Die größten Top- und Flop-ETFs der ersten Jahreshälfte 2021

Es ist Halbzeit. Das Jahr 2021 hat im Vergleich zum vergangenen Jahr zahlreiche Veränderungen mit sich gebracht. Diese spiegeln sich auch in den Entwicklungen an den Börsen wider. Während einige ETFs, die 2020 noch zu den großen Gewinnern zählten, zuletzt hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren, sind einstige Verlierer vorne weggestürmt. Dies sind die größten Top-ETFs und Flop-ETFs der ersten Jahreshälfte 2021.

Top-ETFs 2021

1. Das Spitzenfeld: Energieinfrastruktur- und Explorations-ETFs

Die besten ETFs der ersten Jahreshälfte 2021 entstammen allesamt dem Energiesektor. Dabei lässt sich jedoch nochmals eine deutliche Zweiteilung beobachten. Die am besten performenden ETFs bilden dabei die Wertentwicklung von Unternehmen ab, welche speziell im Bereich der Energieinfrastruktur und Exploration neuer Öl- und Erdgasfelder tätig sind.

Der Grund hierfür ist, dass die meisten Förderunternehmen in den Jahren zuvor deutlich weniger in den Ausbau der Förderinfrastruktur und die Erschießung neuer Quellen ausgegeben hatten, da die Nachfrage bereits stark gesättigt war. Durch den rapiden Anstieg bei der Energienachfrage ist nun jedoch eine ausgesprochene Ölknappheit entstanden. Laut OPEC soll sich diese 2021 auf 1,5 Millionen Barrel Öl pro Tag belaufen. Das Erschließen neuer Felder lohnt sich also wieder mehr.

Entsprechend können sich viele der Unternehmen in diesem Bereich über einen erheblichen Auftragsschub freuen. Dies spiegelt sich wiederum in den steigenden Kursen der jeweiligen Aktien und letztlich der entsprechenden ETFs wider. Die vier besten ETFs der ersten Jahreshälfte sind daher wie folgt:

  1. L&G US Energy Infrastructure MLP UCITS ETF (ISIN: IE00BHZKHS06) – 59,36 %
  2. iShares Oil & Gas Exploration & Production UCITS ETF USD (ISIN: IE00B6R51Z18) – 52,19 %

  3. Invesco Morningstar US Energy Infrastructure MLP UCITS ETF (ISIN: IE00B8CJW150) – 50,63 %

  4. Invesco Morningstar US Energy Infrastructure MLP UCITS ETF (ISIN: IE00B94ZB998) – 50,35 %

Sämtliche dieser ETFs hatten im vergangenen Jahr mit Verlusten zwischen 27 und 38 Prozent noch zu den großen Verlierern gezählt. Ob sie auch in der zweiten Jahreshälfte weiterhin oben mitschwimmen werden, wird entscheidend von der weiteren Entwicklung des Ölpreises abhängen.

Gerade viele der US-amerikanischen Förderer von Schieferöl haben im vergangenen Jahr hohe Verluste gemacht und kämpfen aktuell noch mit Schulden. Es bedarf eines entsprechend hohen Ölpreises, um diese dazu zu motivieren, noch stärker in den Ausbau der eigenen Förderkapazitäten zu investieren. Die aktuellen Preisprognosen machen diesbezüglich jedoch zumindest Hoffnung.

2. Das Verfolgerfeld: Klassische Energie-ETFs

Unmittelbar auf den Plätzen hinter den Energieinfrastruktur-ETFs befinden sich wenig überraschend die klassischen Energie-ETFs mit Fokus auf Öl und Gas. Nach dem desaströsen Geschäftsjahr 2020 können die großen ÖL-Multis wieder mit deutlich gestiegenen Umsätzen und Gewinnen rechnen.

So ist der Umsatz von ExxonMobil im ersten Quartal 2021 beispielsweise auf 59,147 Milliarden Dollar gestiegen. Ein Plus von 27 Prozent im Vergleich zum Q4 2020. Zudem erzielte das Unternehmen mit 2,73 Milliarden Dollar zum erstem Mal seit dem Q4 2019 wieder einen Quartalsgewinn. Ähnliche Trends lassen sich auch bei vielen anderen großen Öl-Konzernen beobachten.

Die Liste der Energie-ETFs ist lang. Die folgenden Indexfonds konnten in der ersten Jahreshälfte am besten abschneiden:

  1. Xtrackers MSCI USA Energy UCITS ETF (ISIN: IE00BCHWNS19) – 46,35 %
  2. iShares S&P 500 Energy Sector UCITS ETF USD (ISIN: IE00B42NKQ00) – 45,72 %
  3. SPDR S&P U.S. Energy Select Sector UCITS ETF (ISIN: IE00BWBXM492) – 45,22 %

Während die Energie-ETFs im Frühjahr den Großteil ihres bisherigen Kursplus erzielt hatten, hat sich diese Entwicklung seit Mitte März doch merklich verlangsamt. Auch wenn endlich wieder die Gewinne sprudeln, so wiegen die Verluste der Vergangenheit doch noch schwer.

