Nach Selbstmord eines 20-Jährigen: Online-Broker Robinhood nimmt Änderungen vor

Wenige Tage nachdem der tragische Selbstmord eines Nutzers von Robinhood für Schlagzeilen gesorgt hatte, hat das Unternehmen erste Konsequenzen angekündigt. Die beiden Unternehmensgründer Vlad Tenev und Baiku Bhatt versprachen eine Reihe von Änderungen. Der Handel auf der Plattform soll vor allem für unerfahrene Nutzer in Zukunft übersichtlicher und leichter verständlich werden.
Kritik an der Trading-Plattform Robinhood

Nach dem Tod eines 20-jährigen Studenten war in den letzten Tagen erhebliche Kritik am Online-Broker Robinhood und dem Design seiner Handelsplattform aufgekommen. Der Stein des Anstoßes war der Selbstmord von Alex K., nachdem dieser offenbar fälschlicherweise angenommen hatte, auf Robinhoods Plattform über 730.000 US-Dollar in einem Wertpapiergeschäft verloren zu haben.

Im Zentrum der Kritik stand dabei die Geschäftspraxis von Robinhood. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, den Online-Handel mit Wertpapieren weniger wie ein ernsthaftes Geschäft und mehr wie ein Spiel aussehen zu lassen. Dadurch wolle das Unternehmen, so Kritiker, vor allem eine junge Kundschaft anlocken, die sich bisher nicht mit dem Börsengeschäft beschäftigt hatte. Auch K. war erst seit wenigen Monaten auf Robinhood aktiv.
Ferner wurde das Design der Trading-App von Robinhood bemängelt. Die Optik der App ist in hohem Maße geradlinig und hält für Nutzer meist nur die notwendigsten Informationen bereit. Komplexere Zusammenhänge würden sich dadurch meist erst auf den zweiten Blick erschließen. Dies könnte auch der Grund für das tragische Missverständnis gewesen sein, welches zum tragischen Selbstmord geführt hatte.

Ein tragisches Missverständnis

Aus einem Screenshot, welcher das Konto des jungen Mannes zeigt, ist ersichtlich, weshalb dieser geglaubt haben könnte, über 730.000 US-Dollar Verlust gemacht zu haben. So zeigte ihm die App an, dass sein derzeitiger Kontostand bei – 730.165,72 $ lag. Auch seine Kaufkraft wurde mit diesem negativen Betrag beziffert. Auf den ersten Blick schien es demnach, dass K. aufgrund seines misslungenen Wertpapiergeschäfts einen enorm hohen Betrag verloren hätte.
Wie sich mittlerweile jedoch herausgestellt hat, war dies ein Trugschluss. K. wandte demnach eine sogenannte „Bull Put Spread“-Strategie an. Weil der Kurs der Amazon-Aktie, auf welche er spekuliert hatte, jedoch schlechter verlief als gehofft, griffen zwei Optionen gleichzeitig. Zum einen war K. gezwungen, eine bestimmte Zahl an Aktien zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Gleichzeitig konnte er die Aktien aufgrund einer zweiten Option jedoch sofort wieder zu einem günstigeren Preis verkaufen. Diese Methode hätte ihn vor einem allzu hohen Verlust schützen sollen.

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Tatsächlich scheint dies auch der Fall gewesen zu sein. Allerdings zeigte die App von Robinhood aufgrund des beendeten Handelstages lediglich die Kosten der ersten Hälfte der Transaktion an. Was K. für seinen Verlust hielt, war in Wirklichkeit nur das Zwischenergebnis der ersten Hälfte seines Geschäfts. Experten sind sich einig, dass er, hätte er das Wochenende über gewartet, spätestens am Montag seinen tatsächlichen Kontostand gesehen hätte.

Robinhood verspricht Änderungen

In einem gemeinsamen Statement drückten die beiden Co-Gründer von Robinhood, Vladt Tenev und Baiju Bhatt, ihr Bedauern über den Tod des 20-jährigen Alex K. aus. Zudem versprachen sie, Änderungen an der eigenen Plattform vorzunehmen. Konkret sollen die Anzeige und die Nutzeroberfläche überarbeitet werden. So sollen Nutzer in Zukunft sofort erkennen können, ob ihre negative Kaufkraft wirklich auf einen tatsächlichen Verlust zurückzuführen ist.
Zudem soll es Änderungen an der Art und Weise geben, wie multiple Optionen durchgeführt und angezeigt werden. Hauptursächlich für das Missverständnis war die große Verzögerung gewesen, mit welcher der Kauf und anschließende Verkauf der Aktien an die App kommuniziert worden waren. U. a. soll die In-App-Verlaufsseite detailgenau anzeigen, wie frühzeitige Optionszuweisungen ablaufen.

Zusätzliche Lehrmaterialien und Hilfen für Anfänger

Ferner will Robinhood in Zukunft in größerem Umfang Lehrmaterialien auf seiner Plattform zur Verfügung stellen. Insbesondere der komplexe Optionshandel soll damit auch für Einsteiger leichter verständlich gemacht werden. Zu diesem Zweck beabsichtigt Robinhood auch die Einstellung eines „Options Education Specialist“. Zudem sollen Nutzer der Plattform zukünftig zusätzliche Nachrichten und E-Mails erhalten, falls diese mit Optionen handeln, um ähnliche Missverständnisse zu vermeiden.

Wann genau alle Änderungen vorgenommen worden sind, kann das Unternehmen bisher noch nicht beantworten. Laut Tenev und Bhatt sei das Team von Robinhood derzeit fieberhaft an der Arbeit. Unterdessen hat das Unternehmen 250.000 US-Dollar an die American Foundation for Suicide Prevention gespendet.

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Wenn Sie selbst depressiv sind, Selbstmord-Gedanken haben, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit der Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de) auf. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

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