Ist ein Investment in Wasserstoff wirklich eine gute Idee?

Von vielen wird Wasserstoff als eine der wichtigsten Zukunftstechnologien für die Energiewende und die Mobilität von Morgen angesehen. Eine Zeit lang befanden sich diverse Wasserstoff-Aktien auf der Überholspur, ehe es zu deutlichen Kurskorrekturen kam. Doch lohnt sich ein Investment in Wasserstoff für Anleger tatsächlich?

Wasserstoff-Aktien stürzen ab

Noch vergangenes Jahr gehörten die Aktien von Plug Power (ISIN: US72919P2020), Ballard Power (ISIN: CA0585861085) oder Nel ASA (ISIN: NO0010081235) zu den am meisten gehypten Aktien des Jahres. Spätestens seit Februar hat sich die Situation jedoch grundlegend geändert. Die einstigen Überflieger mussten in den letzten Monaten Kursverluste zwischen 20 und 40 Prozent hinnehmen.

Zum einen folgt diese Entwicklung dem bereits oft beobachteten Muster eines Börsenhypes. Aktien, denen Anleger großes Potenzial zuschreiben, gehen plötzlich unabhängig von den zugrundeliegenden Fundamentaldaten durch die Decke. Irgendwann verpufft der Hype jedoch und die Aktienkurse brechen plötzlich wieder ein.

Allerdings müssen bei einer Einschätzung von Wasserstoff als Anlagetrend noch mehr Faktoren berücksichtigt werden. Die Entwicklung hin zu erneuerbaren Energien und der Bedeutungsverlust von klassischen Verbrennungsmotoren sind mittlerweile kaum mehr abstreitbare Tatsachen. Gleichzeitig stellt sich jedoch die Frage, inwiefern Wasserstoff und Brennstoffzellen tatsächlich in der Lage sind, bei diesen größeren Entwicklungen eine entscheidende Rolle zu spielen.

Die Vor- und Nachteile von Wasserstoff als Energieträger

Wasserstoff wird nicht erst seit Kurzem als Energieträger genutzt. Brennstoffzellen kommen bereits seit Langem beim Militär zum Einsatz. Auch in der Raumfahrt kann Wasserstoff seine Stärken ausspielen.

Bezogen auf seine Masse verfügt Wasserstoff über eine enorm hohe Energiedichte. Das Problem besteht darin, das Volumen von Wasserstoff zu reduzieren, da es in seinem gasförmigen Zustand zu viel Platz für die Lagerung in Tanks benötigt. Die Antwort auf dieses Problem sind die Verflüssigung und Druckspeicherung.

Das Problem hierbei ist jedoch, dass der Energieaufwand für die Verflüssigung sehr hoch ist. Die Energiekosten belaufen sich dabei auf ca. 30 Prozent der Endenergie. Hinzukommt noch der Wirkungsgrad bei der Gewinnung von Wasserstoff mittels Elektrolyse. Dieser liegt heutzutage im Durchschnitt zwischen 70 und 80 Prozent. Anschließend muss der Wasserstoff in der Brennstoffzelle wieder in Energie umgewandelt werden. Die Nutzung von Wasserstoff geht daher mit Energieverlusten einher.

Ein weiteres Problem sind die höheren Kosten, wenn Wasserstoff im mobilen Bereich eingesetzt werden soll. Laut deutschem Umweltbundesamt gibt es hierbei gleich mehrere Kostenfaktoren, die sich zum Nachteil dieser Technologie auswirken.

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So müssen nicht nur Anlagen zur Gewinnung, Verflüssigung, Speicherung und Bereitstellung des Wasserstoffes gebaut werden. Auch die Fahrzeugkonstruktion selbst ist mit höheren Kosten verbunden als dies beispielsweise bei Elektrofahrzeugen der Fall ist.

Die Rolle von Wasserstoff im zukünftigen Energie-Mix

Zweifelsohne bietet Wasserstoff diverse Vorteile gegenüber alternativen Energieträgern. Zum einen kann es eine CO2-neutrale Energiequelle sein. Dies hängt jedoch auch vom jeweiligen Verfahren ab. Zudem gibt es durchaus einige Wirtschaftsbereiche, in denen Wasserstoff seine Stärken voll ausspielen kann.

So geht JPMorgan in einer Analyse davon aus, dass Wasserstoff in Zukunft vor allem in der Stahl- und Schwerindustrie zum Einsatz kommen könnte. Auch für große und schwere Fahrzeuge, Bahnen sowie Schiffe könnte Wasserstoff als primärer Energieträger Anwendung finden.

