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ETF-Markt wird von wenigen Anbietern dominiert: Ist das ein Problem?

Wie die meisten anderen Branchen auch, hat die ETF-Industrie eine Phase der Konsolidierung durchlaufen. Zahlreiche kleinere Anbieter sind entweder verschwunden oder wurden von ihren größeren Konkurrenten geschluckt. Zwar tun sich immer wieder auch neue Anbieter mit Nischen-Angeboten hervor. Die Branche wird jedoch mittlerweile von einigen wenigen besonders großen Vermögensverwaltern dominiert. Dies wirft eine berechtigte Frage auf: Welche Konsequenzen hat dies eigentlich für Anleger?


Wenige Unternehmen dominieren

Ein Blick auf die Liste der aktuell führenden ETF-Anbieter verdeutlicht, dass einige Unternehmen den größten Teil des Kuchens unter sich aufgeteilt haben. Der Markt für ETFs verwaltet aktuell rund 5,2 Billionen Dollar. Davon entfallen alleine rund 1,84 Billionen auf BlackRock und weitere 1,28 Billionen auf Vanguard. Weit abgeschlagen auf Platz drei folgt State Street mit einem Gesamt-Fondsvolumen von knapp 700 Milliarden Dollar.

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Auf dem europäischen Markt vereint BlackRock mit seiner Produktreihe iShares sogar mehr als die Hälfte allen in ETFs angelegten Kapitals auf sich. Zudem setzt sich der Trend der Konsolidierungen unvermindert fort. So befinden sich State Street und UBS aktuell in Gesprächen bezüglich einer Verschmelzung ihrer beiden Vermögensverwaltungsgeschäfte. Damit würde hinter DWS ein neuer drittgrößter ETF-Verwalter in Europa entstehen.

Eine derartige Marktmacht ruft natürlich auch Kritiker auf den Plan. So veröffentlichte die Anti-Monopol-Vereinigung American Economic Liberties Project (AELP) jüngst ein Papier, in welchem sie zu dem Ergebnis kam, dass die Marktmacht der großen Vermögensverwalter zu einer Bedrohung für Anleger und die Wirtschaft als Ganzes geworden ist. Doch welche negativen Effekte kann die derzeitige Konstellation mit wenigen, aber sehr mächtigen Marktteilnehmern haben?


Gefährdung des Wettbewerbs

Ein oft vorgebrachtes Argument zielt auf den Mangel an Wettbewerb ab, welcher durch das Fehlen einer ausreichend großen Zahl an Mitbewerbern verursacht wird. Hat ein Unternehmen ein Monopol inne, kann es die Preise nach eigenem Gutdünken hochsetzen, ohne befürchten zu müssen, Kunden an einen günstigeren Konkurrenten zu verlieren.

Offensichtlich gibt es in der ETF-Branche kein Monopol. Allerdings besteht bei einer zu starken Konzentration auf wenige Anbieter durchaus die Gefahr eines Oligopols. Dies würde den beteiligten Unternehmen die Möglichkeit einräumen, unerlaubte Preisabsprachen zu treffen und auf diese Weise die Kunden zu schädigen.

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Betrachtet man jedoch die durchschnittliche Preisentwicklung bei ETFs über die vergangenen zwei Dekaden hinweg, zeichnet sich ein genau gegenteiliges Bild ab. Laut einer Studie von Morningstar sind die durchschnittlichen Kosten für ETFs seit der Jahrtausendwende von 0,87 Prozent auf 0,45 Prozent gesunken.

Von einer Preisabsprache kann in diesem Sinne keine Rede sein. Im Gegensatz zu früher lässt sich in den letzten Jahren jedoch durchaus ein Rückgang bei der Auflage neuer ETFs beobachten. Zahlreiche neuere ETFs wurden 2020 geschlossen, während sich das in ETFs investierte Kapital stärker auf etablierte Indexfonds konzentrierte.

