Finanzblogger im Fragefeuer: Interview mit dem Finanzfisch

In der Reihe Finanzblogger im Fragefeuer stellen wir die Köpfe hinter den spannendsten Finanzblogs Deutschlands vor. Heute im Fragefeuer: Tobias Mende alias Der Finanzfisch.

Was ist die Mischung aus einem Finanzhai und einem Goldfisch? Richtig, ein Finanzfisch! Tobias ist 28 Jahre alt, fertig mit dem Studium und im ersten Job angekommen. Der Informatiker bloggt seit 2015 und nutzt seinen Blog als „Ventil“ für die zahlreichen Gedanken zum Thema Finanzen.

ETF Nachrichten: Kannst du einen kurzen Überblick geben, was die Leser auf Finanzfisch erwartet?

Tobias: Auf meinem Blog Der Finanzfisch schreibe ich über meinen individuellen Weg des Vermögensaufbaus. Das heißt, ich schreibe, welche Investitionen ich warum tätige, welche Erfahrungen ich dabei mache und wie ich sparsamer leben und mehr investieren kann.

Darüber hinaus gibt es natürlich auch die übrigen „Basis-Artikel“ zu Themen wie Aktien, ETFs, Immobilien und P2P-Krediten, aber auch zu „Off-Topic-Themen“ wie Minimalismus, Humankapital, Lebensglück und Reisen.

Ich möchte mit meinem Blog Menschen inspirieren, ihren Vermögensaufbau selber in die Hand zu nehmen und zeigen, dass das gar nicht schwer ist und auch viel Spaß bringen kann.

ETF Nachrichten: In deinem Blog berichtest du von deinen Erfahrungen mit Investments in Aktien, ETFs und P2P-Krediten. Wie setzt sich deine Asset-Allocation aktuell prozentual zusammen?

Tobias: Derzeit machen ETFs 29,86% meines Gesamtportfolios aus. Einzelaktien kommen mittlerweile auf 33,50%. P2P- und Crowd-Investments kommen zusammen auf 12,56%. Derzeit halte ich außerdem noch fast 9% „cash“ vor, da ein Immobilienkauf bevor steht, für den ich etwas Eigenkapital benötige.

Der Rest entfällt auf speziellere Themen wie private Kredite, Kryptowährungen, geschlossene Beteiligungen und einen Bausparvertrag.

ETF Nachrichten: Planst du für die Zukunft bei der Allokation etwas zu verändern?

Tobias: Die geschlossene Beteiligung ist noch eine Altlast von mir, die aber noch bis 2020 läuft. Danach werde ich vermutlich keine geschlossenen Beteiligungen mehr im Portfolio haben. Auch der Bausparvertrag, den ich noch bis 2025 bespare, wird danach ausgezahlt und dann wird es auch keinen neuen geben. Ebenfalls eine Altlast. Aber mit einer Verzinsung von 3,26% pro Jahr über eine Dauer von 10 Jahren auch gar keine wirklich schlechte.

Darüber hinaus wird der Anteil der Einzelaktien weiter steigen. Anfang des Jahres habe ich mich dazu entschieden, meine ETF-Sparpläne zu pausieren und meine Sparraten regelmäßig und manuell in den Aufbau eines Aktien-Depots zu stecken. Die Gründe hierfür waren, dass mir die Auswahl von Einzelaktien und die Beschäftigung mit den Unternehmen viel Spaß bringt und ich darüber hinaus langfristig damit Kosten sparen kann. Außerdem kann ich natürlich genau die Aktien auswählen, die mir gefallen. Die ETFs dienen mir als breit diversifiziertes Fundament, auf das ich jetzt ein breit diversifiziertes Aktien-Portfolio aufsetzen möchte.

Darüber hinaus kommt zeitnah eine Eigentumswohnung mit ins Portfolio. Das verschiebt eh alles noch mal ein ganzes Stück.

ETF Nachrichten: Die Wahl des richtigen ETFs ist für viele Anleger eine Herausforderung. Wie gehst du bei der Auswahl vor?

Tobias: Ja, das Angebot ist einfach riesig und es gibt eine Vielzahl von Parametern, die man vergleichen kann. Ich bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass das aber eigentlich nicht sinnvoll ist.

Wichtig sind aus meiner Sicht die TER (kleiner ist besser), das Fondsvolumen (größer ist besser) und vielleicht noch die Frage, ob ich den jeweiligen ETF bei meiner Depot-Bank günstig (kostenlos) besparen kann.

Unwichtig sind für mich Frage wie „thesaurierend oder ausschüttend“ oder „synthetisch oder physisch replizierend“. Erstens ändert sich das gerne mal, wie wir Anfang 2018 gesehen haben und zweitens haben alle Varianten ihre Vor- aber auch Nachteile, die aber eigentlich gar nicht so wichtig sind. Wichtig ist gerade am Anfang, dass man anfängt.

Ansonsten würde ich ETFs immer so einsetzen, wie sie gedacht sind: Kaufen und liegen lassen, bzw. stetig investieren. Und am Besten auf breit diversifizierte Indizes setzen. Für mich ist das eine Mischung aus MSCI World und MSCI Emerging Markets. Oder gleich die Ein-ETF-Strategie mit dem MSCI ACWI.

Allerdings ist das natürlich sehr individuell. Ich bin 28 Jahre alt und habe noch 10, 20 oder sogar 30 Jahre Zeit, bis ich mal von meinem Vermögen leben möchte / muss. Da kann man Risiken eingehen. Daher verzichte ich derzeit auf die Investition in Anleihen oder Rohstoffe und setze vollständig auf die riskanteren Asset-Klassen.