In anderen Bereichen hinkt die dahinter stehende Technologie jedoch nach wie vor hinter gängigen Alternativen hinterher. Die großflächige Speicherung als Energiereserve für Stromnetze ist derzeit eher unpraktikabel. Die Nachteile bei der generellen Mobilität wurden bereits erwähnt.

Welche Rolle Wasserstoff in Zukunft spielen wird, hängt auch davon ab, ob es den beteiligten Unternehmen gelingt, die Kosten für seine Nutzung zu reduzieren. So rechnet JPMorgan vor, dass die Kosten für Brennstoffzellen noch um ca. 45 Prozent fallen müssten, damit diese eine ernsthafte Alternative zu Verbrennern darstellen könnten.

Eine solche Kostenreduktion lässt sich zum Teil über eine größere Massenproduktion erreichen. Allerdings dürfte auch weitergehende Entwicklungsarbeit notwendig sein. Zu einem nicht unerheblichen Teil hängt das zukünftige Potenzial von Wasserstoff also davon ab, inwiefern es gelingen wird, die Technologie noch weiterzuentwickeln. Derlei Dinge können von Anlegern jedoch nur schwer abgeschätzt werden.

Wasserstoff-ETFs als bessere Alternative zu Einzelaktien

Wo Anlegerhoffnungen und spekulative Zukunftstechnologie aufeinandertreffen, lassen wilde Kurskapriolen meist nicht lange auf sich warten. Das Investment in Einzelaktien ist in dieser Branche daher mit einem relativ hohen Risiko behaftet. Selbst viele bereits seit Jahrzehnten etablierten Unternehmen wie Nel ASA können ihre hohen Kursbewertungen derzeit höchstens mit zukünftigem Potenzial rechtfertigen. Ob und wann dieses Potenzial realisiert wird, ist jedoch aktuell nur schwer absehbar.

Anleger, die dennoch von der Zukunftsfähigkeit von Wasserstoff und Brennstoffzellen überzeugt sind, sollten daher eher zu einem ETF greifen. Derzeit gibt es zwei Indexfonds, die sich dem Thema Wasserstoff annehmen. Beide wurden erst in diesem Jahr aufgelegt.

Trotz des gleichen Themas unterscheiden sich die beiden ETFs bei ihrer Zusammensetzung überraschend stark voneinander. Der VanEck Vectors Hydrogen Economy UCITS ETF (ISIN: IE00BMDH1538) deckt viele der zuletzt stark gehypten und dann jäh abgestürzten Hersteller von Brennstoffzellen und Wasserstoffanlagen ab. Die Wertentwicklung dieses ETFs steht und fällt mit dem weiteren Erfolg von Wasserstoff.

Beim L&G Hydrogen Economy UCITS ETF (ISIN: IE00BMYDM794) findet sich zwar auch der ein oder andere Name, welcher im letzten Jahr in vielen Anlegerkreisen die Runde gemacht hatte. Daneben enthält der ETF aber auch zahlreiche Industrieunternehmen wie Daimler, Toyota, Cummins oder Johnson Matthey. Der Fokus liegt also auch auf Unternehmen, die konkrete Applikationen für eine potenzielle Wasserstoffindustrie entwickeln, jedoch nicht von deren Erfolg abhängig sind.

Wie sieht die weitere Entwicklung an der Börse aus?

Beide ETFs sind noch zu jung, um zuverlässige Aussagen über ihre weitere Performance treffen zu können. Aufgrund des noch stärkeren Fokus auf pure Wasserstoff-Titel dürfte der VanEck Vectors Hydrogen Economy UCITS ETF im Guten wie im Schlechten der volatilere der beiden Fonds sein.

Wann die aktuelle Talfahrt der Wasserstoff-Aktien an den Börsen zu Ende gehen wird, lässt sich derzeit nur schwer abschätzen. Wer sich rein auf die jeweiligen Unternehmenszahlen verlässt, dürfte aktuell nur wenig Grund für eine erneute Rallye sehen.

Auf lange Sicht handelt es sich hierbei jedoch um eine Technologie mit durchaus unverkennbarem Potenzial. Zukünftige Kursgewinne sind daher also durchaus wahrscheinlich. Allerdings sollte man sich momentan davor hüten, sich allzu sehr von künftigen Börsenhypes beim Wasserstoff mitreißen zu lassen. Es wäre bei Weitem nicht die erste Zukunftstechnologie, die letzten Endes hinter den in sie gesteckten Erwartungen zurückbleibt.

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