Etikettenschwindel – Warum manche Themen-ETFs weit weniger fokussiert sind als Anleger glauben

Immer mehr Anleger setzen auf thematische ETFs. Sie erlauben es, fokussiert und teils branchenübergreifend in zukunftsträchtige Anlagetrends zu investieren. Allerdings sollte man als Anleger vor dem Investment am besten einen genaueren Blick darauf werfen, was eigentlich genau in dem gewünschten Themen-ETF steckt. Unter Umständen könnte dieser nämlich Aktien enthalten, die so gut wie nichts mit dem eigentlichen Anlagethema zu tun haben.

Netflix und Landwirtschaft im Weltraum-ETF

Vor Kurzem hatte sich Jim Cramer, langjähriger Anlageexperte und Moderator von CNBCs „Mad Money“, kritisch über den ARK Space Exploration ETF des Vermögensverwalters ARK Invest geäußert. Auslöser von Cramers Kritik war dabei die Zusammensetzung des Weltraum-ETFs. Wie sich nämlich herausstellte, enthält dieser u. a. einige Unternehmen, deren Zusammenhang mit der Weltraumindustrie kaum ersichtlich zu sein scheint.

Neben diversen tatsächlichen Weltraum-Unternehmen beinhaltet der ETF so beispielsweise auch den Streamingdienst Netflix und den Hersteller von Landwirtschaftstechnik Deere. Darüber hinaus sind auch E-Commerce-Konzerne wie Amazon oder JD.com Teil des Space Exploration ETF.

Laut Beschreibung des ETFs soll dieser die Wertentwicklung von Werten abbilden, die zu mindestens 80 Prozent in das Thema Weltraumforschung und Innovation investiert sind. Von Interesse sind dabei alle Aktivitäten, die jenseits der Erdoberfläche stattfinden. Daneben sollen jedoch auch Unternehmen berücksichtigt werden, deren Geschäftsmodelle von Fortschritten in der Weltraumindustrie profitieren.

Der letzte Punkt könnte erklären, weshalb manche auf den ersten Blick themenfremde Titel ihren Weg in den ETF gefunden haben. So könnte ein Streaminganbieter wie Netflix beispielsweise von einem besseren Netz an Internet-Satelliten profitieren.

Fasst man den Themenschwerpunkt allerdings so weiträumig, könnte praktisch jedes Unternehmen, dass irgendwie mit Internet oder Kommunikation zu tun hat, in einen solchen Weltraum-ETF gesteckt werden. Allerdings dürften Anleger, die in ein solches Produkt investieren, vermutlich in erster Linie an der Weltraumindustrie und nicht den peripheren Bereichen interessiert sein.

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Überschaubare Aktienauswahl bei Nischenthemen

Genau hieran wird jedoch das große Problem solcher Nischen-ETFs deutlich. Es finden sich oft nicht ausreichend Unternehmen, die den eigentlichen Kernbereich des Themas abdecken. Bei einer Zukunftsbranche wie der Weltraumindustrie gibt es schlicht und ergreifend noch nicht so viele börsennotierte Unternehmen wie in etablierten Branchen.

Der Weltraum-Sektor ist jedoch keinesfalls der einzige, welcher ETF-Anbieter vor derartige Probleme stellt. Der immens beliebte Invesco Elwood Global Blockchain UCITS ETF (ISIN: IE00BGBN6P67) enthält z. B. Unternehmen wie Mitsubishi, Rio Tinto oder Banco Santander. Fahrzeughersteller, Bergbauunternehmen und klassische Banken sind jedoch vermutlich nicht das, was die meisten Anleger in einem Blockchain-ETF erwarten würden.

Jedes der genannten Unternehmen profitiert tatsächlich zu einem gewissen Grad von der Entwicklung der Blockchain-Technologie. Jedoch ist diese bei Weitem nicht der Kernbereich der jeweiligen Geschäftstätigkeit und hat auch keinen sonderlich großen Einfluss auf die aktuelle Unternehmensentwicklung.

Im Bestreben, immer neue Trendthemen in einen thematischen ETF zu pressen, müssen die Vermögensverwalter jedoch im zunehmenden Maße kreativ werden. Wer wartet, bis ein Thema tatsächlich mit ausreichend börsennotierten Unternehmen besetzt ist, riskiert womöglich, dass ein Konkurrent mit seinem Produkt bereits die entsprechende Marktnische besetzt hat.

Unterschied zwischen Themen-ETFs verschwimmt

Mit dieser Problematik Hand in Hand geht ein weiteres Phänomen, welches zunehmend bei jüngeren ETFs mit einem Fokus auf Zukunftsthemen zu beobachten ist. Oftmals besteht zwischen den Positionen und/oder Kursentwicklungen unterschiedlicher Themen-ETFs eine bemerkenswerte Deckungsgleichheit.

Auch hier bieten sich wiederum die aktuell nicht hierzulande handelbaren ETFs von ARK Invest als bestes Beispiel an. Der ARK Next Generation Internet ETF und der ARK Autonomous Technology & Robotics ETF haben ihren Namen und Beschreibungen nach unterschiedliche Themenschwerpunkte. Jedoch besteht zwischen der Wertentwicklung der beiden Indexfonds laut Daten von ETFLogic eine Korrelation von über 90 Prozent.

Zum Teil werden die gleichen Unternehmen abgebildet. Gleichzeitig profitieren viele solcher Zukunfts-ETFs letztlich von stark miteinander zusammenhängenden Trends und Entwicklungen. Dies erhöht jedoch die Gefahr einer Klumpenbildung im Depot ungemein, sofern man in mehr als einen dieser ETFs investiert.

Anleger, die sich für solche Themen-ETFs interessieren, sind daher gut beraten, sich vorher genau anzuschauen, welche Titel wirklich abgeildet werden und wie stark ein Anlagethema in Wirklichkeit mit einem anderen zusammenhängt.

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