Corona-Impfstoff: Diese Unternehmen haben die Nase vorn

Die ganze Welt wartet derzeit fieberhaft darauf, dass ein wirksamer Impfstoff gegen das Corona-Virus gefunden wird. Weltweit forscht man fieberhaft nach einem geeigneten Mittel. Mittlerweile haben sich einige besonders vielversprechende Kandidaten herauskristallisiert.
Mindestens 160 Impfstoffprojekte sind angelaufen

Stand Anfang Juli laufen derzeit mindestens 160 unterschiedliche Impfstoffprojekte gegen das Corona-Virus SARS-CoV-2 weltweit. 149 davon sind dabei bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verzeichnet. 11 weitere Projekte sind bereits angelaufen, jedoch noch nicht offiziell vermerkt. An der Suche nach einem Impfstoff beteiligen sich sowohl Unternehmen als auch staatliche und private Forschungseinrichtungen in der ganzen Welt. Aufgrund der Dringlichkeit kommt es dabei vielerorts zu Kooperationen.

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Die USA preschen vor

Gleichzeitig sind in den vergangenen Monaten jedoch auch vereinzelt Spannungen zwischen verschiedenen Staaten hervorgetreten. Vor allem das energische Vorgehen der USA hat dabei viele Länder in Europa vor den Kopf gestoßen. So haben sich die Vereinigten Staaten bereits vor geraumer Zeit einen erheblichen Teil der Produktionskapazitäten für einen möglichen Impfstoff des französischen Pharmakonzerns Sanofi gesichert. Dies sorgte besonders in Frankreich für viel Entrüstung.

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Möglich wurde dies durch Finanzspritzen vonseiten der US-Behörde für biomedizinische Forschung und Entwicklung (Barda). Sie hatte in den vergangenen Wochen und Monaten mit diversen Herstellern weltweit Verträge für die Massenproduktion ausgehandelt und finanziert im Gegenzug einen Teil der kostspieligen Impfstoffforschung.

So erhielt das Biotech-Unternehmen Moderna (ISIN: US60770K1079), welches derzeit an einem der vielversprechendesten Impfstoffe arbeitet, Unterstützung in Höhe von 400 Millionen Dollar. Der britische Pharmakonzern Astra Zeneca (ISIN: GB0009895292), dessen Impfstoffkandidat ebenfalls als erfolgversprechend gilt, erhielt von der Barda sogar eine Zuwendung in Höhe von rund einer Milliarde Dollar. Dafür sicherten sich die USA die Zusage für 300 Millionen Impfstoffdosen.

Als Reaktion darauf haben sich mittlerweile auch mehrere europäische Staaten zusammengeschlossen, um im Verbund mit potenziellen Herstellern zu verhandeln. Dass dies notwendig ist, erkannte man spätestens nach der Pandemie-Geberkonferenz Anfang Mai, welche von der EU-Kommission organisiert worden war. Dort erklärten sich die USA als einziges teilnehmendes Industrieland nicht dazu bereit, sich an einer gemeinsamen Finanzierung von Impfstoffprojekten zu beteiligen.

Rennen gegen die Zeit

Die Entwicklung eines neuen Impfstoffes galt viele Jahre als langwierige Angelegenheit. Die Virusanalyse sowie die zahlreichen Tests, welche in verschiedenen Testphasen stattfinden, nahmen enorm viel Zeit in Anspruch. Noch vor wenigen Jahren hätte es in der Regel zwischen 15 und 20 Jahre gedauert, biss ein Impfstoff zulassungsreif war.

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Aufgrund der gegenwärtigen Situation wäre eine derartige Zeitspanne undenkbar. Glücklicherweise gab es in den letzten Jahren eine Reihe von Durchbrüchen, welche die Entwicklung neuer Impfstoffe erheblich beschleunigen. Hinzu kommt, dass es bereits in der Vergangenheit regional begrenzte Ausbrüche von Corona-Viren gegeben hat. Die Vorerfahrung, die hierdurch vorhanden ist, ermöglicht eine weitere Beschleunigung der derzeitigen Suche nach einem Impfstoff.

