Krypto-Crash: Der Markt erholt sich, doch Zweifel bleiben bestehen

Der Kryptomarkt hat sich zuletzt wieder langsam vom Crash der vergangenen Woche erholt. Allein in den letzten 24 Stunden ist die Gesamtmarktkapitalisierung aller Kryptowährungen wieder um 5 Prozent gestiegen. Eine komplette Trendumkehr ist jedoch noch nicht zu beobachten. Die Ursachen für den Krypto-Crash werfen Zweifel bezüglich der zukünftigen Entwicklung digitaler Währungen auf. Worauf müssen Anleger nun besonders achten?

Krypto-Kurse erholen sich, ohne die Trendumkehr zu schaffen

Nachdem die Kurse von Bitcoin, Ethereum, XRP und Co. vergangene Woche zeitweise Verluste von 30 Prozent und mehr hatten hinnehmen müssen, hat sich die Lage am Markt mittlerweile wieder etwas entspannt. Innerhalb der letzten 24 Stunden ist der Ethereum-Kurs um mehr als 11 Prozent gestiegen. Für Cardano (ADA) ging es rund 13 Prozent nach oben. Bitcoin konnte ein Kursplus von rund 5 Prozent verzeichnen.

Trotz dieser zuletzt positiven Entwicklung ist es bisher jedoch noch keiner großen Kryptowährung gelungen, den Negativtrend, welcher den Markt seit letzter Woche im Griff hat, nachhaltig zu durchbrechen. XRP, Binance Coin und Polkadot sind auf sieben Tage betrachtet nach wie vor mit über 40 Prozent im Minus. Auch bei Bitcoin, Ethereum, ADA und Dogecoin zeigt der Wochentrend weiterhin nach unten.

Wie umweltschädlich sind Kryptowährungen?

Dass die Stimmung am Markt nach wie vor von Unsicherheit geprägt ist, liegt auch an der Tatsache, dass die Ursachen für den Krypto-Crash durchaus auch nachhaltige Wirkung haben könnten.

Nachdem sich die Kurse zahlreicher Kryptowährungen bereits über Tage hinweg in einer Abwärtsbewegung befunden hatten, hatte Tesla-CEO Elon Musk mit seiner Entscheidung, keine Bitcoins mehr zu akzeptieren, weiteres Öl ins Feuer gegossen.

Musks Begründung, Kryptowährungen wie Bitcoin würden über eine sehr schlechte Energiebilanz verfügen, warf ein Schlaglicht auf einen Aspekt der Blockchain-Revolution, der bisher zwar schon gelegentlich beanstandet worden war, bisher jedoch noch nicht im Fokus der Aufmerksamkeit gestanden hatte.

Laut Schätzungen beläuft sich allein der derzeitige Energieverbrauch für Bitcoin auf rund 127 Terawattstunden. Zum Vergleich: Deutschlands Gesamtverbrauch lag 2020 bei 543,6 Terawattstunden. Hauptgrund für den riesigen Energiehunger ist die Art und Weise, wie Bitcoin und zahlreiche andere Kryptowährungen geschürft werden und wie Verifikationen und Transaktionen in den jeweiligen Blockchain-Netzwerken ablaufen. Hierfür wird die Rechenpower immer größerer Server-Farmen benötigt.

Erschwerend hinzu kommt, dass derzeit ein überwiegender Teil der Bitcoin-Schürfer in China tätig sind, da dort der Strom besonders billig ist. Allerdings stammt der Großteil des chinesischen Stroms für Bitcoin aus Kohleenergie und stellt somit eine Belastung für die Umwelt dar. Schätzungen zufolge soll der CO2-Ausstoß im Zusammenhang mit Bitcoin im Jahr 2024 sogar den Gesamtausstoß von Italien übertreffen.

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Derzeit laufen zwar Bestrebungen, den Energiehunger von diversen Kryptowährungen mittels neuer Verfahren zu reduzieren. Inwieweit man damit jedoch Erfolg haben wird, steht auf einem anderen Blatt.

China verstärkt Anti-Krypto-Kurs

Auch die zweite Ursache für den Krypto-Crash hatte ihren Ursprung im Reich der Mitte. Bereits in der Vergangenheit hatte sich die chinesische Regierung wiederholt negativ bezüglich Kryptowährungen positioniert. Vergangene Woche hatte die chinesische Zentralregierung dann jedoch zum großen Schlag ausgeholt.

