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Stopp der Gaslieferungen: Was bedeutet das für deutsche Aktien?
Stopp der Gaslieferungen: Was bedeutet das für deutsche Aktien?
Daniel Robrecht

Daniel Robrecht

Profi Investor

Die globalen Aktienmärkte korrigieren im laufenden Jahr deutlich. Makroökonomische Risiken und eine schwache Konjunktur belasten die Aktienkurse. Der deutsche Leitindex, der DAX, verlor seit Jahresbeginn rund 20 % seines Werts. Aktuell kämpft der mittlerweile 40 Unternehmen fassende Index mit der Kursmarke von 13.000 Punkten. Neben der Inflation und den Rezessionssorgen ist die Energiekrise das beherrschende Thema in der Politik und Finanzwelt.

Der jüngste Stopp der russischen Gaslieferungen mit fadenscheinigen Ausreden hinsichtlich der Wartungsbedürftigkeit von Nord Stream 1 machte uns die Abhängigkeit vom russischen Gas deutlicher denn je. Ob und wann russische Lieferungen wieder aufgenommen werden, ist unklar. Da der Winter naht, könnte sich die Situation drastisch verschlimmern. Doch was bedeutet der Stopp der Gaslieferungen für Deutschland und insbesondere auch für deutsche Aktien?

 

Russischer Gas-Lieferstopp stellt Deutschland vor Probleme

Durch den Lieferstopp Russlands stieg der Gas-Preis auf dem europäischen Markt deutlich an. Der Preis für Erdgas explodierte beispielsweise direkt am Montag, nachdem Nord Stream 1 die Gaslieferungen nicht mehr aufgenommen hatte. Teilweise bedeutete dies einen Anstieg auf Wochensicht um mehr als ein Drittel. Denn der russische Gaskonzern Gazprom kündigte an, dass man wegen eines Ölaustritts an einem Kompressor die Lieferungen vorerst nicht mehr aufnehmen könne. Zwar widersprachen Experten von Siemens Energy umgehend dieser Aussage. Am Status quo änderte sich jedoch nichts – Russland liefert vorerst kein Gas durch Nord Stream 1 und dürfte auch nach einer fraglichen Wiederaufnahme weiterhin nur überschaubare Mengen des wichtigen Erdgases nach Europa und Deutschland transportieren.

Parabolische Gaspreis-Entwicklung seit russischer Drosselung

Zwar gilt der Ukraine-Krieg als Auslöser für die explosiv gestiegenen Gas-Preise. Richtigerweise kam es auch im Anschluss direkt zu einem beträchtlichen Anstieg um rund 100 %. Doch in den darauffolgenden Wochen konsolidierte der Gas-Preis. Die heute absurd hohen Preise sind Folge der Sanktionspolitik und der darauffolgenden Reaktion Russlands. Denn erst nach dem Beginn der Drosselungen von Nord Stream 1 explodierten hierzulande die Kosten je Kilowattstunde Gas.

GasPreis-Deutschland

Gas-Notstand im Winter: Droht wirklich das Mega-Fiasko?

Ohne russisches Gas könne man in Deutschland keine durchgehende Energieversorgung in einem harten Winter gewährleisten – dies hörte man zuletzt häufiger in den Medien. Doch stimmt das wirklich? Eins steht fest. Deutschland füllt seine Gasspeicher immer weiter und erreicht aktuell die formulierten Ziele regelmäßig früher als gedacht. Deutschlands Gasspeicher sind fast zu 90 % gefüllt. Allein mit einem Speicherstand von rund 90 % würde man beim monatlichen Gasverbrauch aus dem letzten Winter rein aus den Reserven zwei Monate durchstehen können. Da auch weiterhin Gas importiert werden würde und zugleich der Verbrauch mit einem gesteigerten Bewusstsein zurückgehen könnte, dürfte das Gas deutlich länger reichen. Übrigens sah dies im Sommer noch gegenteilig aus – denn da verbrauchte Deutschland mehr Erdgas als im Jahr 2021.

Monatlicher Erdgasverbrauch Deutschland

Gas-Krise auch 2024 noch Thema?

