In Bitcoin investieren: Ist das Risiko für Privatanleger vertretbar?

Während der Ethereum Kurs gerade durch die Decke geht, scheint die größte aller Kryptowährungen Bitcoin zwischenzeitlich etwas an Schwung verloren zu haben. Unabhängig davon, in welche Richtung sich der Kurs in den kommenden Wochen bewegen sollte, dürfen Anleger nicht vergessen, dass das Investment in Kryptowährungen mit einem erheblichen Risiko verbunden ist. Doch wie riskant ist es tatsächlich? Ist in Bitcoin investieren für den gewöhnlichen Kleinanleger womöglich zu risikoreich?

Minus 28 Prozent in elf Tagen

Am 14. April lag der Bitcoin-Kurs noch bei über 54.200 Euro. Am 25. April, lediglich elf Tage später, waren es schon nur noch 39.000 Euro. In der Folgezeit gelang es dem Bitcoin zwar wieder, sich etwas zu erholen – aktuell kostet ein Bitcoin wieder über 47.000 Euro. Jedoch war dies dennoch ein ziemlich steiler Absturz für die Leitwährung unter den Kryptowährungen.

Dahinter muss sich nicht unbedingt ein Vorbote für einen baldigen Absturz des Bitcoin-Kurses verbergen. Eine Warnung sollte es jedoch dennoch sein. Der zwischenzeitliche Einbruch führte nämlich abermals vor Augen, wie volatil selbst etablierte Kryptowährungen weiterhin sein können.

Selbstverständlich ist dies kein Alleinstellungsmerkmal von Bitcoin und Co. Die Tesla-Aktie (ISIN: US88160R1014) hatte zwischen dem 7. Februar und dem 7. März knapp 35 Prozent verloren. 21,6 Prozent davon gingen allein zwischen dem 1. und 7. März verloren. Der Bitcoin befindet sich also durchaus in guter Gesellschaft.

Ist Bitcoin wirklich die beste Option?

Wenn selbst ein so zukunftsweisendes Unternehmen wie Tesla wilde Kurssprünge bei seiner Aktie erdulden muss, sollte dies für die Zukunftswährung Bitcoin doch auch kein Problem sein, oder? Nun gibt es allerdings einen großen Unterschied zwischen Tesla und Bitcoin. Tesla produziert Autos. Was produziert Bitcoin? Eigentlich nichts.

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Einige mögen nun vielleicht empört entgegnen, dass die Blockchain – die Technologie, auf welcher Bitcoin basiert – die Zukunft der Finanzen revolutionieren kann. Das mag auch durchaus stimmen. Allerdings wirft dies die Frage auf, was genau Bitcoin damit zu tun hat. Bitcoin war die erste Kryptowährung der Welt und der Wegbereiter für alle anderen digitalen Währungen, die es heute gibt. Doch was genau wird Bitcoin in Zukunft leisten?

Es ist unwahrscheinlich, dass die dezentralisierte Finanzwelt der Zukunft über die Bitcoin-Blockchain laufen wird. Dafür ist das Netzwerk schlicht zu langsam und lässt sich zu schlecht skalieren. Mittlerweile gibt es zahlreiche Blockchain-Netzwerke – und dazugehörige Coins -, die wesentlich besser skalierbar sind.

Viele der großen Krypto-Trends wie beispielsweise NFTs (Non-fungible Tokens) spielen sich derzeit auf dem Ethereum-Netzwerk ab. Gleichfalls existieren schon weitere gehypte Projekte wie Cardano mit seiner Kryptowährung ADA und Polkadot. Auch, wenn sich die Bitcoin-Blockchain sicherlich noch weiterentwickeln kann, so dürfte sie vom technischen Aspekt her kaum mit den kommenden Generationen an Krypto-Netzwerken mithalten können.

Ist Bitcoin mehr als die Summe seiner Teile?

Technisch könnte Bitcoin also auf dem absteigenden Ast stehen. Dies wirft allerdings die Frage auf, ob dies wirklich eine Rolle spielt. Der Hype um Bitcoin hat zahllose Anleger weltweit dazu gebracht, in die digitale Währung zu investieren. Wie viele davon kaufen Bitcoin, weil sie von der dahinter stehenden Technologie überzeugt sind? Wie viele davon wissen überhaupt, was eine Blockchain ist und wie genau sie funktioniert?

Wirft man einen Blick auf die Nachrichten über Bitcoin, so scheint der technische Aspekt der Währung nicht mehr wirklich eine Rolle zu spielen. Chartverläufe, 50-Tagesdurchschnitte und technische Widerstände scheinen nunmehr zu bestimmen, in welche Richtung es für den Vorreiter des DeFi-Zeitalters geht. Bitcoin ist in erster Linie ein Spekulationsobjekt. Und das, worauf spekuliert wird, ist ganz sicherlich nicht das technologische Potenzial der Bitcoin-Blockchain.

