DAX, TecDAX und Co. – Welcher deutsche Index lohnt sich für eine ETF-Anlage?

Erhebungen ergeben, dass die Mehrzahl der deutschen Anleger am liebsten in heimische Aktien anlegt. Dies wirft jedoch die Frage auf, welcher der großen deutschen Indizes sich am besten als Grundlage für eine ETF-Anlage eignet. Hierbei zeigt sich schnell, dass der DAX durchaus seine Schwächen hat.
Die großen deutschen Börsenindizes

Die Deutsche Börse verfügt über vier große Börsenindizes, die selbst den meisten Menschen bekannt sind, die sich nicht regelmäßig mit Aktien beschäftigen. Dabei handelt es sich um DAX, MDAX, SDAX und TecDAX. Zusammen enthalten die vier Indizes insgesamt 190 Titel. Da der TecDAX allerdings parallel zu den anderen drei Indizes läuft, sind einige Unternehmen mit einem Tech-Fokus mehrfach gelistet.

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Von den vier Indizes gilt der DAX als die höchste Klasse. In ihm befinden sich die 30 nach Marktkapitalisierung größten an der Deutschen Börse gehandelten Unternehmen. Viele Flaggschiffe der deutschen Wirtschaft wie VW, Bayer oder SAP sind hier aufgelistet.

Unternehmen, deren Marktkapitalisierung nicht ausreicht, um unter den Top 30 zu landen, finden sich stattdessen im MDAX wieder. Obwohl er nicht die gleiche Beachtung findet wie sein großer Bruder, enthält auch der MDAX eine Vielzahl hochgradig erfolgreicher Unternehmen. Viele von ihnen haben sich auf bestimmte Marktsegmente spezialisiert und zählen zu den großen Gewinnern des deutschen Exportmodells. In Sachen Zusammensetzung spiegelt der MDAX die deutsche Unternehmenslandschaft zudem erheblich besser wieder als der DAX.

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Unterhalb des MDAX befindet sich der SDAX. Der deutsche Index für die größten Small Caps besteht aus insgesamt 70 Unternehmen. Auch der SDAX ähnelt hinsichtlich seiner Zusammensetzung deutlich stärker der allgemeinen Unternehmenslandschaft in Deutschland. Zu Deutschlands großen Stärken zählt seit Langem ein äußerst wettbewerbsfähiger Mittelstand. Der SDAX sammelt einige der besten und erfolgreichsten mittleren Unternehmen Deutschlands und bündelt sie in einen performancestarken Index.

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Als Nachfolger des Nemax50 bildet der TecDAX Deutschlands größte Unternehmen mit einem ausgeprägten Tech-Fokus ab. Als solches finden sich im TecDAX Unternehmen aus den Bereichen IT, Software, Telekommunikation, Medizin und Medien wieder. Für den TecDAX gelten die gleichen Kriterien wie für die anderen deutschen Indizes. Allerdings läuft der TecDAX parallel zu diesen. Aus diesem Grund sind die Unternehmen des TecDAX zusätzlich auch in einem der anderen Indizes gelistet.

Der DAX im Hintertreffen

Zwar ist der DAX der prestigeträchtigste und am meisten beachtete Index. Was die Performance angeht, gerät er jedoch ins Hintertreffen. Über die vergangenen 10 Jahre hinweg gewann der DAX insgesamt beinahe 120 Prozent an Wert hinzu. Damit belegt er im Vergleich jedoch mit weitem Abstand den letzten Platz. Sowohl der SDAX wie auch der MDAX erreichten über den gleichen Zeitraum eine Performance von jeweils über 200 Prozent. Am besten schlug sich jedoch der TecDAX. Sein Kurs stieg in der vergangenen Dekade um mehr als 320 Prozent an.

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Etwas besser sieht es für den DAX aus, wenn man lediglich die letzten zwölf oder gar drei Monate betrachtet. Über zwölf Monate hinweg kann sich der DAX immerhin auf Platz drei vorarbeiten und muss sich dabei nur gegenüber dem SDAX deutlich geschlagen geben. In den vergangenen drei Monaten konnte sich der DAX zwischenzeitlich sogar an die Spitze des Feldes setzen. Allerdings handelt es sich dabei wohl eher um eine krisenbedingte Momentaufnahme. Langfristig gesehen kann der DAX mit seinen vermeintlich kleineren Brüdern nicht mithalten.

