HANetf EMQQ Emerging Markets Internet & Ecommerce ETF: Top oder Flop?

In den vergangenen zehn Jahren verzeichnete die Amazon-Aktie einen kaum für möglich gehaltenen Kurszuwachs. Viele Anleger dürften sich, ähnlich wie Warren Buffett, ärgern, nicht rechtzeitig eingestiegen zu sein. Doch in den Emerging Markets, allen voran China, wächst eine neue Generation von Internet und E-Commerce-Unternehmen heran, die dem US-amerikanischen Online-Händler evtl. langfristig Konkurrenz machen könnten. Mit dem HANetf EMQQ Emerging Markets Internet & Ecommerce ETF existiert zudem ein hierfür passender Indexfonds. Doch handelt es sich hierbei wirklich um das nächste Kurswunder?
China ist Vorreiter im E-Commerce

554.000 Bestellungen pro Sekunde: Diese schier unvorstellbare Zahl wurde vergangenes Jahr laut der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua auf der Shopping-Plattform des chinesischen Online-Giganten Alibaba am sogenannten Singles Day erreicht. Der 11.11 wird jährlich vor allem von chinesischen Singles gefeiert und hat sich mittlerweile als der wichtigste Tag im Jahr für den Online-Handel in China entwickelt. Allein Alibaba erzielte an diesem Tag über 27 Milliarden Euro Umsatz.

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Der E-Commerce spielt in China seit Jahren eine deutlich größere Rolle als hierzulande. So wird in der Volksrepublik die Mehrzahl der Waren mit dem Handy geordert und bezahlt. Mit einem Anteil von rund 40 Prozent ist China der weltweit größte Markt für den Online-Handel. Dennoch beträgt die Wachstumsrate dort laut einer Studie von Bearingpoint weiterhin ca. 50 Prozent.

Dass sich der E-Commerce in China innerhalb kurzer Zeit so stark entwickeln konnte hängt unter anderem auch mit Unterschieden in Kultur und Mentalität zusammen. Datenschutzbestimmungen nach europäischem Vorbild gibt es dort in keiner Weise. Die Furcht, die eigenen Daten könnten in falsche Hände geraten sowie die ausgeprägte Vorliebe zum Bargeld, wie sie von vielen Deutschen weiterhin gepflegt wird, sind den meisten Chinesen fremd. Laut Expertenmeinungen dürfte sich der Trend hin zu mehr E-Commerce zudem nicht zuletzt durch die Corona-Krise noch weiter beschleunigen.

Chinesische Tech-Konzerne sind auf dem Vormarsch

Neben einem weiteren Nachfrageansprung im Bereich des Online-Handels erfreuen sich zudem zahlreiche weitere Internetgeschäftsfelder innerhalb Chinas eines regen Zuwachses. Egal ob Social Media, Online-Gaming oder Streaming: Auch in Fernost haben Ausgangssperren und Social Distancing zuletzt zu einer nachhaltigen Beschleunigung der Digitalisierung der Gesellschaft beigetragen.

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Vor allem Chinas Tech- und Internet-Giganten Alibaba, Tencent, NetEase oder Weibo gehören zu den großen Profiteuren. Viele Marktanalysten betrachten diese vier Unternehmen als das chinesische Gegenstück zu den US-amerikanischen Tech-Fünflingen Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google (kurz FAANG). Besonders Alibaba profitierte wie kein anderes Unternehmen von der Verbreitung des mobilen Internets und der größer werdenden chinesischen Mittelschicht.

In den vergangenen fünf Jahren legte die Alibaba-Aktie um über 127 Prozent zu. Ein ähnliches Wachstum lässt sich bei Tencent (168 Prozent) beobachten. Zwar hat der weltgrößte Online-Händler Amazon diesbezüglich nach wie vor die Nase vorn (473 Prozent). Während sich der US-Riese jedoch extrem schwer damit tut, auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen, treiben Alibaba und andere chinesische Online-Händler bereits eine weitere Expansion auf die ausländischen Märkte in Asien und Europa voran.

Auch in anderen Schwellenländern ist IT Trumpf

Abseits von China erfreuen sich auch die Tech-Sektoren zahlreicher anderer Schwellenländer in den letzten Jahren eines regen Wachstums. Auch hier kann vor allem der E-Commerce-Bereich profitieren. Angetrieben wird diese Entwicklung von einer vielerorts aufstrebenden Mittelschicht sowie einer rapide voranschreitenden Urbanisierung. Durch den steigenden Wohlstand wächst die Nachfrage nach internationalen Markenprodukten und Unterhaltungselektronik.

Entscheidend ist in diesem Zusammenhang, dass viele Unternehmen in den Schwellenländern traditionelle Geschäftsmodelle mithilfe moderner Technologien überspringen. Die hat zur Folge, dass aufstrebende Unternehmen in den Bereichen E-Commerce oder Digital Banking sich nicht im selben Maße gegen etablierte Konkurrenten durchsetzen müssen, wie dies in den meisten Industrieländern der Fall ist.