So negativ sich diese Erkenntnis auf den ersten Blick für Bitcoin anhören mag, hat sie doch auch etwas Positives: Bitcoin ist tatsächlich auf dem besten Weg, das digitale Gold zu werden – etwas, das, abgesehen von einigen spezifischen Anwendungen, keinen echten Wert hat, aber dennoch extrem wertvoll ist.

Der durchschnittliche Kleinanleger braucht sich also nicht unbedingt damit zu beschäftigen, ob die Bitcoin-Blockchain durch eine Layer-2-Lösung wie das Lightning Network nochmals einen technischen Sprung nach vorne machen kann. Ein Tweet von Elon Musk dürfte wahrscheinlich mehr Relevanz für den Bitcoin-Kurs haben. Dies wirft allerdings eine letzte große Frage auf.

Ist in Bitcoin investieren zu spekulativ?

Wenn Bitcoin nun in erster Linie ein Spekulationsobjekt geworden ist, welche Chance haben normale Privatanleger dann, dauerhaft damit Renditen zu erzielen?

Kurzfristige Spekulationen auf geringfügige Kursveränderungen sind von Natur aus hochspekulativ und gefährlich. Auf lange Sicht verdienen nur 1 Prozent aller Daytrader wirklich viel Geld mit ihren Spekulationen. Es ist unwahrscheinlich, dass die Quote bei wilden Spekulationen auf den Bitcoin-Kurs oder den Kurs anderer Kryptowährungen deutlich besser aussehen würde.

Bleibt also noch die Spekulation auf den langfristigen Wertanstieg des Bitcoins. Die Prognosen hierfür gehen weit auseinander. JP Morgan hält einen Anstieg auf 146.000 Dollar für möglich. Bobby Lee, seines Zeichens ehemaliger CEO des Krypto-Handelsplatzes BTCC, hatte jüngst sogar einen Bitcoin-Preis von 300.000 Dollar bis Ende des Jahres ins Spiel gebracht. Im gleichen Interview mit CNBC warnte er jedoch auch vor einem Absturz des Bitcoin-Kurses um 80 bis 90 Prozent. Eine solche Streuung erreicht man ansonsten nicht einmal mit einer Ladung Schrot.

Ein Aspekt, der für einen Wertzuwachs des Bitcoins sprechen könnte, ist die Tatsache, dass nun auch viele institutionelle Anleger in die Kryptowährung einsteigen. Tesla und Square sind nur die bekanntesten Namen unter den Unternehmen, die in Bitcoin investiert haben. Tatsächlich kann das steigende Interesse von Big Playern einen weiteren Kursanstieg des Bitcoins befeuern. In den vergangenen Monaten hat es dies zweifelsohne bereits getan.

Allein die Tatsache, dass nun aber auch finanzkräftige Großanleger in den Bitcoin einsteigen, bedeutet jedoch noch lange nicht, dass es deshalb nur immer weiter nach oben gehen kann. Auch der Aktienmarkt wird überwiegend von institutionellen Anlegern beherrscht und dort kommt es alle paar Jahre zu einem Crash.

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Hinzu kommt, dass weltweit die wenigsten Gesetzgeber ernsthaftes Interesse daran haben dürften, den Aktienhandel zu verbieten. Es vergeht jedoch kaum eine Woche, in der nicht irgendeine Regulierungsbehörde gegen Bitcoin wettert. Politische und regulatorische Unsicherheit waren bisher noch nie ein Grund zur Freude bei Anlegern.

Sollte ich jetzt in Bitcoin investieren?

Letzten Endes muss diese Frage jeder für sich allein beantworten. Es gibt gute Gründe, weshalb man als Privatanleger sehr vorsichtig im Umgang mit Bitcoin sein sollte. Gleichfalls dürfte es jedoch eher unwahrscheinlich sein, dass der Bitcoin nicht noch für den ein oder anderen Kursrekord sorgen wird. Die festgelegte Maximalzahl an Bitcoins allein dürfte schon dafür sorgen.

Dies soll also nicht als Aufruf verstanden werden, besser die Finger von Bitcoin zu lassen. Doch sollten sich Anleger darüber im Klaren sein, dass sie mit Bitcoin sowohl kurz- als auch langfristig gesehen im Trüben fischen. An zu viel Vorsicht ist aber vermutlich noch kein Anleger verarmt.

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Florian Schulze hat einen Abschluss in internationaler Politik und Wirtschaftspolitik und studiert derzeit Mathematik. ETFs, Aktien und Kryptowährungen sind seine Leidenschaft.

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