Warum der Corona-Crash für ETF-Investoren ein Segen ist

Das Coronavirus hat den Weltbörsen eine herzhafte Bauchlandung verschafft. Nach der bisher längsten Hausse der Geschichte war der Crash zugegebenermaßen bereits seit einigen Jahren überfällig. Nun haben wir also eine Situation, wie sie sich viele Anleger seit Jahren herbeigesehnt haben, um günstig in den Markt einzusteigen.


Paradoxerweise reagieren die meisten Anleger nun aber, wie Anleger in einer Crashphase immer reagieren. Trotz gebetsmühlenartigen Mantras, im nächsten Crash ordentlich investieren zu wollen, regiert bei vielen Anlegern Angst und Unsicherheit. Wir erklären, warum der Corona-Crash für ETF-Investoren und langfristige Investoren im Allgemeinen ein Segen ist.

Aber gleichzeitig sei gesagt: Das Coronavirus kann für die Betroffenen und deren Familien eine Tragödie sein. Daher sei hier daran erinnert, dass wir uns hier nur mit der Situation an der Börse beschäftigen.

Börsen-Crashs sind langfristig eine Randnotiz

Noch im Februar haben viele Aktienindizes neue Allzeithochs erklommen. Seither haben viele Indizes in der Spitze zeitweise über 40 Prozent verloren. Das ist für Anleger, die erst seit Kurzem an der Börse aktiv sind, beängstigend. Schließlich sind deren Depots aller Wahrscheinlichkeit nach tiefrot. Anleger, die bereits länger dabei sind (beispielsweise seit 2009 oder 2010), haben noch immer dicke Gewinne in ihren Portfolios stehen – den Zinseszinseffekt durch die Reinvestition von Dividenden noch gar nicht mitgerechnet.

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Dieser Umstand zeigt, einen wichtigen Aspekt: Langfristig kennen Wirtschaft und Aktienmärkte nur eine Richtung – nach oben. Die Wirtschaft bereits seit Menschengedenken und Aktienmärkte im Speziellen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Selbst große Börsencrashs wie der “Schwarze Montag”, an dem der Dow Jones an nur einem Tag über 20 Prozent einbüßte, sind im langfristigen Chart nur eine unscheinbare Kursdelle.

Warum der langfristige Einstieg in einer Krise sinnvoll ist

In einer Krise verkaufen viele Anleger aus Panik. Viele professionelle Anleger, die Kundengelder verwalten, müssen sogar verkaufen, obwohl auch sie die Börsenregeln kennen und sowohl ETFs als auch Aktien lieber halten und nachkaufen würden. Diese Spirale nährt den Crash und führt dazu, dass Aktien weitaus tiefer abstürzen, als es die rational betrachteten Rahmenbedingungen rechtfertigen.


Börse ist eben zu einem Großteil Psychologie und keine rationale Mathematik. Die Folge: In einer Krise sind Aktien und damit auch ETFs sehr günstig in Bezug auf ihren tatsächlichen Wert. Das gilt speziell für Qualitätsunternehmen. Jetzt zu einem günstigen Zeitpunkt einzusteigen, birgt eine Menge langfristiges Renditepotenzial durch Kurssteigerungen und sich akkumulierende Dividendenausschüttungen bzw. Reinvestitionen thesaurierender ETFs.

Börsen erholen sich nach kurzer Zeit wieder

Warum gerade jetzt ein günstiger Zeitpunkt für das Anlegen eines Sparplans oder sukzessive Einzelinvestments ist, zeigt ein Blick auf die größten Aktiencrashs der Börsengeschichte. Diese lagen im Schnitt bei 45 Prozent. Schon nach maximal 2 Jahren kletterten die Indizes vom Tiefpunkt an um rund 75 Prozent. Nach fünf Jahren war es im Durchschnitt bereits ein Plus von 140 Prozent.

Vor dem Hintergrund, dass eine Börsen-Hausse rund 8,1 Jahre dauert, ist das besonders interessant. Durch regelmäßiges Investieren nach dem von Christian W. Röhl geprägten Prinzip “Buy & Hold & Check” winken hier langfristig Kursvervielfachungen. Ein günstiger Einkauf wirkt hier wie ein eingebauter Hebeleffekt. Ebenfalls interessant: Ein Bärenmarkt dauert im Schnitt nur 1,4 Jahre. Gerade für jüngere Anleger ist das nicht mehr als ein Wimpernschlag.

Vorteile von ETF- und ETF-Sparplan-Investoren

  1. Der Investmentzeitpunkt spielt keine Rolle

Auch wenn die Aktienmärkte gewissen Regeln und Regelmäßigkeiten unterliegen, sind genaue Kursprognosen eine Kaffeesatzleserei. Wer ernsthaft behauptet, Kurse zu Zeitpunkt x und damit optimale Einstiegszeitpunkte voraussagen zu können, ist nichts als ein Scharlatan. ETF-Anleger, die regelmäßig z.B. über einen Sparplan investieren, müssen sich über den richtigen Einstiegszeitpunkt keine Gedanken machen.