Zu klein und zu schwerfällig – Die Schwächen des DAX

Der Hauptgrund, weshalb der DAX in Sachen Kursentwicklung regelmäßig hinter den anderen Indizes zurückbleibt, ist seine Zusammensetzung. Der Deutsche Leitindex enthält die Schlachtschiffe der deutschen Wirtschaft. Abgesehen von einigen Ausnahmen wie beispielsweise SAP haben sich viele dieser Unternehmen in den vergangenen Jahren nicht gerade durch besondere Innovationen hervorgetan. Der DAX wird von schwerfälligen Auto- und Finanzwerten dominiert. Einige der deutschen Größen aus diesen Sektoren waren in den vergangenen Jahren eher mit sich selbst beschäftigt, als dass sie für positive Schlagzeilen gesorgt hätten.

Beurteilt man den DAX mit spezifischem Blick auf seine Eignung als Basis für einen ETF, fallen jedoch schnell noch weitere gravierende Probleme ins Auge. In der Vergangenheit war der DAX relativ volatil, ohne dass sich dies in einer stärkeren Performance niedergeschlagen hätte. Zudem erfüllt der DAX eine der zentralen Anforderungen an einen ETF nur äußerst unzureichend. Mit gerade einmal 30 Titeln ist der Index sehr klein. Zudem ist er mit seinem Schwerpunkt auf bestimmte Sektoren auch nicht sonderlich breit aufgestellt. Damit bietet der DAX Anlegern nur eine eingeschränkte Diversifikation.
Warum die kleineren Indizes besser performen

Sowohl der MDAX wie auch der SDAX schneiden in all diesen Punkten besser ab als der DAX. Mit 60 bzw. 70 enthaltenen Unternehmen sowie ohne den starken Fokus auf die Auto- und Finanzbranche sind die beiden Indizes breiter aufgestellt als der DAX. Im Gegenzug zeichnen sich viele der kleineren Unternehmen der beiden Indizes dadurch aus, dass sie zum Teil etwas volatiler sind als die größeren Titel des DAX. Dies liegt jedoch in der Tatsache begründet, dass kleinere Unternehmen oftmals stärker von konjunkturellen Entwicklungen beeinflusst werden, da ihnen die finanziellen Reserven größerer Konzerne fehlen.

Allerdings ist dem SDAX, MDAX und TecDAX gemein, dass sich ihre Unternehmen durch eine höhere Innovationskraft hervortun als die industriellen Schwergewichte des DAX. Viele der in ihnen enthaltenen Titel gelten als flexibler und wachstumsstärker. Es handelt sich dabei vielfach um sogenannte Hidden Champions – Unternehmen, die es in spezifischen Marktnischen zur weltweiten Marktführerschaft gebracht haben.

Breit aufgestellt oder Tech-Fokus

Ähnlich wie der DAX ist auch der TecDAX mit gerade einmal 30 enthaltenen Titeln relativ klein. Sein großer Vorteil ist jedoch, dass er sich auf entwicklungsstarke Tech-Unternehmen konzentriert. Diese gehörten aufgrund der voranschreitenden Digitalisierung bereits in den zurückliegenden Jahren zu den großen Gewinnern. Im Angesicht der momentanen Entwicklung dürfte sich dieser Trend auch in Zukunft keineswegs ändern.

Gleichfalls vereinen auch der MDAX und der SDAX nach wie vor eine Menge Wachstumspotenzial in sich. Viele der kleineren Unternehmen befinden sich in ihren Branchen auch weiterhin an der Spitze der Innovation. Zudem können sie sich oftmals schneller an sich verändernde Bedingungen anpassen als die behäbigeren, großen Industrieunternehmen. Damit bieten die beiden Indizes Anlegern mit einem Interesse an deutschen Nebenwerten eine sehr gute Möglichkeit, vom erfolgreichen deutschen Exportmodell zu profitieren.

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Gleichfalls sollte jedoch berücksichtigt werden, dass sich keiner der deutschen Indizes sonderlich gut als Basis-Investition für das eigene Portfolio eignet. Dafür ist letztlich keiner von ihnen breit genug aufgestellt. Abgesehen von den USA verfügt kein Land über eine ausreichend große und breit genug aufgestellte Wirtschaft, als dass sich ein länderspezifischer ETF als Basisanlage eignen würde. Wer jedoch auf der Suche nach performancestarken Wertpapieren ist, um das eigene Depot mit diesen anzureichern, trifft mit einem ETF auf einen der deutschen Nebenindizes keine schlechte Entscheidung.

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