Darum sollten Anleger bei günstigen Brokern die Spreads im Auge behalten

Aktienhandel für 0 Euro, ETF-Sparpläne ohne Gebühren – so sieht die schöne neue Welt an der Börse aus. Im Kampf der etablierten Banken gegen innovative Günstig-Broker lohnt sich in vielen Fällen ein genauer Blick auf die Kosten. Schließlich sind für den Anleger nicht nur die Order-Gebühren entscheidend – auch der Spread beeinflusst die spätere Rendite.
Broker im Wandel

Nicht erst seit dem Siegeszug des amerikanischen Brokers Robinhood wandeln sich die Aktienmärkte. Viele Börsenprofis sind sich einig, dass die jüngste Erholung an den Aktienmärkten zu einem beträchtlichen Anteil Kleinanlegern zuzuschreiben ist. Broker-Start-ups und Fintechs revolutionieren eine gesamte Branche. Der neue Aktienhandel erfolgt intuitiv über Smartphone. Zugleich beschränken sich die modernen Broker auf Basis-Funktionen. Das ausschlaggebende Argument im Kampf um neue Anleger, Investoren und Trader sind die geringen Kosten. Der erste Wandel der Broker vollzog sich von der Bankfiliale zu den Direktbanken wie Comdirect, ING-Diba oder Consorsbank. Der nächste Wandel steht bevor – die heutigen Herausforderer heißen Scalable Capital, Trade Republic oder Gratisbroker.

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Aktien und ETFs ohne Gebühren

In der Vergangenheit verschlungen die Ordergebühren nicht selten einen beträchtlichen Anteil der Rendite. Bei Gebühren über 10 Euro pro Trade sollte das Ordervolumen mindestens 500 Euro betragen – je größer der Betrag, desto besser für die spätere Rendite. Aus heutiger Perspektive ist dies kaum noch vorstellbar. Der Handel von Aktien und ETFs ist nur noch mit geringen Gebühren verbunden. Während herkömmliche und moderne Broker gleichermaßen ETF-Sparpläne ohne Kosten anbieten, sieht dies bei Aktien anders aus. Trade Republic sorgte für Furore mit dem Aktienhandel für einen Euro pro Trade. Mittlerweile gibt es Aktien-Sparpläne, bei denen die 1-Euro-Gebühr wegfällt.
Der Spread im Fokus

Die Discount-Broker bieten den günstigen oder kostenlosen Aktienhandel nicht aus altruistischen Gründen an. Der Handel der Aktien erfolgt über außerbörsliche Handelsplätze wie Lang &. Schwarz oder Gettex. Die Market-Maker stellen die Kurse. Anders als beim Handelssystem Xetra resultieren die Kauf- und Verkaufskurse nicht aus Angebot und Nachfrage, obgleich sich die Kostenlos-Broker an den Börsenkursen orientieren. Um ihre Grundausgaben decken zu können, bekommen die Broker für die Durchführung eines Trades eine Rückvergütung vom Market-Maker. Da dieser ebenfalls Einnahmen erwirtschaften muss, gibt es einen Spread – dieser bezeichnet die Differenz von Kauf- zu Verkaufskurs.

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Handelsvolumen der Aktie

Ein Blick auf die Aktien verschiedener Unternehmen zeigt, dass sich die Spreads in vielen Fällen auf einem angemessenen Niveau befinden. Beispielsweise betrug der Geldwert der Adidas-Aktie (WKN: A1EWWW) bei Lang & Schwarz am 07.10.2020 278,4 Euro, während der Briefwert bei 278,6 Euro lag. Der Spread betrug lediglich 20 Cent oder 0,07 %. Anders sieht dies mitunter bei Nebenwerten aus. Bei der deutschen Centrotec AG (WKN: 540750) betrug der Spread zur gleichen Zeit das Doppelte und somit 0,14 %. Wer jedoch die Aktien des kanadischen Unternehmens Modern Meat (WKN: A2P754) am 07.10.2020 kaufen wollte, bekam einen Geldwert von 2,395 Euro bei einem Briefwert von 2,46 Euro. Der Spread betrug beim innovativen Beyond-Meat-Konkurrenten 2,64 %. Bei den dargestellten Unternehmen handelt es sich lediglich um Beispiele, die die Unterschiede beim Spread auf Lang & Schwarz verdeutlichen sollen.
Prüfung vor dem Kauf

Vor dem Kauf einer Aktie beim Günstig-Broker empfiehlt sich ein Blick auf den Spread. In vielen Fällen bieten die außerbörslichen Handelsplätze faire Preise. Im Einzelfall kann bei einem geringen Handelsvolumen die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs mehrere Prozent ausmachen. Im schlechtesten Fall mindert der Spread folglich die Rendite des Investments deutlich.

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Gefahren der Günstig-Broker

Günstig-Broker erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Nutzerzahlen nehmen steitg zu. Die Entscheidung für einen Broker hat stets Vor- und Nachteile. Bei Discount-Brokern sollten Anleger die drei folgenden Gefahren im Blick behalten.

Gefahr 1: Spread bei gering gehandelte Aktien

Die erste Gefahr bei Günstig-Brokern ist der Spread bei gering gehandelten Aktien. Vor dem Trade sollten Anleger die Plausibilität der Differenz überprüfen. Sofern sich die Differenz prozentual unter 0,1 % bewegt, gibt es kein Problem. Bei höheren Spreads ist es erforderlich, die erwartete Rendite neu zu kalkulieren. Falls der eigene Investment-Case weiterhin aufgeht, ist der höhere Spread kein Problem. Andernfalls lohnt sich immer auch ein Blick auf das Zweitdepot, welches die Transaktionen ggf. über Xetra abwickelt.

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Gefahr 2: Konsolidierung der Broker-Branche

Die Wahl eines Günstig-Brokers geht für viele Anleger mit weiteren Bedenken einher. Da die Rückvergütung von den außerbörslichen Handelsplätzen marginal ist, brauchen die Broker viele Nutzer, die bestmöglich regelmäßig mit Aktien handeln. Erst ab einer bestimmten Kundenschwelle rutschen die Broker aus den roten Zahlen und sind dauerhaft profitabel. Der deutsche Günstig-Broker-Sektor ist jung. Eine Konsolidierung der Branche steht noch bevor. Allerdings können deutsche Anleger beruhigt aufatmen – die Anteilsscheine der Unternehmen sind im Falle einer Insolvenz Sondervermögen. Zudem unterliegen die Billig-Broker dank der Partner-Banken der deutschen Einlagensicherung.

Gefahr 3: Ständige Verleitung zum Handeln

Eine ausgesprochene Disziplin ist erforderlich, um sich nicht im Market-Timing zu versuchen. Bei Aktienverkäufen for free haben viele Anleger ständig ihren Finger am Abzug. Wenige Klicks am Smartphone genügen und schon wurden die ersten Buchgewinne realisiert. Statistiken kommen jedoch eindeutig zum Ergebnis, dass in vielen Fällen der Buy-and-Hold-Ansatz die bessere Rendite bringt. Neben der Berücksichtigung des Spreads bedarf es somit einer Strategie, die Anlageentscheidungen aus dem Bauch verhindert.

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