Warum Anleger aktuell bei neuen Börsengängen vorsichtig sein sollten

Die Pandemie hat die Digital-Branche beflügelt. Start-ups aus dem Tech-Sektor mit innovativen Ideen sind so begehrt wie zuletzt während der Jahrtausendwende. Auch an der Börse macht sich dieses Phänomen bemerkbar. Zahlreiche junge Unternehmen liebäugeln mit Börsengängen und die Bewertungen schnellen in immer atemberaubendere Höhen. Als Anleger sollte man hierbei jedoch sehr vorsichtig sein. Auch in der schillernden Welt des Digitalen ist nicht alles Gold, was glänzt.


Sensationeller Start an der Börse

Manch einer mag Zweifel daran gehabt haben, ob Airbnb (ISIN: US0090661010) eine gute Wahl damit getroffen hatte, im Dezember vergangenen Jahres an die Börse zu gehen. Schließlich sind Reisen jeder Art aufgrund der Pandemie gerade nicht sonderlich in Mode. Der Euphorie der Anleger tat dieser Umstand jedoch offenbar keinen Abbruch. Der Kurs der Aktie sprang gleich am ersten Handelstag um 113 Prozent in die Höhe.

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Airbnb ist dabei keineswegs das einzige Unternehmen, welches zuletzt ein außergewöhnliches Börsendebüt hinlegen konnte. Auch die Aktie von DoorDash (ISIN: US25809K1051) gewann gleich an Tag 1 um 86 Prozent an Wert. Zuletzt konnte mit Auto1 (ISIN: DE000A2LQ884) auch ein deutsches Internet-Start-up einen sehr erfolgreichen Einstand an der Börse feiern. Die Aktie legte am Eröffnungstag um 45 Prozent zu.

Laut den IPO-Experten von Renaissance Capital gewannen IPOs im vergangenen Jahr im Durchschnitt um 75 Prozent an Wert. Dies ist der höchste derartige Zuwachs seit 20 Jahren. Auch die Zahl der Börsengänge an sich war mit 218 sehr hoch. Das letzte Mal gingen 2014 ähnlich viele Unternehmen an die Börse. Aktuell scheint es also eine sehr gute Zeit für den Gang aufs Parkett zu sein. Auch Anlegern eröffnen sich dadurch zahlreiche Chancen. Gleichzeitig birgt diese Entwicklung jedoch auch nicht unerhebliche Risiken.


Die Gefahr des Hypes

Die extrem guten Zahlen der erfolgreichsten IPOs überdecken nämlich die Tatsache, dass keineswegs jeder Börsengang eine Erfolgsgeschichte ist. Jay Ritter, Finanzprofessor an der Universität Florida, kommt zu dem Ergebnis, dass rund die Hälfte aller IPOs in den ersten fünf Jahren an der Börse negative Renditen einbringen. Entgegen dem, was die beeindruckenden Zahlen von Airbnb oder DoorDash vermitteln, sind Börsengänge für Anleger in der Vergangenheit eher ein Münzwurf als eine sichere Sache gewesen.

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Die Gefahr hierfür ist dabei besonders bei IPOs aus dem Tech-Sektor gegeben. Grund hierfür ist laut Ritter, dass diese Unternehmen meist besonders stark gehypt werden. Dies führt dazu, dass ihre Kurse am Ende des Eröffnungstages im Durchschnitt dreimal so hoch im Vergleich zum Umsatz bewertet werden wie bei anderen Börsengängen. Die Fallhöhe ist gleich von Tag eins an deutlich höher.

Privatanleger sind bei IPOs im Nachteil

Gleichzeitig sind Privatanleger bei Börsengängen jedoch auch grundsätzlich in einer eher nachteiligen Position. Der Großteil aller Aktien geht am Ausgabetag nämlich an institutionelle Investoren wie Hedgefonds. Diese sind dadurch in der Lage, von den enormen Kursgewinnen des ersten Handelstages zu profitieren. Gewöhnliche Kleinanleger kaufen die Papiere anschließend bereits zu einem signifikant höheren Preis und bescheren den institutionellen Investoren hohe Gewinne.

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Als Beispiel hierfür lässt sich der Börsengang von Airbnb anführen. Als die Aktie am 10. Dezember an die Börse kam, wurde sie von der ersten Minute an mit 148 Dollar je Anteil gehandelt. Der Ausgabepreis lag ursprünglich jedoch bei 68 Dollar je Anteil. Die ursprünglichen Besitzer machten also ohne Anlauf einen Gewinn von rund 115 Prozent. Gleichzeitig endete der Handelstag mit einem Plus von 113 Prozent für die Airbnb-Aktie. Trotz des massiven Gewinns, welcher sämtliche Schlagzeilen dominierte, machten Privatanleger, die die Aktie am ersten Tag kauften, also in Wirklichkeit einen Verlust.


Die Mehrzahl der IPOs unterperformt

Laut Wes Crill, Senior-Researcher bei Dimensional Fund Advisors, gerät das Bild zahlreicher erfolgreicher IPOs ins Wanken, wenn man sich deren Performance im ersten Jahr anschaue, dabei jedoch die Kursgewinne am ersten Handelstag ausklammert. Wer demnach zwischen 1992 und 2018 ein theoretisches Portfolio besaß, welches ausschließlich aus IPOs der jeweils vergangenen 12 Monate bestand, hätte im Durchschnitt rund 7 Prozent an Rendite erzielt. Dies hört sich auf den ersten Blick nicht schlecht an. Mit dem Russel 3000 performte allerdings ein vergleichbarer Index mit Large und Small Caps über den gleichen Zeitraum mit durchschnittlichen 9 Prozent. Wer besonders gerne auf IPOs setzt, läuft also Gefahr, hinter dem Markt zurückzubleiben.

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Noch ernüchternder sieht die Sache aus, wenn man den Betrachtungszeitraum eines IPOs erweitert. IPOX Schuster hat die Kursentwicklungen von IPOs zwischen 1985 und 2019 untersucht. Das Ergebnis: Wer eine Aktie zum Preis am Ende des Eröffnungstages gekauft und diese anschließend für vier Jahre gehalten hätte, hätte im Median 17,4 Prozent Verlust gemacht. 57 Prozent aller IPOs unterperformen demnach innerhalb der ersten vier Jahre an der Börse.

Bedeutet dies nun, dass man als Anleger grundsätzlich die Finger von neuen Aktien lassen sollte? Nicht unbedingt. Einige Unternehmen performen in ihren ersten Börsenjahren relativ schlecht, nur um hinterher doch noch durchzustarten. Das beste Beispiel hierfür ist Facebook. Für Privatanleger ist jedoch nicht auf Anhieb ersichtlich, welche Aktie ein Senkrechtstarter werden könnte. Der beste Tipp hierbei ist es, nicht sofort zuzuschlagen, sondern erst auf einen zwischenzeitlichen Preisverfall zu warten.

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