China-ETF: Über diese Risiken sollte man sich im Klaren sein

Der Aufstieg der chinesischen Wirtschaft bietet Anlegern zahlreiche Chancen. Angesichts der auch international immer stärker auftretenden Großkonzerne Chinas liegt der Gedanke nahe, sich näher mit dem chinesischen Aktienmarkt zu beschäftigen. Gleichzeitig sollten sich Anleger darüber im Klaren sein, dass auch eine Investition in China mit gewissen Risiken verbunden ist. Nur, wer sich sämtlicher Fallstricke bewusst ist, kann im Ernstfall eine weitsichtige Anlageentscheidung treffen.
1. Wachsende Spannungen zwischen den USA und China

Erst vor wenigen Tagen verkündete das Weiße Haus, Präsident Donald Trump habe zwei Dekrete unterzeichnet, welche US-amerikanischen Unternehmen Transaktionen mit TikToks Mutterunternehmen Bytedance sowie mit WeChat untersagen. Bereits im vorherigen Jahr schloss Washington den chinesischen Telekommunikationsausrüster Huawei vom Ausbau des US-amerikanischen 5G-Netzwerks aus.

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Als Gründe hierfür wurden jeweils Sicherheitsbedenken aufgrund möglicher Spionage für den chinesischen Staat genannt. Zweifelsohne ist dies ein gewichtiger Grund gewesen. Es wäre allerdings ein Irrtum, zu glauben, all diese Einzelmaßnahmen hätten nicht auch eine größere, strategische Perspektive. Der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China ist letztlich nur ein Symptom für einen grundlegenderen Konflikt zwischen den beiden Nationen.

Nach dem Ende des Kalten Krieges sind die USA die einzige verbliebende Supermacht der Welt. Langfristig gesehen will China seinen Status als Regionalmacht jedoch abstreifen und selbst zum Global Player mit weltweit umfassenden Einfluss aufsteigen. Das billionenschwere Wirtschaftsprojekt „Neue Seidenstraße“, welches einen Wirtschaftskorridor von China über Asien, den Nahen Osten, Ostafrika und bis nach Europa schaffen soll, ist nur eines von Pekings zahlreichen Projekten, die genau dies vorantreiben sollen.

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Es versteht sich von selbst, dass sich die USA durch dieses Bestreben in ihrer Vormachtstellung bedroht sehen. Um Chinas Aufstieg entgegenzuwirken sind Handelskonflikte und Wirtschaftssanktionen ein beliebtes Mittel geworden. Da diesem Handelskrieg auch eine ordnungspolitische Komponente zugrunde liegt, dürften sich Hoffnungen auf ein baldiges Ende als Illusion erweisen. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass es auch in Zukunft weitere wirtschaftliche Sanktionen seitens der USA geben wird. Dies könnte es aufstrebenden chinesischen Unternehmen wie Tencent, Alibaba und Huawei auf Dauer erheblich erschweren, in den USA und Europa Fuß zu fassen.

2. Chinesische Wachstumszahlen sind oft geschönt

Die chinesische Regierung verfolgt seit Jahrzehnten einen vorgegebenen Wachstumsplan. Über viele Jahre hinweg gelang es der chinesischen Volkswirtschaft, wie ein Uhrwerk die Vorgaben der Führung zu erfüllen. In den letzten Jahren verlangsamte sich das Wachstum zwar laut offiziellen Zahlen etwas. Allerdings haben zahlreiche Experten an diesen Zahlen bereits seit Längerem erhebliche Zweifel geäußert.

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Mittlerweile haben sogar bereits einige chinesische Beamte und Gouverneure öffentlich eingeräumt, dass viele der verlautbarten Wirtschaftszahlen aus ihren Provinzen bestenfalls auf Schönfärberei beruhten und schlimmstenfalls komplett erfunden waren. Geschuldet ist dies u. a. dem immensen Druck, welche die chinesische Führung ausübt. Die Kommunistische Partei Chinas begründet ihren Machtanspruch auch auf der Tatsache, dass sie das Land in den vergangenen Jahrzehnten aus der Armut geholt hat. Es ist daher in Pekings Interesse, dass auch weiterhin der Eindruck entsteht, Chinas Wirtschaft laufe wie ein Uhrwerk.

Aus diesem Grund greifen zahlreiche institutionelle Investoren auf die Dienste verschiedener Unternehmen und Experten zurück, welche mittels verschiedener Indikatoren wie beispielsweise Satellitenbildern oder dem Grad der Luftverschmutzung festzustellen versuchen, wie stark die Wirtschaftstätigkeit in China gerade tatsächlich ist. Privatanleger, denen die Möglichkeiten fehlen, an diese Informationen zu gelangen, sollten sich daher der Tatsache bewusst sein, dass die offiziellen Wirtschaftszahlen Chinas in den seltensten Fällen die ganze Geschichte erzählen.
3. Bei großen Unternehmen sitzt der Staat mit am Steuer

Wer in China wirtschaftlich vorankommen möchte, kommt früher oder später nicht um den chinesischen Staatsapparat herum. Während in vielen westlichen Ländern Staatsunternehmen bereits seit Jahrzehnten aufgrund von Privatisierungen auf dem Rückzug sind, verläuft die Entwicklung in China genau gegensätzlich. Im Reich der Mitte gibt es derzeit rund 167.000 Staatsunternehmen. Erst vergangenes Jahr hatte die europäische Handelskammer zudem gewarnt, dass die chinesische Regierung die Staatskonzerne zunehmend gegenüber privaten Unternehmen sowie der ausländischen Konkurrenz bevorzuge.

