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So hat der durchschnittliche ETF-Anleger die Corona-Krise bisher überstanden
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Mit dem MSCI World und dem S&P 500 nähern sich zwei der größten und beliebtesten Indizes wieder ihren alten Höchstwerten. Noch ist unklar, ob im Herbst eine zweite Pandemiewelle bevorsteht, und Wirtschaft und Börsen erneut in Turbulenzen geraten. Dennoch lohnt es sich, ein Zwischenfazit zu ziehen und zu schauen, wie sich der durchschnittliche ETF-Anleger bisher geschlagen hat. Das Ergebnis dürfte durchaus durchwachsen ausfallen.
MSCI World und S&P 500 nähern sich wieder Höchstwert

Derzeit steuert der MSCI World stetigen Schrittes auf die 2.400 Punkte-Marke zu. Viel trennt den Index nun nicht mehr von seinem alten Höchstwert, welchen er unmittelbar vor dem Börsen-Crash erzielt hatte. Im Vergleich zum Jahresanfang weist der Kurs bereits ein Plus von 1,35 Prozent auf. Ein ähnliches Bild zeichnet sich beim S&P 500 ab, der sich nur noch hauchzart unterhalb seines Rekordwertes befindet.

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Die Erholung der beiden Indizes verlief in den vergangenen Monaten teils beispiellos. Trotz einiger zwischenzeitlicher Rückschläge und Seitwärtsbewegungen, ist es den Indizes gelungen, innerhalb von fünf Monaten um 46 respektive 49 Prozent im Kurs zu steigen. Angesichts dieser herausragenden Entwicklung liegt die Vermutung nahe, dass viele ETF-Anleger mit großer Erleichterung auf die Performance ihres Portfolios in den vergangenen Monaten zurückblicken dürften. Allerdings scheint die Realität etwas differenzierter auszufallen.

Kurzfristig orientierter Handel schadet der Vermögensbildung

Idealerweise nutzen Anleger ETFs als langfristige Anlage. Indexfonds sind typischerweise darauf ausgelegt, über einen langen Zeitraum hinweg gehalten zu werden, sodass ihre Anleger von der Entwicklung des Marktes profitieren können. Wie mehrere Untersuchungen allerdings festgestellt haben, scheinen sich sowohl in den USA wie auch hierzulande viele Anleger nicht an diesen Ansatz zu halten.

Gemäß Berechnungen des Finanzmarktforschers Antti Petajisto, beläuft sich die durchschnittliche Haltedauer eines ETFs in den Vereinigten Staaten gerade einmal auf zwei Wochen. Auch der Indexfonds-Pionier und Gründer von Vanguard, John Bogle höchstselbst, hatte sich bereits vor einiger Zeit über den eher kurzfristig orientierten Umgang vieler Anleger mit ETFs kritisch geäußert. Genau dieser häufige Handel schade seiner Ansicht nach der Vermögensbildung.

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Viele ETF-Anleger versuchten demnach, den Markt zu timen, was ihnen jedoch nicht wirklich gut gelingen würde. Vor allem in Phasen hoher Volatilität, wie es zuletzt der Fall war, ist die Versuchung, durch richtig getimte Trades, Gewinne zu erzielen, besonders hoch. Da die meisten Privatanleger bei solch einer Strategie jedoch eben kein glückliches Händchen haben, steht zu befürchten, dass nicht wenige von ihnen in den vergangenen Monaten empfindliche Verluste einfahren mussten.

Darauf setzen die meisten deutschen Anleger

Auch hierzulande sind die Anlagestrategien sowie die Portfoliozusammenstellungen vieler Anleger auch speziell im Hinblick auf ETFs durchaus nicht unproblematisch. So setzen deutsche Anleger nach wie vor am liebsten auf den DAX. Das gilt nicht nur bei der Auswahl der Einzelaktien. Auch in ETF-Form ist der deutsche Leitindex sehr beliebt. Allerdings eignet sich der DAX nur bedingt als Grundlage für einen ETF. Dies trifft allemal zu, falls dieser den Kern des Portfolios bilden soll. Mit gerade einmal 30 Titeln ist der Index schlicht nicht breit genug aufgestellt, um als Basis-ETF zu dienen.

