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FTX insolvent – stehen Tether und Circle mit vor dem Abgrund?
FTX insolvent – stehen Tether und Circle mit vor dem Abgrund?

Patryk Don

Profi Investor

In diesen Tagen gibt es im Kryptospace nur ein Thema: Die höchstwahrscheinliche Insolvenz von FTX und Alameda Research sowie deren Folgen für mit den Unternehmen verstrickte Drittparteien. Trotz gegenteiligen Beteuerungen mehren sich vor allem Gerüchte über Verstrickungen der Stablecoins USDT und USDC von Tether und Circle. Es besteht Grund zu der Annahme, dass beide enge finanzielle Beziehungen zu den vor der Pleite stehenden Unternehmen haben.

Tether Kurs

Dies lässt natürlich Erinnerungen an das nicht allzu lange zurückliegende LUNA-Debakel aufkommen, welches den damit in Verbindung stehenden Stablecoin UST seine Bindung zum Dollar verlieren, und nahezu wertlos werden ließ. Doch inwiefern unterscheidet sich die Situation von Tether und Circle zu dieser und welche Sicherheiten bieten sie ihren Anlegern?

Wie konnte es zu einer solchen Krise kommen?

Noch vor einer Woche, gab es keinerlei Anzeichen, die darauf hingedeutet hätten, dass FTX, die zweitgrößte Krypto-Plattform der Welt und der übergeordnete Marketmaker Alameda Research so kurz vor dem Bankrott stünden. Beide Firmen, mit zweistelligen Milliardenbeträgen bewertet, galten als Vorreiter am Markt und stellten die größte Konkurrenz für Binance, die größte aller Kryptoplattformen dar.

Es waren nun ausgerechnet Tweets von CZ, des CEOs von Binance, die dafür sorgten, dass Unsicherheiten geschürt wurden und immer mehr Anleger ihre Assets von FTX abzogen. In diesen Tweets formulierte er ernsthafte Bedenken an der Zahlungsfähigkeit beider Unternehmen und stellte in Aussicht, dass Binance seine Bestände des FTX-Tokens FTT, in der kommenden Zeit abstoßen würde.

Infolgedessen entstand ein regelrechter Bank Run auf FTX, der zur Folge hatte, dass das Unternehmen den Auszahlungsanfragen nicht mehr nachkommen, und Abbuchungen einstellen musste. Diese Zahlungsunfähigkeit legte offen, dass FTX tatsächlich keinen liquiden Zugriff auf alle Assets seiner Nutzer gewähren konnte und diese womöglich zu Spekulationszwecken an Alameda verliehen hatte.

Durch diesen Kollaps sind nicht nur die Assets der Nutzer von FTX, sondern auch alle anderen mit FTX und Alameda in Verbindung stehenden Firmen gefährdet, durch sogenannte Contagion-Effects, mit in den Abgrund gerissen zu werden.

FTT Kurs

Alles nur Gerüchte oder faktischer Anlass zur Sorge?

Im Falle von Tether und Circle wurden in diesem Fall aus kaum gerechtfertigten Vergleichen mit LUNA und UST, schnell begründete Bedenken. Circle schein On-Chain-Daten zufolge, größere Beträge des eigenen Stablecoins USDC nach FTX zu transferieren. Die Gründe für diese Kapitalbewegungen liegen noch im Dunkeln, doch ein Zusammenhang mit den aktuellen Ereignissen liegt natürlich nahe. Allameda ist wiederum als einer der größten Issuer von Tether bekannt und der mögliche Bankrott des Unternehmens lässt Spekulationen über die Auswirkungen auf Tether und USDT laut werden.

Die CEOs beider Unternehmen gaben sich jedoch größte Mühe, derartige Bedenken gleich im Keim zu ersticken und nahmen auf Twitter zu den Mutmaßungen Stellung.