Wegen der Dringlichkeit erlauben die zuständigen Behörden zudem eine signifikante Straffung der vorgeschriebenen Testphasen. Um für die notwendige Sicherheit des fertigen Impfstoffes zu garantieren, ist es gleichfalls nicht möglich, unbegrenzt viele Vorschriften und Tests zusammenzustreichen. Experten rechnen daher nicht damit, dass bereits in diesem Jahr ein einsatzbereiter Impfstoff gegen das Corona-Virus vorliegen wird. Als realistische Prognose gilt eine Zulassung im Laufe des Jahres 2021. Gleichzeitig setzen einige Staaten, allen voran die USA, alles daran, bereits für Ende 2020 über einen einsatzbereiten Impfstoff zu verfügen.

So läuft die Suche nach dem Impfstoff ab

Bevor ein fertiger Impfstoff zugelassen werden kann, muss er drei Stufen der Entwicklung durchlaufen. Am Anfang steht die sogenannte Screening Phase. In dieser Phase suchen die Wissenschaftler im Labor nach vielversprechenden Substanzen und Molekülen. Neuere Methoden setzen hierbei teilweise auf eine genetisch herbeigeführte Veränderung des Virus selbst, welche diesen harmlos macht.

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Sobald ein aussichtsreicher Kandidat ermittelt worden ist, beginnen die präklinischen Studien. Hierbei wird der Impfstoffkandidat an Tieren getestet. Zwar reagieren viele Tiere anders auf Erkrankungen als Menschen. Je nach Art des Virus lassen sich dadurch jedoch trotzdem wertvolle Erkenntnisse über Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffes gewinnen.

Die dritte Phase ist schließlich die klinische Entwicklung. Hierbei werden klinische Studien an freiwilligen Probanden durchgeführt. Die Versuchsphase am Menschen setzt sich wiederum selbst aus drei unterschiedlichen Phasen zusammen. In der Phase I wird der Impfstoff zunächst nur an einer kleinen Versuchsgruppe getestet. Hier geht es hauptsächlich um Sicherheit und die richtige Dosierung.

In der Phase II wird die Testgruppe auf mehrere Hundert Probanden erhöht. In dieser Phase suchen die Forscher nach der richtigen Konzentration sowie der notwendigen Zahl an Impfungen, bis die Schutzwirkung eintritt. Bei diesen Tests wird auch auf seltenere Nebenwirkungen geachtet.

Die Phase III bildet schließlich die finale Stufe in der Entwicklung des Impfstoffes. Die Zahl der Probanden steigt hier auf mehrere Tausend bis Zehtausend. In dieser Phase wird eine Vielzahl an Aspekten untersucht. U. a. soll herausgefunden werden, ob Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten und welche Herstellungsverfahren am besten geeignet sind. Erst nachdem diese Phase abgeschlossen ist, ist eine Zulassung möglich.

Die fünf Top-Kandidaten der US-Regierung

Die WHO schätzt, dass zurzeit 17 Impfstoffprojekte soweit fortgeschritten sind, dass bereits am Menschen getestet wird. Die London School of Hygiene & Tropical Medicine geht sogar von 23 Projekten aus. Das bedeutet, dass sich diese Projekte momentan mindestens in Phase I der klinischen Studien befinden. Zu den Vorreitern zählt derzeit das US-Biotech Moderna (ISIN: US60770K1079). Dort begann man bereits Mitte März mit klinischen Studien der Phase I. Mittlerweile verkündete Moderna auch für Phase II positive Ergebnisse. Für diesen Juli ist demnach der Beginn der Phase III mit 30.000 freiwilligen Probanden geplant.

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Tatsächlich will Moderna demnächst bereits mit der Produktion des Impfstoffes beginnen. Da die endgültigen Ergebnisse der klinischen Studien noch ausstehen, geht Moderna bewusst das Risiko ein, dass der produzierte Impfstoff im ungünstigsten Fall wertlos sein könnte.

