Lohnt sich ein Investment in Afrika-ETFs?

Mittlerweile leben rund 1,34 Milliarden Menschen in Afrika. Die wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents hängt jedoch nach wie vor deutlich hinter jener der Industrie- und Schwellenländer Europas und Asiens zurück. Gleichfalls sind auch dort Fortschritte sichtbar. Die Mittelschicht wächst und neue Unternehmen sprießen aus dem Boden. Lohnt es sich daher, mittels eines Afrika-ETF an dieser Entwicklung zu partizipieren?

Die Besonderheiten der afrikanischen Wirtschaft

Zuallererst sollten Anleger den Fehler vermeiden, die afrikanische Wirtschaft als großes Ganzes zu betrachten. Afrika ist enorm groß und die einzelnen afrikanischen Staaten sind von erheblichen regionalen, kulturellen und wirtschaftlichen Unterschieden geprägt.

Länder wie Ägypten, Kenia oder Südafrika bieten daher sehr unterschiedliche Voraussetzungen im Vergleich zu Nationen wie Somalia oder dem Sudan. Auch innerhalb einzelner Länder lassen sich teils erhebliche regionale Unterschiede beobachten. Das Stadt-Land-Gefälle ist oft sehr stark ausgeprägt. Während einige Metropolregionen bei Infrastruktur und Wirtschaft zügigen Schrittes aufholen, sind viele ländliche Gebiete nach wie vor von einem Mangel an kritischer Infrastruktur und großer Armut geprägt.

Trotz der Heterogenität der afrikanischen Wirtschaft gibt es auch starke Gemeinsamkeiten. Die wohl größte davon ist die enorme Abhängigkeit der meisten Länder von Exporten, Rohstoffen und Tourismus. Zu den Hauptexporten zählen landwirtschaftliche Produkte wie Kakao, Edelmetalle, Diamanten, Erze sowie regionsabhängig auch Erdöl.

Daneben entwickeln sich seit Jahren auch ein Industrie- und Dienstleistungssektor. Der Binnenmarkt ist in den meisten Ländern noch sehr unterentwickelt. Hieraus ergibt sich vielfach ein großes Potenzial für künftiges Wachstum. Gleichfalls sollten sich Anleger aber auch über die damit einhergehenden Risiken im Klaren sein.

Privatanleger haben es schwierig

Das Investment in ausländische Märkte ist für Privatanleger meist mit zusätzlichen Schwierigkeiten verbunden. Grund hierfür ist oftmals ein mangelnder Überblick über die genaue Marktsituation in einem bestimmten Land.

Während die Wirtschaften und Aktienmärkte der Industrie- und einiger Schwellenländer von zahlreichen Experten abgedeckt werden, werden Anleger bei einem Investment in unterentwickelte Märkte häufig mit einem Mangel an zuverlässigen Informationen konfrontiert. Wer Einzelaktien in Betracht zieht, benötigt nicht selten Spezialwissen über afrikanische Märkte und Unternehmen.

Erschwerend hinzu kommt, dass viele Aktien afrikanischer Unternehmen hierzulande nicht ohne Weiteres gehandelt werden können. Dies macht es nötig, auf Wertpapierhändler vor Ort zurückzugreifen. Werden bestimmte Aktien doch hierzulande gehandelt – z. B. Aktien südafrikanischer Unternehmen – ist deren Handelsvolumen meist jedoch sehr begrenzt. Hieraus können sich im Ernstfall Liquiditätsengpässe ergeben.

Afrika-ETFs als Alternative

Diesen Hindernissen stehen aber auch große Chancen gegenüber. Über die letzten 15 Jahre hinweg konnten die meisten Länder Afrikas ein Wirtschaftswachstum von mehr als 5 Prozent pro Jahr verzeichnen. Um die mit Einzelaktien verbundenen Risiken zu umgehen, bietet sich ein Investment in einen Afrika-ETF an.

Derzeit können Anleger hierzulande zwischen fünf verschiedenen ETFs mit afrikanischem Fokus wählen. Drei davon konzentrieren sich dabei ausschließlich auf südafrikanische Aktien. Die anderen beiden bieten Anlegern Zugriff auf die Wertentwicklung in verschiedenen afrikanischen Märkten.

Mit ETFs in die Entwicklung des südafrikanischen Marktes investieren

Der größte der Südafrika-ETFs – und zugleich auch der größte aller afrikanischen Indexfonds – ist der iShares MSCI South Africa UCITS ETF (ISIN: IE00B52XQP83) mit einem Fondsvolumen von 104 Millionen Dollar. Als sein Vergleichsindex dient der MSCI South Africa Index, welcher die größten südafrikanischen Unternehmen nach Marktkapitalisierung abbildet.

