Diese Dinge sollten Anleger für die kommende Dekade berücksichtigen

Die Börsen dieser Welt bilden vielfach die Erwartungen an zukünftige Entwicklungen ab. Aus diesem Grund sollten auch Anleger bei der Auswahl ihrer Wertpapiere darauf achten, welche Faktoren und Trends in Zukunft von Bedeutung sein werden. Einhundertprozentige Sicherheit kann man natürlich niemals erlangen. Manche Entwicklungen deuten sich jedoch bereits heute an. Diese Dinge sollten Anleger für die kommende Dekade berücksichtigen.
Vor einem Jahr hätte wohl niemand vorhersehen können, wie turbulent das Jahr 2020 werden würde. Die Pandemie hat die Weltwirtschaft zwischenzeitlich auf den Kopf gestellt und die Märkte in helle Aufruhr versetzt. So unerwartet der weltweite Ausbruch von Covid-19 auch war, ein wirtschaftlicher Einbruch hatte sich bereits durchaus am Horizont abgezeichnet. Zahlreiche Anzeichen hierfür waren zuvor bereits erkennbar. Insofern diente das Corona-Virus lediglich als Katalysator für etwas, dass früher oder später von selbst eingetroffen wäre – wenn auch nicht ganz so heftig.

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Der kurzfristige Blick voraus

Obwohl kurzfristig wohl gleich mehrere aussichtsreiche Impfstoffe zur Verfügung stehen werden, dürfte es noch eine ganze Weile dauern, bis es gelingt, die Pandemie endgültig in den Griff zu bekommen. Daher wird auch 2021 zu großen Teilen weiterhin unter dem Zeichen der Pandemie stehen.

Etwas anders sieht es hingegen an den Märkten selbst aus. Mittlerweile haben sich die Kurse für zahlreiche Branchen wieder erholt. Manche Sektoren wie IT und erneuerbare Energien feiern aktuell Kursrekorde. Andere Branchen wie die Luftfahrt oder die Ölindustrie liegen weiterhin am Boden. Grundsätzlich haben sich die Börsen jedoch wesentlich schneller vom diesjährigen Crash erholt, als dies in der Vergangenheit der Fall gewesen ist.

Abhängig davon, wie sich die Wirtschaft im kommenden Jahr entwickelt, könnten weitere Konjunkturpakete folgen. In den USA wird dies auf jeden Fall geschehen. Mit einer Erhöhung des Leitzins ist jedoch weder diesseits noch jenseits des Atlantiks zu rechnen. Beides ist letztlich jedoch ohnehin nur für Anleger mit einem sehr kurzfristigen Anlagehorizont wichtig. Wer das eigene Geld hingegen über ein Jahrzehnt hinweg oder noch länger anlegt, braucht sich nicht sonderlich um solche Wirtschaftsnachrichten zu kümmern. Wichtiger sind in diesem Fall langfristige Entwicklungen.

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Die Zinsen bleiben niedrig

Die Zinsen befinden sich zurzeit auf einem historisch niedrigen Niveau. Im Euroraum liegt der Leitzins der EZB aktuell bei null. Banken, welche ihr Geld bei der EZB lagern wollen, müssen sogar einen Negativzins von -0,5 Prozent hinnehmen. Auch die US-amerikanische Fed hat ihren Zins auf eine Spanne von 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. In den kommenden Jahren dürfte sich hieran auch wenig ändern.

Die Fed hatte bereits zuletzt angekündigt, den Leitzins mindestens bis 2023 auf seinem sehr niedrigen Niveau zu belassen. In der Eurozone liegen die Zinsen derweil bereits seit Jahren darnieder. Nachdem die EZB ihren Leitzins als Reaktion auf die Finanz- und später die Schuldenkrise stufenweise auf 1 Prozent gesenkt hatte, senkte sie den Leitzins 2016 schließlich auf seinen jetzigen Stand. Nicht zuletzt aufgrund der Corona-Krise dürfte der Handlungsspielraum der EZB auch in den kommenden Jahren stark eingeschränkt sein. Viele Staaten würden bei höheren Zinsen schnell in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Für Anleger können dauerhaft niedrige Zinsen durchaus problematisch sein. Sie erleichtern es zwar, einen Immobilienkredit aufzunehmen, weshalb die Preise auf dem Immobilienmarkt trotz der Krise nicht einbrechen. Gleichzeitig machen sie Spareinlagen vollkommen unrentabel. Auch viele Anleihen lohnen sich dadurch kaum noch. Dies dürfte sich – wenn überhaupt – erst in der zweiten Hälfte der kommenden Dekade ändern. Bis dahin müssen vor allem Anleger mit einem großen Anleihenanteil im Portfolio mit einer spürbar niedrigeren Rendite rechnen.
Geopolitische Verwerfungen

Die Tonart zwischen den USA und China dürfte sich mit dem Amtsantritt von Joe Biden als US-Präsident wohl vorerst wieder etwas beruhigen. Der zugrunde liegende Konflikt zwischen beiden Ländern wird sich jedoch keineswegs in Wohlgefallen auflösen. Mittel- bis langfristig wird es zu weiteren Konfrontationen zwischen den beiden Ländern kommen.