Der beste Zeitpunkt zum Investieren ist immer “jetzt” – und zwar regelmäßig in kleineren Tranchen. So entgehen ETF-Anleger gleich zwei Gefahren: Erstens, große Summen zu hohen Börsenkursen zu investieren. Und zweitens, viel zu lange an der Seitenlinie zu stehen und große Teile der Rendite zu verpassen – und dass wiederum zu spät einzusteigen.

2. Langfristig geht’s aufwärts

Wer nur lange genug breit investiert geblieben ist, hat mit Aktien bzw. den übergeordneten Indizes nahezu immer eine deutlich positive Rendite erzielt. Der Beweis ist beispielsweise ein Blick auf das sogenannte Rendite-Dreieck des deutschen Leitindex DAX. Wer seit dessen Auflage in den Index investiert hat und seine Anlage mindestens 12 Jahre gehalten hat, hat in keinem 12-Jahres-Zeitraum eine negative Rendite eingefahren. Dabei gilt: je länger die Haltedauer (auch von ETFs auf die großen Weltindizes), desto höher die Rendite.

3. Der Cost-Average-Effekt

Als ETF-Sparplan-Investoren machen sich Anleger die Kursschwankungen an der Börse Volatilität) zunutze. Wer etwa jeden Monat 200 Euro in sein ETF-Portfolio investiert, kauft zu hohen Kursen weniger Anteile und zu niedrigen Kursen umso mehr Anteile. Aus den unterschiedlichen Kursen bildet sich durch den Durchschnittskosteneffekt ein solider Durchschnittskurs, der die Ausschläge der Börse glättet und langfristig für eine stabile Aktienrendite sorgt.

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Apropos Aktienrendite: Langfristig sind Aktien seit der Eröffnung der ersten Börsen im 19. Jahrhundert die ertragreichste Anlageklasse. Noch vor Wohnimmobilien, Anleihen, Rohstoffen, Gold oder Sammelobjekten. Wer regelmäßig und langfristig z.B. über ETFs in die Wirtschaftsleistung der Welt investiert, darf sich über eine solide Aktienmarktrendite von 7-8 Prozent pro Jahr freuen.

4. Minimale Kosten

Hier können wir es kurz machen: Wer in ETFs investiert, spart sich die Management-Kosten für aktiv gemanagte Fonds. Während die jährlichen Kosten bei ETFs (TER – Total Expense Ratio) meist zwischen 0,1 und 0,5 Prozent liegen, sind bei klassischen Fonds 1,5 Prozent mehr eher die Regel als die Ausnahme. Und das, ob wohl 90 Prozent aller Fondsmanager ihren Benchmark-Index (z.B. den MSCI World) nicht schlagen.

5. Nicht alle Eier in einen Korb legen

Wer weiß schon mit Sicherheit, welches Unternehmen eine Krise überlebt, welches zwangsverstaatlicht wird oder welches besonders profitiert? Für die meisten Anleger ist das ETF-Investment vor allem in Krisenzeiten daher die beste Option. Immerhin deckt ein Exchange Traded Fund, der beispielsweise den S&P 500 abbildet, die 500 größten US-Unternehmen ab.


Genauso ist es bei einem Russel 2.000-ETF, der die 2.000 größten Nebenwerte des US-Aktienmarkts beinhaltet. Noch weiter gehen ETFs wie der MSCI World, der hunderte Großunternehmen aus aller Welt beinhaltet. Als ETF-Investor halten sich Anleger automatisch an die wichtigste Börsenregel: “Lege nicht alle Eier in einen Korb!” Grundsätzlich ist das sogenannte “Diversifikations-Prinzip” auch eine Art Durchschnittsprinzip.

Ob einzelne Unternehmen in der Versenkung nach einer Krise ins Bodenlose stürzen, spielt bei einem solchen Aktienkorb für Anleger keine Rolle. Schließlich decken ETFs viele Branchen, zahlreiche Unternehmen und Länder gleichzeitig ab. Wer dagegen ein schlecht diversifiziertes Aktienportfolio mit 5-6 Werten hat, die im Zweifelsfall auch noch Volkswagen, Daimler, BMW, Continental, Siemens und e.ON heißen – wagt den Ritt auf der Rasierklinge.

Hinweise für langfristiges und risikobewusstes Investieren in ETFs

Unter dem Strich ist der Corona-Crash für jeden langfristig orientierten Anleger ein Segen. Das gilt vor allem für ETF-Investoren. Wichtig ist aber auch hier ein Risikobewusstsein. Allem voran sollten niemals Gelder an der Börse investiert werden, die kurzfristige benötigt werden. Gleichzeitig sollte die Aktienquote bzw. ETF-Quote dem Lebensalter, der persönlichen Verdienstsituation und dem Risikobewusstsein angepasst sein.

Die Faustregel: Aktien-/ETF-Quote = 100 minus Lebensalter ist hier eine gute Orientierung. Eine Investition sollte gerade in Krisenzeiten aber niemals zulasten der liquiden Mittel gehen. Angestellte sollten eine Mindestreserve(!) von drei Nettomonatsgehältern vorhalten. Für Selbstständige und Unternehmer sollten es mindestens 6 Bruttogehälter sein, um bei einbrechenden Kursen keine ETFs verkaufen oder sogar beim Staat Hilfe beantragen zu müssen.


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