Der ETF setzt sich aus 37 Positionen zusammen. Bei der Zusammensetzung nach Sektoren dominieren die zyklischen Konsumgüter mit 33 Prozent, gefolgt von Rohstoffen und dem Finanz-Sektor mit jeweils rund 24 Prozent.

Mit einer Gewichtung von 31 Prozent ist der Medienkonzern Naspers die mit Abstand wichtigste Position im Index. Sowohl bei den afrikaanssprachigen Printmedien als auch bei Pay-TV-Sendern hat das Unternehmen in Südafrika praktisch ein Monopol inne. In den letzten 10 Jahren hat der Kurs der Naspers-Aktie (ISIN: ZAE000015889) um beinahe 700 Prozent zugelegt. Auch die jüngsten Kursdaten zeigen allesamt aufwärts.

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Die Performance des iShares MSCI South Africa UCITS ETF seit seiner Auflage im Jahr 2010 ist ebenfalls positiv. In den vergangenen elf Jahren performte der ETF mit einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 5,31 Prozent. Im zurückliegenden Crash hatte der ETF allerdings die gesamten Kursgewinne seit seiner Auflage eingebüßt. Diese Verluste wurden durch die sehr positive Entwicklung über die vergangenen 12 Monate hinweg jedoch wieder völlig egalisiert.

Die beiden anderen Südafrika-ETFs verfügen jeweils über ein deutlich niedrigeres Fondsvolumen. Von diesen ist der Lyxor MSCI South Africa UCITS ETF (ISIN: LU1900067270) jedoch mit einer TER von 0,45 Prozent der Günstigste. Der iShares MSCI South Africa UCITS ETF ist mit 0,65 Prozent vergleichsweise teuer. Allerdings weist er sowohl kurz- als auch langfristig die beste Kursentwicklung auf.

2 Afrika-ETFs für den ganzen Kontinent

Wer hingegen nicht ausschließlich auf Südafrika setzen möchte, kann stattdessen zwischen zwei Indexfonds mit einem breiter gefassten Fokus wählen. Der Xtrackers MSCI Africa Top 50 Swap UCITS ETF (ISIN: LU0592217524) bildet die Wertentwicklung der 50 größten afrikanischen Unternehmen nach Marktkapitalisierung ab.

Hierbei überwiegen allerdings ebenfalls die südafrikanischen Positionen, welche knapp 74 Prozent des gesamten Index ausmachen. Daneben sind noch einige Unternehmen aus Ägypten und Kenia enthalten. Rein nach regionaler Aufteilung kann man hierbei jedoch schwerlich von einem gesamtafrikanischen ETF sprechen. Seit seiner Auflage vor 10 Jahren hat der ETF im Durchschnitt lediglich 2 Prozent p. a. erzielt.

Etwas breiter aufgestellt ist hingegen der Lyxor Pan Africa UCITS ETF (ISIN: LU1287022708). Er setzt sich aus 30 Unternehmen zusammen. Südafrikas Anteil liegt hier nur bei 35 Prozent. Dafür berücksichtigt der ETF jedoch auch eine Reihe multinationaler Unternehmen mit Sitz in Kanada, Deutschland, Monaco oder den VAE.

Die langfristige Performance dieses ETFs ist leider sehr bescheiden. Seit seiner Auflage im Jahr 2008 performte er im Durchschnitt mit gerade einmal 0,98 Prozent p. a. Über längere Perioden anhaltende Kursgewinne werden des Öfteren durch Einbrüche wieder wettgemacht.

Eine Anlage ist derzeit sehr spekulativ

Insgesamt ergibt sich ein doch eher durchwachsenes Bild. Allen voran Südafrika konnte in den letzten Jahren durchaus mit Wachstum auf sich aufmerksam machen. Bei den gesamtafrikanischen ETFs blieb die Wertentwicklung jedoch bereits seit über einem Jahrzehnt deutlich hinter den Emerging Markets oder gar den Industrieländern zurück.

Trotz des teils starken Wirtschaftswachstums in vielen afrikanischen Ländern ist der weitere Weg nach wie vor lang. Zudem hat bereits die Unterperformance von Schwellenlandwerten in den vergangenen Jahren gezeigt, dass sich wirtschaftliche Entwicklung nicht unbedingt auf die Kursentwicklung übertragen lässt. Solange sich dies nicht ändert, wird Afrika-ETFs weiterhin ein Nischendasein beschieden sein.

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