etablierten Mitspielern wie Crowdstrike zu erwehren, sind daher auch deutliche Investitionen notwendig.

Gepaart mit dem nach wie vor sehr hohen Marketingkosten macht dies ein Erreichen der Gewinnzone auf absehbare Zeit eher unwahrscheinlich. Unter Umständen könnte sich daher selbst die nun niedrigere Bewertung noch als zu hoch erweisen.

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Florian Schulze hat einen Abschluss in internationaler Politik und Wirtschaftspolitik und studiert derzeit Mathematik. ETFs, Aktien und Kryptowährungen sind seine Leidenschaft.

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