Kürzlich habe ich auf meinem Blog beschrieben, wie ich bei der Auswahl vorgehen würde.

ETF Nachrichten: Der ETF-Guru Gerd Kommer hat vor Kurzem in einem Blogbeitrag das Konzept der finanziellen Freiheit scharf kritisiert. Was sagst du zu dieser Diskussion?

Tobias: Eine interessante Diskussion. Auch wenn ich selber glaube, dass es durchaus möglich ist, auch ohne eine hohes Startkapital die finanzielle Freiheit zu erreichen, muss ich Gerd Kommer dennoch ein Stück weit Recht geben: Die Literatur geht häufig von unrealistischen Startsituationen aus. Wer bereits 100.000€ zum Investieren zur Verfügung hat, hat es natürlich einfacher. Und wer vor 20 Jahren mit Immobilien-Investments angefangen hat, hat eine komplett andere Situation vorgefunden, als wir sie heute in 2018 haben. Daher ist solche Literatur immer mit Vorsicht zu genießen.

Dennoch enthalten diese Bücher und Blogs viele wertvolle Tipps und vor allem Inspiration. Wer sich regelmäßig mit dem Thema „finanzielle Freiheit“ beschäftigt, verschiedene Wege dahin kennen lernt und über seinen eigenen Weg nachdenkt, wird viel eher eine gute Gelegenheit erkennen, als jemand der einfach so vor sich hin lebt.

Und es muss ja nicht immer alles so schwarz-weiß sein, wie Herr Kommer das beschreibt. Also entweder Immobilien, oder Unternehmen oder Festanstellung. Man kann ohne Probleme auch als Angestellter nebenbei noch Geld dazu verdienen, ein kleines Unternehmen gründen und in Immobilien sowie Aktien investieren. Dadurch erhält man mehrere Einkommensströme, die mit der Zeit wieder neue Möglichkeiten eröffnen. Wer dann noch sparsam lebt hat auch mit einem durchschnittlichen Gehalt die Möglichkeit, deutlich weiter zu kommen, als wenn er oder sie einfach so von Gehalt zu Gehalt lebt.

Klar ist aber auch, dass nicht alle die finanzielle Freiheit erreichen können. Irgendwo habe ich mal etwas in dieser Art gelesen: „Jeder kann finanziell frei werden, aber nicht alle.“ – Am Ende des Tages wird es immer noch Menschen geben müssen, die aktiv arbeiten. Und das ist gut so. Es gibt nix besseres, als einen Job zu haben, der einem Spaß bringt. Das „Hamsterrad“ ist in unserer Szene eher negativ belastet. Aber wir vergessen, dass ein Hamster dieses Rad liebt. Und daher ist auch nichts falsches daran, einem ganz regulären Job als Angestellter nachzugehen, wenn es einen erfüllt. Was wäre ein Unternehmen ohne die Menschen, die in ihm arbeiten? Und sonst kann man, wie Herr Kommer richtig anmerkt, auch einfach den Job wechseln.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, sein Leben zu leben. Auf die finanzielle Freiheit hin zu arbeiten ist nur eine davon. Aber es ist gut, mehr als einen möglichen Lebensweg zu kennen. Viele Menschen kennen eben nur „Arbeiten bis 67 und dann hoffen, dass die Rente zum überleben reicht“.

Daher kann ich in dem Streben nach finanzieller Freiheit nichts negatives sehen, so lange man trotzdem ein erfülltes Leben hat. Selbst, wenn man sie nicht erreicht, ist man in jedem Fall besser gestellt.

ETF Nachrichten: Kryptowährungen waren der Hype des letzten Jahres. Doch nach dem Boom kam der Absturz. Ist der Krypto-Markt tot?

Tobias: Das glaube ich nicht. Kryptowährungen sind aus meiner Sicht die Zukunft. Allerdings heißt das nicht, dass wir hier einen Preis-Boom wie in der letzen Zeit sehen werden. Auch ist aus meiner Sicht noch völlig unklar, welche Währung das Rennen macht.

Damit Kryptowährungen als echte Währung Sinn ergeben, muss sich die Volatilität auch verringern. Das ist gut für das Zahlungsmittel aber schlecht für Spekulanten. Eine sinnvolle Währung zeichnet sich in meinen Augen durch zwei Dinge aus: Preisstabilität und Akzeptanz. Beides sehen wir aktuell noch nicht, weshalb sich hier viele Spekulanten tummeln. Aber dazu wird es kommen. Und dann sind keine großen Preis-Sprünge mehr zu erwarten.

Außerdem müssen Transaktionen schnell und günstig sein. Das ist derzeit beispielsweise bei Bitcoin überhaupt nicht gegeben. Deshalb kann es gut sein, dass diese Währung, wenngleich sie die erste war, nicht als Gewinner hervor geht.

Ich habe, mehr als Experiment denn als Investment, in verschiedene Kryptowährungen investiert. Wie auch bei Aktien habe ich hier breit diversifiziert, damit sich die Schwankungen der einzelnen Währungen etwas ausgleichen. Letztendlich halte ich die Kryptos jetzt aber einfach und schau nach einem Jahr mal nach, wie sie sich entwickelt haben. Zu meinem aktuellen Krypto-Portfolio habe ich kürzlich auch einen Artikel veröffentlicht.

Du willst noch weitere Interviews aus der Reihe „Finanzblogger im Fragefeuer“ lesen? Zur Übersichtsseite mit allen Interviews geht’s hier!

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