Jeremy Allaire erklärte, dass Circle und USDC in keiner Art und Weise an FTX oder Alameda gebunden seien. Es seien keine Kredite an FTX vergeben worden und der Token FTT wurde von ihnen nicht als Collateral verwendet. Es sei zwar ein kleines strategisches Investment in FTX getätigt worden, doch dieses sei nicht von substanziellem Ausmaß. Die USDC Zuflüsse nach FTX seien laut Allaire außerdem automatisiert und würden lediglich der Werterhaltung von USDC dienen.

Auch Paolo Ardoino, der CTO von Tether, ließ keinerlei Zweifel an der Sicherheit von USDT als Stablecoin. Ihm zufolge habe Tether keinerlei Verbindung zu FTX oder Alameda. Zwar sei es in Vergangenheit zu großen USDT-Ausgaben seitens Alameda gekommen, diese wurden jedoch zurückgezahlt und es seien keine Kredite vergeben worden.

Einen weiteren Grund zur Unruhe boten in den vergangenen Stunden immer wieder leichte Kursschwankungen der beiden, eigentlich an den Wert des Dollars gekoppelten, Stablecoins. So ist der Kurs von USDT kurzzeitig auf einen Gegenwert von 96 Cent abgerutscht. Zwar konnte die Kopplung an den Dollarwert schnell wiederhergestellt werden, doch trotzdem ist klar zu erkennen, dass derartige Unregelmäßigkeiten sich seit dem Beginn des FTX-Debakels bei beiden Coins mehren. Der Untergang des UST-Coins von Terra (LUNA) begann mit ähnlicher Volatilität, weshalb sich viele Anleger daran erinnert fühlen.

Man muss allerdings ganz klar anerkennen, dass es signifikante Unterschiede in dem Aufbau von UST und den Stablecoins USDT und USDC gibt. Der großte und wohl auch ausschlaggebendste Unterschied ist der, dass sowohl USDT als auch USDC durch echte Dollars besichert, sind. Bei UST war diese Besicherung durch den LUNA-Coin gewährleistet. Sein Absturz hatte eine rapide Dezimierung des Gegenwertes dieser Besicherung und eine Entkopplung des UST-Tokens vom Dollarwert zufolge. Bei einer Besicherung eines Stablecoins durch echte, wertstabile Dollars, ist dies nicht so leicht möglich.

Die Volatilität, der sowohl USDC als auch USDT in diesen Tagen unterliegen, wird außerdem höchst wahrscheinlich durch die unverhältnismäßig hohen Transfermengen ausgelöst, mit welchen Coins in Stablecoins umgewandelt, oder von Börsen abgezogen werden. Die aktuellen Kapitalbewegungen sind weit größer als gewöhnlich und sorgen natürlich auch bei Stablecoins für kurzfristige Unregelmäßigkeiten im Kurs.

Gründe für fehlendes Vertrauen gibt es allemal!

Doch obwohl Tether und Circle versichern, in keiner bedeutenden Beziehung zu FTX und Alameda zu stehen, bleibt Anlegern bis zur Vorlegung weiterer entlastender Beweise, nur das Wort der CEOs, dem sie vertrauen können.

Doch mit dem Niedergang von Terra (LUNA) und der aktuellen Krise von FTX, gibt es in der jüngeren Vergangenheit gleich zwei Fälle, in denen CEOs bezüglich der Solvenz ihrer Unternehmen gelogen haben. So twitterte auch Sam Bankman-Fried noch kurz vor dem Auszahlungsstopp, dass die Assets der Kunden sicher seien und FTX keine Liquiditätsprobleme habe.

In der aktuellen Marktsituation wissen Anleger nicht, wem und wessen Wort sie noch trauen können und einfache Tweets sollten ohne weitere Beweise nicht für bare Münze genommen werden. Natürlich gibt es bis jetzt auch keine Beweise für tiefgreifendere Verstrickungen von Tether und Circle mit FTX und Alameda, doch Vorsicht ist in diesen Zeiten höchstes Gebot und das Halten der Coins birgt auf jeden Fall ein gewisses Restrisiko. Sollten sich die Gerüchte und Sorgen im Übrigen bestätigen und die Stablecoins ihre Kopplung an den Dollar verlieren, könnte dies eine Krise von bisher unbekanntem Ausmaß auslösen.

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