Doch die Gas-Krise könnte uns länger begleiten, als erwartet. Denn auch im übernächsten Winter könnte eine umfassende Energieversorgung, die unabhängig von Russland dauerhafte Versorgungssicherheit garantiert, noch nicht gewährleistet sein. Unbekannte Variablen wie die Witterung, das Verhalten der Verbraucher und die Suche nach neuen Partnern machen Vorhersagen denkbar schwierig. Die deutsche Politik ist gefragt, um adäquate Lösungen zu finden, die einerseits sofort helfen und andererseits eine mittelfristig erforderliche Orientierung zu New Energy nicht vollkommen konterkarieren.

Bundeskanzler Olaf Scholz sieht Deutschland übrigens Ende 2023 vollkommen unabhängig von russischem Gas, da die Importterminals für Flüssiggas dann Lieferungen aus verschiedenen Ländern empfangen können. Zugleich sollen Hilfemaßnahmen für betroffene Unternehmen erlassen werden und die Atomkraftwerke partiell in Bereitschaft bleiben.

Die zunehmende Unabhängigkeit von Russland kann man übrigens an der folgenden Grafik gut erkennen. Denn seit dem Mai 2022 sinkt der Anteil russischen Gas rapide. War im Mai Russland noch der größte Lieferant, befindet sich dieser mittlerweile nur noch auf Platz 3 hinter den Niederlanden und Norwegen.

Herkunft Gas Deutschland

Nervöses Auf und Ab am Donnerstag: der DAX auf Richtungssuche

Aktuell befinden sich die Börsen nach einem massiven Abverkauf nach den US-Inflationsdaten auf Richtungssuche. Am gestrigen Donnerstag startete der DAX knapp unter 13.050 Punkten und stieg zunächst auf über 13.100 Punkte. Seit Mittag bröckelte der Kurs jedoch weg. Am frühen Nachmittag markierte der deutsche Leitindex dann bei rund 12.927 Punkten das Tagestief. Eine zwischenzeitliche Erholung auf über 13.000 Punkte wurde wieder abverkauft. Anschließend schloss der DAX bei rund 12.956 Punkten. Der Leitindex markierte damit einen Tagesschlusskurs unter der psychologisch wichtigen Grenze bei 13.000 Punkten.

Deutsche Aktien im Jahr 2022: Wie wirkt sich die Gas-Krise aus?

Durch die Gas-Krise steigt die Gefahr einer Rezession in Deutschland signifikant an. Sollten die Verbraucher ihren Gas-Verbrauch nicht reduzieren – die Industrie hat hier im August bereits signifikante Erfolge erzielt -, könnte vieles auf eine Verschlimmerung hindeuten. Sofern die Risikofaktoren zunehmen, könnte der deutsche DAX die bisherigen Verlaufstiefs aus 2022 bei rund 12.400 Punkten testen – ein weiterer Abverkauf scheint bei einem anhaltenden bearischen Sentiment sogar bis auf 12.000 Punkte denkbar.

DAX Kurs

Der September bleibt bereits bei Berücksichtigung der Saisonalitäten ein riskanter Monat, der auch in diesem Jahr weiteres Abwärtspotenzial bietet. Die Zinserhöhung der EZB, der Gas-Lieferstopp und die anhaltende Teuerung belasten die Börsen.

Wer aktuell in Aktien investieren möchte und den geografischen Fokus auf Deutschland legt, könnte mit einem gezielten Stock-Picking besser beraten sein. Dann kann man sich auf Unternehmen konzentrieren, die zumindest unabhängiger von der Gas-Krise sind und beispielsweise auch von der hohen Inflation nicht allzu stark getroffen werden. Eine günstige Bewertung macht einen Kauf im Jahr 2022 – bestenfalls gestaffelt in Tranchen – zu einer guten Option für mutige und langfristig orientierte Anleger.

 

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Daniel Robrecht

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Profi Investor

Daniel Robrecht

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Nach meinem Rechtswissenschaften- und Management-Studium habe ich mich für eine Tätigkeit als Freelancer entschieden. Mein Fokus beim Texten liegt seit vielen Jahren auf den Themen Geldanlage, Kapitalmärkte und Business. Auch im Privatleben gibt es für mich keinen Tag ohne Börse, Aktien und Co.
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