Betrachtet man die bisherige Performance des DAX nach dem Crash, stellt man allerdings fest, dass der durchschnittliche deutschen Anleger zwar hinter seinem amerikanischen Gegenüber mit dem dort beliebten S&P 500 zurückbleibt. Allerdings hat sich auch der DAX in den vergangenen Monaten recht wacker geschlagen. Derzeit rangiert des deutsche Leitindex noch rund 3,4 Prozent hinter seinem Jahresanfangswert.

Differenzierter wird es allerdings, wenn man berücksichtigt, was sich viele deutsche ETF-Anleger ansonsten gerne in ihr Depot holen. Demnach liegen bei vielen Anlegern Branchen-ETFs und andere Nischenprodukte hoch im Kurs. Dies birgt sowohl Potenzial als auch ein nicht zu unterschätzendes Risiko.

Licht und Schatten bei den Branchen-ETFs

Im Gegensatz zu vorherigen Wirtschaftskrisen, hat die Corona-Pandemie dafür gesorgt, dass am Markt teils sehr unterschiedliche Entwicklungen aufeinander treffen. Vor allem der IT-Sektor sowie Teile der Gesundheits- und Biotech-Branche haben sich in den vergangenen Monaten zu den großen Gewinnern der derzeitigen Krise entwickelt. Gleichzeitig stürzten andere Branchen wie beispielsweise die Luftfahrt, der Einzelhandel oder die Reisebranche in ein tiefes Tal der Tränen.

Je nachdem, in welche Branchen-ETFs ein Anleger in dieser Zeit investiert hatte, waren sehr unterschiedliche Entwicklungen beim eigenen Portfolio möglich. Neben den zahlreichen Gold-ETFs gehörten so z. B. der VanEck Vectors Video Gaming and eSports ETF (ISIN: IE00BYWQWR46), der HANetf EMQQ Emerging Markets Internet & Ecommerce ETF (ISIN: IE00BFYN8Y92) oder der Invesco Elwood Global Blockchain ETF (ISIN: IE00BGBN6P67) in den vergangenen sechs Monaten zu den großen Gewinnern. Wer hingegen in einen der vielen Banken oder Energieversorger ETFs mit einem Fokus auf Öl gesetzt hat, hätte auch jetzt noch mit horrenden Verlusten zu kämpfen.
Die Folgen von falschem Markttiming

Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass Banken, Fluglinien und Ölkonzerne dauerhaften am Boden darnieder liegen werden. Anleger, dies es bis jetzt geschafft haben, sich nicht von ihren Anlagen zu trennen, dürfen daher auch weiterhin hoffen, dass die roten Zahlen spätestens im Zuge des nächsten Aufschwungs wieder aus ihrem Depot verschwinden.

Hierfür müssten sie ihre ETFs allerdings auch wirklich gehalten haben. In genau solchen Situationen kann die Neigung, mit ETFs zu Traden, anstatt langfristig in sie anzulegen, zum echten Problem werden. Durch den vorzeitigen Verkauf, wurden nämlich Verluste realisiert, die ansonsten vermeidbar gewesen wären.

Sind langfristige Anlagen jetzt doch im Aufwind?

Eine Nachricht, die diesbezüglich jedoch Hoffnungen macht, kam erst Anfang August vom Portal finanzdiscount. Dort verkündete man, dass der iShares Core MSCI World ETF (ISIN: IE00B4L5Y983) im Juli der beliebteste ETF Deutschlands gewesen ist. Zwar ist nicht klar, wie aussagekräftig dieses Ergebnis wirklich ist. Allerdings deutet zumindest eine wachsende Beliebtheit dieses ETFs daraufhin, dass sich auch hierzulande allmählich die Vorliebe für breit gestreute Indexfonds mit langfristiger Perspektive durchsetzt.

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