Moderna ist eines der fünf Unternehmen, welches von der US-Regierung als wahrscheinlichste Kandidaten für die Entwicklung eines geeigneten Impfstoffes betrachtet werden. Bei den anderen vier handelt es sich um das, bereits erwähnte, Astra Zeneca (ISIN: GB0009895292) sowie die drei großen Pharmaunternehmen Pfizer (ISIN: US7170811035), Merck & Co (ISIN: US58933Y1055) und Johnson & Johnson (ISIN: US4781601046).

Astra Zeneca, welches von Merck unterstützt wird, begann bereits Ende Juni die Phase III seiner klinischen Studien in Brasilien. Pfizer arbeitet unterdessen mit dem deutschen Biotech-Unternehmen BioNTech (ISIN: US09075V1026) zusammen. Das Mainzer Biotech begann am 23. April mit der Erprobung seines genbasierten Impfstoffes am Menschen. Sowohl für Phase I wie auch für Phase II konnten BioNTech und Pfizer erst Anfang Juli ermutigende Daten präsentieren. Auch hier will man noch im Juli mit der Phase III beginnen.

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Ebenfalls gut läuft es derzeit bei Johnson & Johnson. Der Pharmakonzern begann zwar erst im Juni mit seinen klinischen Studien der Phasen I und II. Aufgrund der überzeugenden Ergebnisse in den präklinischen Studien, bestehe jedoch laut eigener Aussage die Möglichkeit, die Tests weiter zu beschleunigen. Auch dort will man so schnell wie möglich mit der Phase III beginnen. Ähnlich wie Moderna will auch Johnson & Johnson demnächst auf eigenes Risiko die Produktion des Impfstoffes anlaufen lassen.

Auch andernorts gibt es Fortschritte

Neben BioNTech ist mit CureVac (ISIN: NET000Cur333) noch ein weiteres deutsches Biotech-Unternehmen derzeit vorne mit dabei. Auch dort laufen bereits klinische Studien am Menschen. Die ersten Ergebnisse sind positiv. Falls dies so bleibt, beabsichtigt man im September, mit der Phase III zu starten. CureVac hat sich ebenfalls dazu entschlossen, bereits jetzt mit der Produktion des Impfstoffes zu beginnen. Unterstützung könnte das Unternehmen dabei von Elon Musk erhalten. Dieser hatte jüngst angekündigt, mit Tesla RNA-Minifabriken für CureVac bauen zu wollen. Dies würde es ermöglichen, innerhalb kurzer Zeit eine große Menge an verfügbarem Impfstoff zu produzieren.

Neben den USA, Deutschland und Großbritannien arbeitet auch China intensiv an einem Impfstoff. Derzeit gibt es mindestens sieben chinesische Impfstoffprojekte, welche sich in der Phase der klinischen Studien befinden. Am weitesten scheint man dabei im Wuhan Institute of Virology zu sein. Auch dort befindet man sich bereits in der Phase III.

Die Börse fiebert mit

Vor allem die führenden Biotech-Unternehmen wie Moderna und Astra Zeneca haben sich derweil an der Börse zu beliebten Spekulationspbjekten für Anleger entwickelt. Das Unternehmen, welches als erstes einen zulassungsfähigen Impfstoff präsentiert, dürfte zweifelsohne schnell an Wert zulegen. Gleichzeitig gehen einige Unternehmen mit der Vorabproduktion ihres Impfstoffes ein finanzielles Risiko ein.

Anleger mit einem Hang zur Spekulation sollten zudem CureVac im Auge behalten. Berichten zufolge plant das Unternehmen noch diesen Juli einen Börsengang an der US-Börse Nasdaq. Bleiben die Ergebnisse aus den Testphasen weiterhin positiv, könnte die Aktie gleich zu Beginn mächtig durchstarten.

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