Sowohl Banken als auch Zahlungsdienstleistern wurde verboten, in Zukunft noch Dienstleistungen im Zusammenhang mit Krypto-Transaktionen anzubieten. Damit schob China der Nutzung von Bitcoin und anderen Digitalwährungen als Zahlungsmittel im eigenen Land endgültig einen Riegel vor.

Darüber hinaus verlautbarten die Clearing Association of China, die China Banking Association und die National Internet Finance Association of China allesamt Warnungen über diverse Social-Media-Kanäle. Demnach wurden chinesische Nutzer darüber in Kenntnis gesetzt, dass sie im Falle von Verlusten im Zusammenhang mit Krypto-Investments keinerlei Schutz in Anspruch würden nehmen können.

Als Reaktion darauf hatte sich der Abwärtstrend bei fast allen Kryptowährungen schlagartig verschärft und es kam zu einem regelrechten Krypto-Crash. Schwerwiegender dürften jedoch die langfristigen Auswirkungen dieser Entwicklung sein.

Zum einen schließt sich damit die Tür für Kryptowährungen in einem der größten Märkte überhaupt. Zudem erhöht sich hierdurch die Wahrscheinlichkeit, dass auch viele chinesiche Krypto-Miner in Zukunft unter Druck geraten könnten. Gleichzeitig hat dieser Schritt vielen Anlegern abermals vor Augen geführt, dass staatliche Institutionen den Krypto-Boom zumeist mit einem kritischen Auge betrachten.

Hierbei steht China keineswegs allein da. So bereitet die indische Regierung beispielsweise ein Gesetz vor, welches das Minen und Handeln mit Kryptowährungen praktisch verbieten könnte.

Kryptowährungen im Dilemma

Derzeit sieht sich die Kryptoszene zunehmend mit einem Dilemma konfrontiert. Angesichts des zunehmenden Drucks vonseiten staatlicher Institutionen müssen Kryptowährungen in Zukunft womöglich stärker bereit sein, sich auf Regulierungsbestrebungen einzulassen. Je mehr sie sich dem widersetzen, desto größer dürfte der staatliche Druck werden.

Suchen Kryptowährungen als Antwort darauf jedoch eine zu große Nähe zu Behörden und Regulatoren, dürfte dies viele Programmierer und Entwickler verprellen, deren Ansichten meist eher libertärer Prägung sind.

Eines der Hauptargumente für digitale Währungen wie Bitcoin oder Ether war stets, dass diese keiner Kontrolle durch Staaten und Zentralbanken unterlagen. Ob sich dieses Versprechen allerdings auch in Zukunft weiter aufrechterhalten lassen wird, wird nun zunehmend infrage gestellt.

Krypto-Kurse könnten weiterhin volatil bleiben

Auf längere Sicht könnte sich damit die Hoffnung vieler Anleger zerschlagen, dass die Krypto-Kurse in Zukunft endlich stabiler werden. Der Markt ist seit jeher von Spekulationen und wilden Kursschwankungen geprägt. Die Aussicht auf zukünftige Verbote und regulatorische Maßnahmen dürfte nun jedoch noch in deutlich größeren Ausmaß für Magenschmerzen bei vielen Anlegern sorgen. Zukünftige Schritte in anderen Ländern könnten zu vergleichbaren Kursbeben führen, wie dies vergangene Woche der Fall gewesen ist.

Gleichzeitig könnte der steigende Energieverbrauch der meisten Kryptowährungen dafür sorgen, dass auch viele Menschen, die bisher eher wohlwollend auf Digitalwährungen geblickt haben, in Zukunft eine kritischere Position beziehen könnten. Es ist derzeit noch unklar, ob sich hierfür eine Lösung finden wird.

Spätestens seit letzter Woche sind Regulierungen und Energieverbrauch zwei Themen, die kein Krypto-Anleger in Zukunft noch wird ignorieren können. Dies muss ein Krypto-Investment nicht unbedingt weniger renditeträchtig machen. Das Risiko dürfte jedoch bis auf Weiteres nicht geringer werden.

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Florian Schulze hat einen Abschluss in internationaler Politik und Wirtschaftspolitik und studiert derzeit Mathematik. ETFs, Aktien und Kryptowährungen sind seine Leidenschaft.

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