Zudem weisen selbst Unternehmen, die auf dem Papier unabhängig sind, nicht selten eine deutlich größere Nähe zum Staatsapparat auf, als es auf den ersten Blick den Anschein macht. Große Konzerne wie Huawei oder Tencent können nur in eingeschränktem Maße wirklich unabhängig von der chinesischen Regierung arbeiten. In jedem größeren Unternehmen sitzen stets auch einige kommunistische Kader in Führungspositionen.

Auch weisen vor allem die großen Tech-Konzerne des Öfteren Nähe zum chinesischen Militär und den Geheimdiensten auf. Zwar ist vor allem Letzteres ein Vorwurf, welcher durchaus auch an einige US-IT-Konzerne gerichtet werden kann. Jedoch erhöht die Nähe zum Staatsapparat und seinen Organen durchaus die Wahrscheinlichkeit, dass bestimmte chinesische Unternehmen, von lukrativen aber sicherheitsrelevanten Aufträgen in anderen Ländern ausgeschlossen werden könnten. Die auch hierzulande geführte Debatte um Huawei ist das beste Beispiel hierfür.

4. Wirtschaftswachstum korreliert nicht unbedingt mit steigenden Kursen

Mittlerweile ist China mit Abstand die zweitstärkste Wirtschaft der Welt. Im Vergleich zur chinesischen Wirtschaftsleistung gilt der Aktienmarkt des Landes jedoch nach wie vor als stark unterbewertet. Zum einen könnten sich hieraus durchaus Chancen für Anleger ergeben. Wenn die chinesische Volkswirtschaft die USA in den kommenden 15 Jahren als Nummer eins ablöst, dürften auch die chinesischen Aktienkurse profitieren.

Gleichzeitig sollte jedoch berücksichtigt werden, dass sich der chinesische Aktienmarkt nicht unbedingt auf die gleiche Weise verhält wie die Aktienmärkte in den Industrieländern. Einer der Gründe hierfür ist die Tatsache, dass der chinesische Aktienmarkt auch weiterhin nur sehr eingeschränkt für ausländische Investoren geöffnet ist.

Nur bestimmte Unternehmensaktien können tatsächlich von internationalen Anlegern gehandelt werden. Zwar hat sich diesbezüglich mittlerweile einiges getan. China hat sich in den letzten Jahren stärker für ausländische Anleger geöffnet. Dennoch gibt es noch signifikante Einschränkungen. Hinzu kommt, dass auch die chinesischen Börsen sich nicht vollständig dem Einfluss der KP Chinas entziehen können. Bereits in der Vergangenheit hatte die chinesische Regierung unmittelbar in das Börsengeschehen eingegriffen.
5. Auch Chinas Wirtschaft hat wachsende Herausforderungen

Das phänomenale Wirtschaftswachstums Chinas über viele Jahre hinweg sollte nicht von der Tatsache ablenken, dass auch die chinesische Wirtschaft zunehmend mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert wird. Bereits seit geraumer Zeit gilt dabei die rapide anwachsende Verschuldung als eines der größten Probleme des Landes.

Laut einer Schätzung der UBS belief sich Chinas Verschuldung bereits vor der Corona-Krise auf 259 Prozent des BIPs. Damit bewegt sich China auf dem gleichen Niveau wie die USA (254 Prozent) und das krisengebeutelte Italien (257 Prozent). Im Gegensatz zu diesen Ländern hat China seinen riesigen Schuldenberg jedoch in einer jahrzehntelangen Phase des unaufhörlichen Wirtschaftswachstums angehäuft.

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Sollte China irgendwann einmal von einer ersten richtigen Wirtschaftskrise getroffen werden, könnten die Auswirkungen schnell dramatisch werden. Besonders die ungewöhnlich starke Verschuldung der Privathaushalte sowie die unkontrolliert agierenden Schattenbanken des Landes bergen, zusammen mit einer sich immer weiter aufblähenden Immobilienblase, erhebliche Sprengkraft.

Ferner hat auch China seit geraumer Zeit mit den Problemen des demographischen Wandels zu kämpfen. Die jahrzehntelang betriebene Ein-Kind-Politik hat dazu geführt, dass sich die Altersstruktur des Landes mittlerweile stark den Verhältnissen in westlichen Industrieländern angeglichen hat. Sämtliche Versuche der Chinesischen Regierung, dieser Entwicklung entgegenzusteuern, erwiesen sich bisher als fruchtlos. Diese Entwicklung bedeutet zum einen, dass langfristig gesehen erhebliche finanzielle Belastungen auf das chinesische System zukommen. Andererseits gilt die zunehmende Alterung der Gesellschaft nicht umsonst als ein möglicher Megatrend, welcher Anlegern neue Möglichkeiten eröffnet. Einige davon könnten sich in Zukunft auch in China auftun.

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