Warum ich thematischen ETFs gegenüber kritisch eingestellt bin

Thematische ETFs aus den Bereichen IT, Technologie und erneuerbare Energien gehörten im Mai zu den größten Verlierern. Zwar verlief der Mai auch für den Technologie-Sektor als Ganzes eher durchwachsen. Die besonders starken Verluste bei zahlreichen Nischen-ETFs sollten Anlegern jedoch als Warnung dienen. Es gibt gute Gründe, weshalb man thematischen ETFs und den Trends und Hypes, die sie bedienen, gegenüber kritisch sein sollte.

E-Learning bringt keine Rendite

Mit einem Minus von beinahe 20 Prozent ist der Rize Education Tech and Digital Learning UCITS ETF (ISIN: IE00BLRPQJ54) der mit Abstand am schlechtesten performende Aktien-ETF im Mai. Von seinem alten Kursrekord von rund 4,85 Euro ist der Indexfonds mittlerweile weit entfernt. Ganze 34 Prozent ging es seitdem nach unten.

Als der ETF im vergangenen August aufgelegt worden war, hatte die Corona-Pandemie an vielen Orten weltweit einen geregelten Unterricht bereits unmöglich gemacht. Infolgedessen war die Nachfrage nach E-Learning deutlich gestiegen. Der Zeitpunkt schien also gut getroffen zu sein, einen Digital Learning ETF ins Leben zu rufen.

Mittlerweile sinken die Corona-Infektionszahlen nicht zuletzt aufgrund des fortwährenden Impferfolgs in vielen Ländern der Welt. Dies wirft natürlich auch die Frage auf, inwiefern digitale Lernplattformen, nun, da wieder ein Regelunterricht möglich wird, in den Hintergrund treten werden. Viele Prognosen gehen davon aus, dass die Bedeutung von digitalem Lernen in Zukunft dennoch immer weiter steigen wird. Dies scheint also nicht unbedingt das Problem des ETFs zu sein.

Wesentlich kritischer sieht es jedoch aus, wenn man einen Blick auf die Profitabilität dieses Geschäftszweiges wirft. Tatsächlich offenbaren sich dort schon wesentlich ernstzunehmendere Schwächen.

So hat das Jahr 2020 Chegg Inc. (ISIN: US1630921096) – einen Anbieter von digitalen Lernplattformen und Position Nummer 1 im Digital Learning ETF – eher noch tiefer in die Verlustzone gerissen, als dies bereits vorher der Fall gewesen war. Das vergangene Jahr hat zweifelsohne Wachstumsperspektiven eröffnet. Um diese zu realisieren, sind jedoch oftmals erhebliche Investitionen notwendig. Gewinne werden in diesem Fall allzu oft in die Zukunft vertagt.

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Vorsicht vor dem Hype

Für Anleger, die sich vorwiegend im Tech-Sektor engagieren, ist diese Erkenntnis natürlich nichts Neues. Jahrelang Verluste zu erzielen, während man dabei ist, sich zu entwickeln und einen Markt für sich zu erschließen, ist etwas, was bei den meisten Tech-Start-ups Gang und Gäbe ist.

Allerdings ist nicht jedes Start-up, welches jahrelang nur rote Zahlen schreibt, auch wirklich auf dem Weg in eine goldene Zukunft. Das Gleiche gilt auch für Branchen und technologische Trends.

Anleger und Analysten sind immerzu bestrebt, das nächste große Ding zu entdecken. Wenn ein Sektor gerade dabei ist, durchzustarten, wie dies im vergangenen Jahr mit dem Tech-Sektor als Ganzes der Fall gewesen war, ist man daher nur allzu gerne bereit, jeden irgendwie damit im Zusammenhang stehenden Trend sofort hochzujubeln und in den Himmel zu hypen.