Hierbei handelt es sich allerdings um eine natürliche Entwicklung. Alle großen Indizes verfügen bereits über eine ausreichend große Zahl an ETFs. Viele neu aufgelegte ETFs konzentrieren sich daher auf aktuelle Trends und Smart-Beta-Strategien. Davon erweisen sich jedoch nur einige als langfristig praktikabel. Mit ARK Invest ist es 2020 einem relativ kleinen Vermögensverwalter gelungen, einige der am besten performenden ETFs anzubieten. Bei den meisten davon handelte es sich um Nischenprodukte. Wenn ein Angebot ausreichend Rendite verspricht und auf das Interesse von Anlegern stößt, kann es sich auch im Angesicht der Konkurrenz durch die Branchengrößen durchsetzen.


Können indirekte Monopole entstehen?

Einige Wirtschaftswissenschaftler haben die Befürchtung geäußert, dass die starke Konzentration von stimmberechtigten Unternehmensanteilen in der Hand einiger weniger Vermögensverwalter dazu führen könnte, dass indirekte Monopole entstehen.

Ein großer Vermögensverwalter wie BlackRock ist über seine iShares-ETFs an zahlreichen Unternehmen beteiligt. Einige davon befinden sich durchaus auch in Konkurrenz zueinander, weil sie in den gleichen Marktsegmenten unterwegs sind. Da BlackRock die Anteile der zahlreichen ETF-Anleger nutzen kann, um bei Aktionärsversammlungen abzustimmen, kann der Vermögensverwalter leicht Einfluss auf die jeweiligen Strategien der verschiedenen Unternehmen ausüben.

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Dies würde es BlackRock theoretisch ermöglichen, miteinander konkurrierende Unternehmen dazu zu bringen, nicht länger als Konkurrenten zueinander aufzutreten. Auf diese Weise könnte selbst auf einem Markt mit zahlreichen Wettbewerbern eine Art Monopol entstehen, wenn nur ausreichend Unternehmen über ETFs von einem oder mehreren Vermögensverwaltern kontrolliert werden.

Eine derartige Vorgehensweise könnte für den beteiligten Vermögensverwalter durchaus sinnvoll sein. Allerdings existieren zum jetzigen Zeitpunkt keine Hinweise darauf, dass dies auch wirklich geschieht. Ein derartig koordiniertes Vorgehen ließe sich über die Stimmabgaben der Aktionäre zudem relativ leicht belegen. Es wäre in der Tat auffällig, wenn in der Aktionärsversammlung eines jeden Unternehmens einer Branche plötzlich Aktionärsvorschläge eingebracht werden würden, wonach die eigenen Preise gesteigert werden sollen.


Durchdachtes Abstimmungsverhalten

Das obige Argument lässt sich allerdings auch durchaus in eine positive Richtung drehen. Generell haben Kleinaktionäre keinen sonderlich großen Einfluss auf die Strategie ihrer jeweiligen Unternehmen. Die wenigsten nehmen die Mühe auf sich, auf Aktionärsversammlungen abzustimmen, und es ist kaum möglich, aus der breiten Masse des Streubesitzes ein fokussiertes Abstimmungsverhalten zu destillieren. Hier können institutionelle Vermögensverwalter wie Vanguard und BlackRock jedoch zumindest teilweise für Abhilfe sorgen.

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Wenn diese stellvertretend für ihre Anleger abstimmen, können sie ihren Einfluss deutlich stärker geltend machen, als dies für einzelne Aktionäre jemals möglich wäre. Tatsächlich haben sich einzelne Vermögensverwalter diesbezüglich durchaus bestimmte Ziele auf die Fahnen geschrieben, welche sie bei entsprechenden Abstimmungen berücksichtigen. Bei BlackRock ist dies beispielsweise das Thema Nachhaltigkeit.


Für ETF-Anleger, welche mit derartigen Zielen einverstanden sind, bietet sich hierdurch also durchaus eine Möglichkeit, auch große Unternehmen zu beeinflussen. Gleichfalls existiert aktuell jedoch keine Möglichkeit, persönlichen Partikularinteressen Gehör zu verschaffen. Hierzu gibt es bei den großen Vermögensverwaltern derzeit keine wirksamen Mechanismen.

Fazit

Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass die starke Konzentration auf einige wenige ETF-Anbieter bisher zu konkreten Nachteilen für Anleger oder Konsumenten geführt hat. Dies bedeutet natürlich nicht, dass eine derartige Entwicklung für die Zukunft ausgeschlossen werden kann. Auf absehbare Zeit gibt es jedoch keinen Grund, deshalb auf eine Anlage in ETFs zu verzichten.

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