Ob es hier im restlichen Jahr noch weiter nach oben gehen kann, dürfte ebenfalls davon abhängen, ob die Öl-Nachfrage weiterhin steigt. Derzeit gehen Ökonomen davon aus, dass sich das Wachstum der wichtigen US-Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2021 etwas verlangsamen wird. Sollte sich dies bewahrheiten, würde ein erneuter Kursprung bei Energie-ETFs deutlich unwahrscheinlicher.

3. Rize Medical Cannabis and Life Sciences UCITS ETF

Verlassen wir den Energiesektor und wenden uns einer Reihe von bisher besonders gut performenden Einzel-ETFs zu. Der erste in dieser Liste ist der Rize Medical Cannabis and Life Sciences UCITS ETF (ISIN: IE00BJXRZ273). Mit einem Kursplus von 36,89 Prozent im laufenden Jahr handelt es sich hierbei um den aktuell am besten performenden Aktien-ETF, welcher keinen Fokus auf den Energie-Sektor hat.

Der Hype um die Legalisierung von Cannabis in weiteren US-Bundesstaaten hatte zu Beginn dieses Jahres dazu geführt, dass die Kurse zahlreicher Cannabis-Produzenten in den Himmel geschossen waren.

Zwischen Februar und Mai hatte sich der Markt jedoch spürbar abgekühlt. Auch wenn das Potenzial eines aufstrebenden US-Cannabis-Marktes zweifelsohne groß ist, so muss es sich doch noch erst zeigen, ob die zuvor erträumte Wachstumszahlen tatsächlich realistisch sind.

In den vergangenen drei Monaten hat der Rize Medical Cannabis and Life Sciences UCITS ETF gut 6,5 Prozent an Wert verloren. Zuletzt zeigte die Tendenz jedoch wieder leicht nach oben. Die in den vergangenen Monaten wenig berauschenden Quartalszahlen diverser Cannabis-Produzenten wie beispielsweise beim kanadischen Aurora Cannabis lassen eine erneute Kursrallye in der zweiten Jahreshälfte aktuell jedoch eher unwahrscheinlich erscheinen.

4. SPDR MSCI USA Small Cap Value Weighted UCITS ETF

Kleinere Unternehmen profitieren in der Frühphase eines wirtschaftlichen Aufschwungs meist besonders stark. Sie sind oftmals flexibler als die großen und eher schwerfälligen Konzerne und können daher eher auf neue Trends und sich bietende Gelegenheiten reagieren.

Mit dem SPDR MSCI USA Small Cap Value Weighted UCITS ETF (ISIN: IE00BSPLC413) gehört entsprechend auch ein Small-Cap-ETF zu den am besten performenden Indexfonds der ersten Jahreshälfte 2021. Über die ersten sechs Monate des Jahres steht hier ein Plus von 32,7 Prozent zu Buche.

Auch hier ist in den letzten Monaten eine spürbare Verlangsamung der Kursentwicklung zu beobachten. Ursächlich hierfür dürfte ebenfalls die bereits erwähnte Verlangsamung der US-Wirtschaft ab der zweiten Jahreshälfte sein.

5. Invesco Elwood Global Blockchain UCITS ETF

Noch zu Beginn des Jahres gehörte der Invesco Elwood Global Blockchain UCITS ETF (ISIN: IE00BGBN6P67) zu den besten Performern überhaupt. Es ist eben jenes Momentum, welches dafür sorgt, dass dieser ETF auch zur Halbzeitpause noch vergleichsweise gut dasteht.

Das Kursplus von 30,76 Prozent im laufenden Jahr sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Invesco Elwood Global Blockchain UCITS ETF bereits seit Mitte Februar keineswegs mehr zu den Top-Performern in diesem Jahr gehört. Die zwischenzeitlichen Kursstürze am Kryptomarkt ließen auch den Kurs des ETFs sinken.

Derzeit scheint es für die meisten Kryptowährungen wieder etwas bergauf zu gehen und auch der ETF konnte im letzten Monat wieder ein leichtes Kursplus erzielen. Ob hier jedoch in der zweiten Jahreshälfte noch mehr drin ist, dürfte maßgeblich davon abhängen, ob die Preise für Bitcoin, Ethereum und Co. abermals an ihre Rekordwerte werden anknüpfen können.

Flop-ETFs 2021

Alles in allem verlief die erste Hälfte des Börsenjahres 2021 bisher vergleichsweise gut. Die Liste der großen Verlierer ist daher recht übersichtlich. Auffallend ist jedoch, dass sich hier ausgerechnet der größte Gewinner des vergangenen Jahres wiederfindet.

1. Lyxor S&P 500 VIX Futures Enhanced Roll UCITS ETF

Über den größten Verlierer des laufenden Jahres gibt es nicht viel zu sagen. Der Lyxor S&P 500 VIX Futures Enhanced Roll UCITS ETF (ISIN: LU0832435464) ist ein sehr spezieller ETF, der immer dann am besten performt, wenn aufgrund von Kursturbulenzen eine Menge Volatilität im Markt ist. Während eines Bullenmarktes verliert der ETF jedoch entsprechend. Der Verlust von 29 Prozent im laufenden Jahr ist daher alles andere als überraschend.