Es ist eben jener Hype, welcher die ETF-Anbieter wiederum befeuert, ständig neue Themen-ETFs ins Leben zu rufen. Die meisten dieser kreativen Neuschöpfungen fußen dabei letztlich immer auf einem aktuellen Anlagetrend. Die Beispiele hierfür sind mittlerweile mannigfaltig:

  • Rize Education Tech and Digital Learning UCITS ETF (ISIN: IE00BLRPQJ54) -19,5 % Mai
  • First Trust Nasdaq Clean Edge Green Energy UCITS ETF (ISIN: IE00BDBRT036) -12,6 % im Mai
  • Global X Telemedicine & Digital Health UCITS ETF (ISIN: IE00BLR6QB00) -10,4 % im Mai
  • Invesco Elwood Global Blockchain UCITS ETF (ISIN: IE00BGBN6P67) -9,9 % im Mai
  • VanEck Vectors Hydrogen Economy UCITS ETF (ISIN: IE00BMDH1538) -9,7 % im Mai
  • WisdomTree Artificial Intelligence UCITS ETF (ISIN: IE00BDVPNG13) -9,3 % im Mai
  • WisdomTree Cloud Computing UCITS ETF (ISIN: IE00BJGWQN72) -9 % im Mai
  • HANetf The Medical Cannabis and Wellness UCITS ETF (ISIN: IE00BG5J1M21) -8 % im Mai

Kein guter Zeitpunkt für Themen-ETFs

Wie sich anhand der obigen Liste leicht erkennen lässt, war der Mai kein sonderlich guter Monat für thematische ETFs. Der Einwand, dass auch der Technologie-Sektor als Ganzes im Mai nicht sonderlich gut performt hat, greift hier im Übrigen deutlich zu kurz.

Zum einen liegt der US-Technologieindex Nasdaq 100 über den Mai hinweg gerade einmal mit 1 Prozent im Minus. Zum anderen entstammen auch nicht alle der obigen ETFs dem Tech-Sektor. Was ETFs wie der HANetf The Medical Cannabis and Wellness UCITS ETF oder der VanEck Vectors Hydrogen Economy UCITS ETF aber sehr wohl mit dem Rest des Feldes gemein haben, ist, dass die ihnen zugrunde liegenden Anlagethemen zuvor ebenfalls in den Himmel gehypt worden waren.

Für einige dieser Themen-ETFs hat sich das Blatt erst vor Kurzem gewendet. So sind beispielsweise sowohl der Cannabis-ETF als auch der Blockchain-ETF im laufenden Jahr weiterhin noch mit jeweils über 20 Prozent im Plus. Für andere wiederum wie beispielsweise den First Trust Nasdaq Clean Edge Green Energy UCITS ETF geht es jedoch schon seit Jahresanfang bergab.

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Wenn Trend-ETFs nicht mehr trendig sind

Es ist auf den ersten Blick nicht leicht, einen Grund für das schlechte Abschneiden so vieler Themen-ETFs zu finden, haben doch manche von ihnen eigentlich nicht viel mit dem Rest zu tun. Auch die Gesamtlage des Marktes ist nicht Schuld daran. Der MSCI World hat im Mai sogar noch leicht Plus gemacht.

Vielmehr scheinen die einzigen vereinenden Faktoren all dieser Indexfonds zu sein, dass es sich eben um thematische ETFs handelt. Zudem war ihre vorherige Kursentwicklung zu einem großen Teil von der Hoffnung vieler Anleger auf eine goldene Zukunft befeuert worden.

Nun scheint der Hype jedoch vorerst verflogen zu sein. Stattdessen hat sich eine neue Nüchternheit am Markt breitgemacht. Anstatt vornehmlich auf Wachstumsversprechen zu vertrauen, blicken Anleger nun mehrheitlich auf konkrete Zahlen.

Viele Überflieger aus den Bereichen Wasserstoff, Elektromobilität, Digitale-Technologie etc. wurden zuletzt durch einen eben solchen Blick entzaubert. Das oben erwähnte E-Learning-Unternehmen Chegg Inc. ist hier nur ein Beispiel unter vielen. Wer eines weiteren Beispiels bedarf, braucht sich nur die jüngsten Quartalszahlen von Brennstoffzellenhersteller Ballard Power (ISIN: CA0585861085) anzusehen.