Mit dem asiatischen Freihandelsabkommen RCEP ist der chinesischen Regierung zuletzt ein großer wirtschaftlicher und politischer Erfolg gelungen. Der Aufstieg chinesischer Unternehmen wird sich mittelfristig auch in deutlich steigenden Kursen an der Börse niederschlagen. Für Anleger bieten sich hier erhebliche Chancen.

Gleichzeitig sind in diesem Zusammenhang gewisse Risiken durchaus nicht von der Hand zu weisen. So kam eine Studie der Deutschen Bank zu dem Ergebnis, dass sich mit den USA und China zwei technopolitische Einflusssphären herausbilden könnten, die sich voneinander abkoppeln und keine Interoperabilität erlauben. Dies könnte sich von der Chiparchitektur bis hin zu Mobilfunkstandards ziehen und für viele Unternehmen enorme Kosten zur Folge haben.

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Noch deutlich schwerwiegender könnte ein über das Finanzsystem ausgetragener Konflikt sein. Da der Dollar nach wie vor die beherrschende internationale Leitwährung ist, können die USA jedem Land der Welt wirtschaftlich enorm schaden, indem sie seine internationalen Kapitalströme abschneiden. Die Trump-Regierung hatte die öffentlichen Pensionskassen bereits dazu aufgefordert, nicht mehr in chinesische Wertpapiere zu investieren. Diese Maßnahme war eher noch harmlos. Sie kann aber durchaus als Warnschuss in Richtung Peking verstanden werden.

Gleichzeitig ist China bestrebt, die US-Banken möglichst stark in den chinesischen Finanzmarkt einzubinden. Dadurch würden die Kosten eines gravierenden Embargos auf US-Seite ebenfalls in die Höhe schnellen. Gleichzeitig versucht Peking weiterhin, den Renminbi als zusätzliche internationale Leitwährung zu etablieren.

Für Anleger ist es aktuell kaum möglich, alle Gefahren im Zusammenhang mit diesem schwelenden Konflikt zu kalkulieren. Besonders auf lange Sicht hin wäre es jedoch durchaus ratsam, Anlagen in den chinesischen Markt mit einem zusätzlichen Risiko einzupreisen.
Digitalisierung und erneuerbare Energien

Die Digitalisierung hat bereits in den vergangenen Jahren immer mehr an Schwung aufgenommen. Die Pandemie diente hierbei nochmals als zusätzlicher Verstärker. Viele Unternehmen waren gezwungen, ihre Infrastruktur auf eine digitalere Arbeitsweise auszurichten. Auch beim Konsum verzeichnet der E-Commerce nochmals deutlich stärkere Umsatzzahlen, während viele physische Händler mit hohen Verlusten kämpfen müssen.

Gerade das letzte Beispiel zeigt, dass die Digitalisierung eine Medaille mit zwei Seiten ist. IT- und Tech-Unternehmen profitieren durch sie ungemein. Geschäftsmodelle, die mit diesem Wandel nicht Schritt halten können, laufen jedoch Gefahr, über kurz oder lang auf der Strecke zu bleiben.

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Das Gleiche dürfte in der kommenden Dekade auch für die Energieversorgung gelten. Nicht zuletzt aufgrund der starken Förderung sowie des großen gesellschaftlichen Zuspruchs dürften erneuerbare Energieträger in den kommenden Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnen. Für die traditionelle Energieindustrie zeichnet sich hierdurch jedoch ein Niedergang auf Raten ab. Es dürfte allerdings noch eine ganze Weile dauern, bis die Nachfrage nach Öl auch unabhängig von zwischenzeitlichen Krisen zurückgeht.

Derzeit umgibt sowohl den Tech-Sektor wie auch die erneuerbaren Energien ein enormer Hype. Hier besteht durchaus die Gefahr, dass es irgendwann zu einer Blasenbildung kommt. Einige Experten meinen, eine solche bereits beim Tech-Sektor zu erkennen. Aufgrund des nach wie vor enormen Potenzials der aufstrebenden Technologien ist ein weiteres Kurswachstum zumindest kurz- und mittelfristig kaum vermeidbar. Die Aussicht auf Rendite dürfte daher auch in der kommenden Dekade weiterhin hervorragend sein. Dennoch sollte man sich bei der Anlage stets von den zugrunde liegenden Zahlen und nicht nur vom Hype leiten lassen.

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