Hohe Aktienkredite erhöhen Crashgefahr

Privatanleger investieren – vor allem in den USA – aktuell häufig auf Kredit. Das könnte gefährlich werden, nicht nur für die Betroffenen, sondern für alle Anleger.
Die Lage in 2021

In den USA blicken die Finanzaufsichtsbehörden jeden Monat auf die Wertpapierkredite, die auch als Effektenkredite oder Lombardkredite bezeichnet werden. Was sie aktuell dort sehen, gefällt ihnen gar nicht, denn Anleger spekulieren so stark auf Kredit wie noch nie. Zumindest, wenn man die absolute Höhe der Wertpapierkredite betrachtet.

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Effektendarlehen hören sich zunächst nach einer guten Idee an, denn wenn die Kurssteigerungen höher sind als die Zinsen, lässt sich damit zusätzliches Geld verdienen. Und die Zinsen sind aktuell historisch niedrig. Doch Aktienkredite können für die Börse sehr gefährlich werden. Denn dabei dienen die Wertpapiere als Sicherheit für das Darlehen. Fällt der Wert des Depots, reicht die Sicherheit zur Deckung des Kredits nicht mehr aus. Die Investoren müssen dann Geld nachschießen. Haben sie kein entsprechendes Guthaben, was meistens der Fall ist (sonst nimmt man keinen Kredit auf), dann müssen sie Wertpapiere verkaufen, was den Kursrückgang weiter beschleunigt.

Mahnendes Beispiel 1929

Tatsächlich spielten Lombardkredite beim Schwarzen Donnerstag 1929 eine große Rolle, jenem Börsencrash, der im Anschluss die Weltwirtschaftskrise auslöste. Auch damals hatten viele Anleger Kredite aufgenommen, um mit dem Geld Aktien zu kaufen. Die waren bisher lange und dauerhaft angestiegen und nur wenige Beobachter erwarteten ein Ende der Hausse.

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Als aber erste kritische Stimmen aufkamen, ging es plötzlich ganz schnell. Die Kurse fielen und ängstliche Anleger verkauften ihre Aktien. Das lag auch an den Aktienkrediten, denn dadurch verloren die Anleger Geld, das sie nicht hatten und mussten obendrein Zinsen zahlen. Deshalb galt es, schnell auszusteigen. Wer es nicht freiwillig tat, wurde oft von der Bank dazu gezwungen. Denn die befürchteten, dass der Wert des Depots unter den Kreditwert sank. Dann konnte der Anleger bei einem Verkauf seine Schulden nicht zurückzahlen.
Was heute anders ist und was nicht

Auch heute deuten viele Daten darauf hin, dass die Aktienmärkte tendenziell überbewertet sind. Kurs-Gewinn-Verhältnis und Dividendenrendite liegen niedrig, die Wirtschaft leidet unter Corona, was sich aber in den Aktienkursen bisher nur teilweise niedergeschlagen hat.
Auf der anderen Seite gibt es wenig Alternativen zu Aktien, denn im Vergleich zum allgemeinen Zinsniveau sind die Dividendenrenditen noch immer hoch. Außerdem dürften Zentralbanken und Staaten bald weitere Milliarden in den Markt pumpen. Aber oft wurde der Satz „Dieses Mal ist alles anders“ auch schon teuer bezahlt. Gut möglich aber, dass diese Korrektur noch auf sich warten lässt.

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Was Experten raten

Auch die Experten sind sich unsicher, wie die Entwicklung weitergeht. Auch 1929 erwarteten die meisten Wirtschaftswissenschaftler keinen Crash. Das ist wenig verwunderlich, denn solche Einbrüche lassen sich bisher praktisch nicht vorhersagen. Sie ereignen sich nämlich nicht schon dann, wenn Indikatoren auf eine Überbewertung hindeuten, sondern erst, wenn die Anleger diese wahrnehmen.

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Zinsen und die Börsen können noch einige Zeit weiter steigen. Wenn die Wirtschaft wieder Fahrt aufnimmt, steigen auch die Gewinne, was das Kurs-Gewinn-Verhältnis verbessert. Außer natürlich, die Kurse steigen mit, dann aber lässt sich immer noch aussteigen.
Aktuell sind die Kurse keineswegs so hoch, wie es schein. Der hohe Stand des DAX verdankt sich vor allem den ausgeschütteten Dividenden. Der Kurs-DAX liegt Anfang März nicht niedriger als vor Beginn der Corona-Krise. Erst recht liegt er mit knapp über 6.000 Punkten deutlich unter dem Höchstwert von Anfang 2018 mit fast 6.500 Punkten und sogar niedriger als im Jahr 2000. Auf Kredit spekulieren, da sind sich aber die meisten Beobachter einig, sollten Privatanleger aktuell lieber nicht.

Allerdings raten fast alle Spezialisten Kleinanlegern im Moment davon ab, selbst auf Kredit zu spekulieren. Auch gehebelte Produkte wie Turbozertifikate sind mit Vorsicht zu genießen. Sie werden nämlich wertlos, wenn der Kurs die Knock-out-Schwelle erreicht. Je nach Hebel kann das schon bei kleineren bis mittleren Verlusten der Fall sein.
Breite Streuung hilft auch hier

Eine breite Streuung garantiert das Vermögen zwar nicht, wenn die Kurse weltweit fallen, sie dämpft aber die Verluste. Denn unterschiedliche Länder werden unterschiedlich gut durch die Krise kommen. Auch die Branchen sind nicht im gleichen Umfang betroffen.

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