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Lohnt sich jetzt der Einstieg in Automobil-ETFs?
Lohnt sich jetzt der Einstieg in Automobil-ETFs?

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Die jüngsten Zahlen der Autobranche stimmen optimistisch. Die Nachfrage nach neuen Fahrzeugen dürfte auf absehbare Zeit wieder deutlich steigen. Im März verzeichneten diverse europäische Automobil-ETFs einen starken Kursanstieg. Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um einzusteigen?

Pkw-Markt dürfte 2021 um 10 Prozent zulegen

2020 hatte sich der Gewinn bei Volkswagen halbiert. Was unter normalen Umständen eine alarmierende Nachricht gewesen wäre, wurde in Anbetracht der Umstände überraschend positiv aufgenommen. Trotz massiver Produktionsausfälle und Umsatzrückgänge war es den Wolfsburgern im vergangenen Jahr dennoch gelungen, einen Gewinn von rund 10 Milliarden Euro zu erzielen. Nach der Mitteilung drehte die VW-Aktie (ISIN: DE0007664039) deutlich ins Plus.

Für noch wesentlich mehr Optimismus dürfte die Prognose für dieses Jahr sorgen. Demnach rechnen Analysten für 2021 mit einem Umsatz von rund 259 Milliarden Euro – ein Plus von rund 12,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und eine Steigerung im Vergleich zum Ergebnis aus dem Jahr 2019 um immerhin 6,5 Milliarden Euro.

Auch bei anderen europäischen Autobauern geht man 2021 mit einem deutlichen Anstieg der Nachfrage nach Neuwagen aus. Der europäische Autoherstellerverband Acea hatte jüngst verkündet, man erwarte in diesem Jahr beim Fahrzeugverkauf eine Zunahme von rund 10 Prozent.

Sind die Aussichten in der Automobilbranche für 2021 also durchgehend rosig? Leider nicht.

Uneinheitliche Entwicklung

Zu diesem Ergebnis kam zumindest eine jüngste Studie des Beratungsunternehmens EY. Demnach musste die komplette Automobilbranche im vergangenen Jahr Einbußen von insgesamt 177 Milliarden Euro verkraften. Es handelte sich dabei um den größten Einbruch bei Absatz und Gewinn in der Geschichte der Branche. Nicht jedes Unternehmen dürfte dies so gut verkraften können wie VW.

Diese Einbußen kommen für viele Hersteller zur Unzeit. Mit dem Aufstieg der Elektromobilität stehen zahlreiche traditionelle Marken vor der wohl größten Herausforderung ihrer Geschichte. Tesla und zumindest aktuell noch im geringeren Maße diverse chinesische Anbieter arbeiten derzeit daran, sich einen Spitzenplatz im zukünftigen Automarkt zu sichern.

Um sich dem entgegenzustemmen, sind in den nächsten Jahren hohe Milliardeninvestitionen notwendig. Lange Zeit über herrschte Skepsis, ob die großen und schwerfälligen Hersteller überhaupt dazu in der Lage sind, den Schritt vom Verbrenner zum Stromer zu meistern.

Zumindest im Fall von VW ist die Skepsis aktuell wachsendem Optimismus gewichen. Die Analysten der UBS hatten vor Kurzem eine Prognose veröffentlicht, wonach sie den Wolfsburgern zutrauen, in Zukunft zusammen mit Tesla eine führende Position beim Bau und Verkauf von Elektrofahrzeugen einzunehmen. Auch viele Anleger sind mittlerweile auf den VW-Zug aufgesprungen. Der Aktienkurs ist in den letzten drei Monaten um rund 50 Prozent gestiegen.

Bei anderen Herstellern wie Daimler oder BMW zeigen sich die Experten derweil jedoch noch deutlich skeptischer. Bei Daimler hatte man zu lange gezögert, ehe man die Bedeutung von Elektrofahrzeugen erkannt hat. BMW war hingegen einst einer der Vorreiter, setzte die eigenen Bemühungen jedoch nach einem kommerziellen Fehlstart nicht weiter fort und rennt dem Feld nun hinterher.

Europäische Automobil-ETFs performten zuletzt stark

Als Ganzes dürfte sich die Branche bereits in diesem Jahr wieder stark erholen. Bei einzelnen Herstellern kann sich diese Erholung jedoch durchaus noch bis ins kommende Jahr hinziehen. Gleichzeitig ist derzeit weniger denn je ersichtlich, welche Hersteller mit ihrem Elektrofahrzeugkonzept Erfolg haben werden. In einer solchen Situation bietet sich ein breit gestreutes Investment via ETFs besonders stark an.