2. Rize Education Tech and Digital Learning UCITS ETF

Platz 2 ist hier schon eher interessant. Beim Rize Education Tech and Digital Learning UCITS ETF (ISIN: IE00BLRPQJ54) handelt es sich um einen noch relativ jungen ETF. Er war erst im vergangenen Jahr aufgelegt worden. Zu jener Zeit hatte die Pandemie viele Länder weltweit noch fest im Griff. Darunter litt auch der Bildungsbetrieb. Plötzlich richtete sich der Blick verstärkt auf digitale Bildungsalternativen.

Der Rize Education Tech and Digital Learning UCITS ETF bildet das Potenzial dieses neuen Trends ab. Allerdings klafft zwischen theoretischem Potenzial und tatsächlich realisierten Umsätzen und Gewinnen doch eine recht große Lücke. Dies bekamen ab Mitte Februar gleich eine ganze Reihe von zuvor in den Himmel gelobten Technologie-Trends zu spüren. Die digitalisierte Bildung gehörte dazu.

Im laufenden Jahr verlor der ETF bisher 23,57 Prozent an Wert. Zwar ging es auch hier im letzten Monat wieder etwas bergauf. Eine Kursrallye im zweiten Halbjahr dürfte jedoch eher unwahrscheinlich sein.

3. Türkei-ETFs

Die größte Verlierergruppe an ETFs stellen in der ersten Jahreshälfte 2021 die Türkei-ETFs. Hier lagen die Verluste bisher zwischen 16 und 17 Prozent. Grund dafür ist die prekäre wirtschaftliche Lage in der Türkei.

Blickt man rein auf das Wirtschaftswachstum, so konnte die türkische Wirtschaft zuletzt durchaus mit überzeugenden Zahlen glänzen. So verzeichnete man im vergangenen Jahr trotz der Corona-Krise ein Wachstum von gut 2 Prozent. Im ersten Quartal 2021 konnten die Erwartungen der Analysten mit einem Wirtschaftswachstum von 7 Prozent sogar übertroffen werden.

Allerdings basiert dieses Wachstum zu einem großen Teil auf der unorthodoxen Geldpolitik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Dieser befeuert mit seinem anhaltenden Drängen auf niedrigere Zinsen eine immer weiter ansteigende Inflation. Im Jahresvergleich beläuft sich die Teuerungsrate derzeit auf 17,5 Prozent.

  • HSBC MSCI Turkey UCITS ETF (ISIN: IE00B5BRQB73) – -17,12 %
  • iShares MSCI Turkey UCITS ETF (ISIN: IE00B1FZS574) – -16,61 %
  • Lyxor MSCI Turkey UCITS ETF (ISIN: LU1900067601) – -15,81 %

In der zweiten Jahreshälfte könnte sich die Preisschraube für viele Güter und Dienstleistungen in der Türkei noch schneller drehen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dies auch die Wirtschaft zu spüren bekommt.

4. iShares Global Clean Energy UCITS ETF

Noch im letzten Jahr war der iShares Global Clean Energy UCITS ETF (ISIN: IE00B1XNHC34) mit einem Plus von 118,19 Prozent der mit Abstand am besten performende Aktien-ETF gewesen. Pünktlich zum Jahreswechsel schien der Hype jedoch verflogen zu sein. Es folgte erst eine Seitwärtsbewegung im Januar und schließlich ein massiver Kurssturz im Februar.

Seitdem blieb der iShares Global Clean Energy UCITS ETF deutlich hinter den zuvor in ihn gesteckten Erwartungen zurück. Im laufenden Jahr steht hier aktuell ein Kursminus von 12,96 Prozent zu Buche.

Dass die erneuerbaren Energien ein riesiges Potenzial bieten, steht dabei durchaus außer Frage. Nicht zuletzt aufgrund massiver Förderungsmaßnahmen auf beiden Seiten des Atlantiks dürfte die Branche in den kommenden Jahren weiter stark wachsen. Der vorherige Hype war dementsprechend nicht unbedingt unbegründet, sondern vielmehr etwas verfrüht.

Im Juni hat der Kurs des ETFs bereits wieder um gut 9 Prozent zugelegt. Es spricht derzeit einiges dafür, dass sich diese positive Entwicklung auch in der zweiten Jahreshälfte weiter fortsetzen wird. Der iShares Global Clean Energy UCITS ETF dürfte damit vermutlich am Ende des Jahres nicht unbedingt zu den Top ETFs 2021 gehören. Unter den größten Verlierern wird er sich aber vermutlich auch nicht mehr wiederfinden.

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Florian Schulze hat einen Abschluss in internationaler Politik und Wirtschaftspolitik und studiert derzeit Mathematik. ETFs, Aktien und Kryptowährungen sind seine Leidenschaft.

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