Nikola: War alles nur Betrug?

Manche sahen im Elektrolastkraftwagenhersteller Nikola bereits das nächste Tesla. Selbst dessen Gründer und CEO Trevor Milton gab sich ähnlich schillernd wie Tesla-Chef Elon Musk. Doch unter Umständen ist der Traum bereits zerplatzt, ehe Nikola überhaupt richtig abheben konnte. Derzeit lasten schwere Betrugsvorwürfe auf dem Unternehmen und dessen bereits zurückgetretenen Chef.
Höhenflug und Absturz

Noch im Juni wirkte es kurzzeitig so, also gelänge es Nikola, Tesla in Sachen Börsenkurs nachzueifern. Innerhalb von einem Monat war der Kurs der Aktie um beinahe 300 Prozent in die Höhe geschnellt. Zwar sollte dieser Höhenflug nur von kurzer Dauer sein, jedoch pendelte sich die Nikola-Aktie dennoch auf einem hohen Niveau ein.

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Erst diesen September verkündete General Motors, mit Nikola eine strategische Partnerschaft einzugehen. Man wolle die eigenen Produktionskapazitäten mit dem technischen Know-how von Nikola verbinden, um auf dem Markt für Elektrofahrzeuge anzugreifen. Doch nun stellt sich zunehmend die Frage, über welches technische Know-how Nikola wirklich verfügt. Nachdem bereits seit Längerem Gerüchte kursierten, erhob der Finanzinvestor Hindenburg am 10. September schwere Vorwürfe gegen Nikola. Das Unternehmen sei derzeit überhaupt nicht in der Lage, auch nur einen einzigen funktionsfähigen Elektrotruck zu bauen.

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Darüber hinaus wurde speziell Nikola-Gründer und Geschäftsführer Trevor Milton vorgeworfen, diverse Geschäftspartner mittels gezielter Täuschungen hinters Licht geführt zu haben. Von einem „komplexen Betrug“ sei die Rede. Die Anschuldigungen wogen so schwer, dass Trevor Milton diesen Montag völlig überraschend seinen Rücktritt als Geschäftsführer erklärte. Die Nikola-Aktie reagierte mit einem Kursrutsch von über 20 Prozent.

Nikola hat große Visionen

Milton begründete seinen Rücktritt damit, dass der Fokus nun gänzlich auf dem Unternehmen und nicht länger auf ihm liegen sollte. Der ehemalige General Motors Manager und derzeitiges Nikola-Verwaltungsratmitglied Stephen Gisky soll von nun an das Ruder in dem angeschlagenen Unternehmen übernehmen. Ob dieses Manöver jedoch ausreichen wird, um Investoren und Anleger zu beruhigen, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie viele der Versprechungen von Nikola in der Realität verankert sind und wie viel sich in den kommenden Wochen und Monaten als Hype und heiße Luft herausstellen werden.

Es waren nämlich u. a. jene vollmundigen Versprechungen, welche dafür gesorgt hatten, dass Nikola von vielen bereits als zweites Tesla wahrgenommen wurde. Im Gegensatz zum Unternehmen von Elon Musk hatte sich Nikola zum Ziel gesetzt, nicht Pkws, sondern Lkws mit Elektroantrieb zu bauen. Allerdings beabsichtigte das Unternehmen dabei, eine Art Hybridantrieb zu verwenden, welcher Wasserstoff mittels einer Brennstoffzelle in Elektrizität umwandelt, mit welchem wiederum eine große Fahrzeugbatterie aufgeladen werden soll.

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Die anvisierte Antriebstechnologie würde sich gravierend von bisher verwendeten Elektroantrieben unterscheiden. Den hierfür notwendigen Wasserstoff wollte Nikola in Zusammenarbeit mit dem norwegischen Unternehmen Nel selbst herstellen. Die Batterien sollten hingegen vom deutschen Hersteller Bosch geliefert werden.

Das ehrgeizige Vorhaben rief jedoch beizeiten Skeptiker auf den Plan, welche Zweifel daran äußerten, dass Nikola die angeblichen Prototypen wie beschrieben würde in die Tat umsetzen können. Elon Musk persönlich hatte die Idee mehrfach entschieden kritisiert und als „dumm“ zurückgewiesen.
Zwischen Marketing und Betrug

In einem Promo-Video aus dem Jahr 2017 hatte Nikola damals einen bereits scheinbar fahrenden Prototypen seines geplanten Lkws vorgeführt. Wie sich jedoch später herausstellte war das Fahrzeug überhaupt nicht in der Lage, von alleine zu fahren. Stattdessen hatte man es lediglich einen Abhang herunterrollen lassen, um den Eindruck zu erwecken, der Truck könne von selbst fahren. Nikolas Rechtfertigung, man hätte nie behauptet, das Fahrzeug könne sich tatsächlich von selbst fortbewegen, überzeugte im Nachhinein jedoch kaum jemanden.

Erst diesen Juli ließ sich Milton zu einer weiteren Lüge hinreißen. In einem Podcast hatte er verkündet, die angedachten 720-Kilowattstunden-LKW-Batterien würden bereits zu jenem Zeitpunkt vom Partner Bosch gefertigt werden. Bei Bosch gab man sich ob dieser Aussage jedoch verwundert. Tatsächlich befänden sich die Batterien immer noch in der Entwicklungsphase. Ein Produktionsdatum ließe sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehen.

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Hinzu kommt, dass auch zunehmend Zweifel an den restlichen Verlautbarungen von Nikola aufkommen. Angeblich soll das Unternehmen über eine eigene Photovoltaikanlage zur Herstellung von Wasserstoff verfügen. Auch deren Existenz wird jedoch nun von Insidern angezweifelt. Zudem hatte Hindenburg Research im Rahmen seiner übrigen Vorwürfe gegen Nikola auch behauptet, dass ein erheblicher Teil der angeblichen Fahrzeugreservierungen für den noch nicht existenten Truck finanziell überhaupt nicht gedeckt seien. So verfüge das Logistikunternehmen U.S. Xpress, welches Fahrzeuge im Wert von 3,5 Milliarden Dollar reserviert haben soll, derzeit lediglich über einen Kassenbestand von 1,3 Millionen Dollar.

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Ob sich nun auf absehbare Zeit bei Nikola eine ähnliche Tragödie anbahnt wie zuletzt hierzulande bei Wirecard, lässt sich derzeit noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Allerdings dürften vor allem die zahlreichen Großinvestoren sowie General Motors nun ganz genau wissen wollen, wie viel Nikola außer Hype tatsächlich vorzuweisen hat.

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