Tatsächlich konnten diverse Automobil-ETFs im März deutliche Kurszuwächse verbuchen. Vor allem die Indexfonds mit einem Fokus auf die europäische Automobilindustrie legten zuletzt kräftig zu. Als Vergleichsindex dient dabei jeweils der STOXX Europe 600 Automobiles & Parts Index.

Die vier ETFs, welche diesen Index abbilden performten im laufenden Jahr allesamt mit ca. 19,3 Prozent. Alleine im März verzeichneten sie dabei ein Kurswachstum zwischen 13 und 13,6 Prozent. Die Performance seit dem Ende des Crashs beläuft sich damit auf 95 bis 98 Prozent.

Zum Vergleich: Der iShares Electric Vehicles and Driving Technology UCITS ETF (ISIN: IE00BGL86Z12), welcher auf Elektrofahrzeugbauer und die Digitalisierung der Mobilität setzt, kommt im laufenden Jahr aktuell lediglich auf ein Kursplus von ca. 10,4 Prozent, bzw. 3 Prozent im März. Zuletzt mussten diverse E-Auto-Hersteller Kursverluste hinnehmen.

Der STOXX Europe 600 Automobiles & Parts ETF – eine Wette auf Deutschland

Bei der Zusammensetzung sind die vier STOXX Europe 600 Automobiles & Parts ETFs fast identisch. Dominiert werden die Fonds jeweils von Daimler (24,8 %) und VW (14 %). Dahinter folgen der fusionierte Fiat Chrysler Konzern (Stellantis) sowie BMW. Auch diverse wichtige Zulieferer wie Michelin oder Continental finden sich in den Top-10 der ETFs wider.

Bei der Gewichtung nach Ländern dominiert Deutschland mit ca. 60 Prozent, gefolgt von Italien (20 %) und Frankreich (17 %). Der wohl größte Nachteil bei der Zusammensetzung stellt die sehr geringe Zahl berücksichtigter Werte dar. Die ETFs setzen sich jeweils lediglich aus 12 Positionen zusammen.

Während Kursschwankungen bei Renault oder Porsche noch leicht abgefangen werden können, würden Kursturbulenzen bei Daimler oder VW schon deutlich schwerer wiegen. Zwar stellen die ETFs also durchaus eine Absicherung gegen ein Scheitern einiger weniger Hersteller dar. Gleichfalls stellt eine Investition sicherlich eine Wette auf den weiterhin fortdauernden Erfolg der deutschen Automobilindustrie dar.

Ein ETF sticht heraus

Beim näheren Vergleich der vier ETFs sticht vor allem der iShares STOXX Europe 600 Automobiles & Parts UCITS ETF (ISIN: DE000A0Q4R28) heraus. Er ist der einzige ETF, welcher seinen Index physisch abbildet. Die anderen drei sind allesamt synthetisch. Damit einhergehen jedoch auch höhere laufende Kosten (TER). Diese belaufen sich beim iShares ETF nähmlich auf 0,46 Prozent. Die drei synthetischen ETFs kosten hingegen jeweils lediglich 0,30 Prozent.

Der iShares ETF ist mit einem Fondsvolumen von 566 Millionen Euro derzeit mit Abstand am größten. Ihm folgt der Lyxor STOXX Europe 600 Automobiles & Parts UCITS ETF (ISIN: LU1834983394) mit 172 Millionen Euro. Die übrigen beiden Fonds sind jedoch sehr klein und laufen daher längerfristig womöglich Gefahr, geschlossen zu werden.

Lohnt sich ein Einstieg?

Wie bereits erwähnt dürfte sich der Automobilmarkt kurzfristig wieder erholen. Mittel- bis langfristig gibt es jedoch diverse Unwägbarkeit. Derzeit lässt sich nicht genau abschätzen, welchen Herstellern es auf lange Sicht gelingen wird, den Übergang in die Ära der Elektromobilität erfolgreich zu bewältigen. Zumindest bei VW scheinen die Chancen nicht schlecht zu stehen.

Gleichzeitig haben auch die anderen deutschen Hersteller in der Vergangenheit bereits unter Beweis gestellt, dass sie sich in einem heiß umkämpften Markt von der Konkurrenz absetzen können. Wer davon überzeugt ist, dass sich deutsche Ingenieurskunst auch in Zukunft durchsetzen wird, hat mit einem der genannten Automobil-ETFs eine der unmittelbarsten Möglichkeiten, darauf zu wetten.

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