Tatsächlich scheint aktuell Value bei vielen Anlegern höher im Kurs zu stehen als Growth. Die „Great Rotation“ weg von Wachstumstiteln hin zu klassischen Value-Positionen war in der Vergangenheit bereits von vielen Experten vorhergesagt worden. Im laufenden Jahr performen ETFs mit einem ausgesprochenen Value-Ansatz nun auch tatsächlich besser als die meisten Growth-Fonds. Solide Zahlen liegen aktuell im Trend. Klassische Trend-Aktien haben hingegen zu einem großen Teil das Nachsehen.

Schon zu spät, oder doch zu früh?

Bedeutet das nun, dass man als Anleger besser die Finger von Themen-ETFs lassen sollte? Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Nicht nur deswegen, weil niemand die Zukunft vorhersagen kann. Es ist nämlich auch relativ unwahrscheinlich, dass sich alle Anlagethemen in Zukunft auf die gleiche Weise entwickeln werden.

Themen wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, erneuerbare Energien oder die Blockchain sind zweifelsohne im hohen Grade zukunftsträchtig. Es ist daher alles andere als unwahrscheinlich, dass die entsprechenden Kurse in Zukunft wieder steigen werden. Es wäre sogar keine Überraschung, wenn dies bei einigen ETFs bereits in den kommenden Monaten wieder der Fall sein würde. Bei Börsentrends und neuen Technologien stellt sich nämlich gleichsam immer die Frage des richtigen Timings.

Einer der Gründe, weshalb Themen-ETFs von manchen Experten kritisiert werden, ist die Tatsache, dass sie meist erst dann ins Leben gerufen werden, wenn der ihnen zugrunde liegende Trend bereits auf dem Weg ist, seinen Höhepunkt zu überschreiten. Als Anleger läuft man in diesem Fall Gefahr, zu spät zu kommen.

Andererseits sind manche Anlagetrends aber auch einfach ihrer Zeit voraus. Das beste Beispiel hierfür ist die Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende. Damals mussten viele Anleger zu ihrem Leidwesen feststellen, dass nicht alles, was mit Internet zu tun hat, auch wirklich eine renditeträchtige Zukunft hat. 20 Jahre später ist das Internet allgegenwärtig und hat Konzerne wie Amazon, Alphabet oder Facebook zu einigen der wertvollsten Unternehmen der Welt gemacht.

Gut veranschaulichen lässt sich dies am Hype-Zyklus nach Gartner. Es ist also gut möglich, dass Wasserstoff-, Blockchain- oder KI-ETFs in ein oder zwei Jahrzehnten ein Vielfaches von dem Wert sein werden, was sie heute sind. Vielleicht wird aber auch der ein oder andere heutige „Zukunftstrend“ bis dahin im Orkus verschwunden sein.

Themen-ETFs sind gut, wenn sie in Maßen genutzt werden

Trotz der keineswegs unberechtigten Kritik können thematische ETFs letzten Endes also durchaus eine gute Ergänzung für das eigene Depot darstellen. Wichtig ist dabei jedoch immer, das sie nur einen kleinen Teil des Portfolios ausmachen.

Alles auf eine Karte zu setzen und zu hoffen, dass sich ein bestimmter Anlagetrend langfristig doch als Goldgrube erweist, ist ein riskantes Spiel. Der Sinn und Zweck von ETFs ist es, möglichst breit gestreut in den Markt zu investieren. Dies kann jedoch nur funktionieren, wenn der eigene Fokus nicht nur auf ein oder zwei Trends liegt.

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Florian Schulze hat einen Abschluss in internationaler Politik und Wirtschaftspolitik und studiert derzeit Mathematik. ETFs, Aktien und Kryptowährungen sind seine Leidenschaft.

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