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Die zunehmende Beschleunigung bei der Verbreitung des Internets in vielen Schwellenländern, gepaart mit Effizienzsteigerungen und einer wachsenden Digitalisierung im Dienstleistungs- und Industriebereich, dürften diese Entwicklung in den kommenden Jahren weiter anheizen. Nach wie vor hängen die Emerging Markets, was die großflächige Internetanbindung angeht, spürbar hinter den Industrienationen zurück. Hieraus ergeben sich in Zukunft noch erhebliche Wachstumspotentiale.

Die Corona-Krise birgt Risiken und Potentiale

Während die Ausbreitung des Coronavirus in China seit Längerem unter Kontrolle zu sein scheint, gehören einige der Schwellenländer in Lateinamerika und Südasien zu den neuen Hotspots der Pandemie. Darüber hinaus werden viele der Länder auch in wirtschaftlicher Hinsicht besonders schwer getroffen. Aufgrund des beispiellosen Abflusses von Kapital, dem Zusammenbruch globaler Lieferketten, dem Fernbleiben von Touristen sowie dem Einbruch bei den Rohstoffpreisen, stehen viele Schwellenländer vor tief greifenden wirtschaftlichen Verwerfungen. Der Einbruch der Kaufkraft kann sich hierbei kurzfristig durchaus auch negativ auf die Entwicklung der jeweiligen E-Commerce-Branche der einzelnen Länder auswirken.

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Dennoch bieten vor allem Unternehmen aus dem Internet- und Tech-Bereich weiterhin eine Menge Potential. Laut Funjal Gala von Federated Hermes sind zurzeit viele Unternehmensaktien aus den Emerging Markets zu sehr günstigen Kursen zu haben. Vor allem im Tech-Sektor ergebe sich im Zuge der Digitalisierung ein enormes Wachstumspotential, welches sich spätestens im Zuge des nächsten Aufschwunges voll entfalten werde. Allerdings, so warnt er, bestehe bei einem längeren Lockdown die realistische Gefahr, dass einige der Unternehmen pleite gehen könnten.

Sicherheit und Rendite in Zeiten der Krise dank ETF

Im derzeitigen Umfeld kann ein Indexfonds wie der HANetf EMQQ Emerging Markets Internet & Ecommerce ETF seine Stärken voll ausspielen. Er erlaubt es, breit gestreut in den Internet- und E-Commerce-Sektor einiger der aufstrebenden Schwellenländer zu investieren. Auf diese Weise können Anleger von den großen Wachstumspotentialen der kommenden Jahre profitieren und gleichzeitig das Risiko minimieren, welches durch die momentane Corona-Krise verursacht wird.

Einzelne Pleiten dürften den ETF nicht weiter erschüttern. Dies liegt zum einen daran, dass er rund 77 Unternehmen enthält. Zum anderen werden die vorderen Plätze von Konzernen dominiert, welche allein aufgrund ihrer schieren Größe und Marktmacht in keiner Weise von der Krise bedroht werden. Bei sechs der Top 10 handelt es sich um chinesische Tech-Giganten. Die Spitzenposition wird dabei jedoch von MercadiLibre, dem größten Online-Händler Lateinamerikas, eingenommen.

Die starke Dominanz chinesischer und anderer asiatischer Unternehmen sorgt zwar dafür, dass der Indexfonds sehr stark auf den asiatischen Raum ausgerichtet ist. Aufgrund des starken Wachstums in dieser Region – allen voran in China – stellt dies jedoch derzeit keinen wirklichen Nachteil dar.

Starke Performance trotz Krise

Beim HANetf EMQQ Emerging Markets Internet & Ecommerce ETF (EMQQ) handelt es sich noch um einen relativ jungen Fonds, weswegen ein Vergleich der langfristigen Kursentwicklung mit den Leitindizes noch nicht wirklich möglich ist. Bis Ende 2019 entwickelte sich der zugrunde liegende EMQQ The EM Internet & Ecommerce USD auf vergleichbare Weise wie der MSCI World. Bei der Kursrallye im Januar und Februar konnte sich der E-Commerce Index jedoch spürbar absetzen.

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Diesen Vorsprung nahm der Index auch mit in die Krise. In der Folgezeit erholte sich der Kurs zusätzlich besonders schnell. Vor allem im Mai performte der EMQQ The EM Internet & Ecommerce USD mit 17 Prozent signifikant besser als der MSCI World. Damit gelang es dem Index bereits, seinen bisherigen Höchstwert vom 19. Februar zu übertreffen. Der EMQQ gehört dadurch zu dem erlesenen Kreis jener ETFs, welche ihren Anlegern trotz Crash in 2020 einen Gewinn eingebracht haben.

Mit einer TER von 0,86 Prozent gehört der ETF definitiv zu den teureren Vertretern seiner Anlageklasse. Zum Teil mag dies auf die noch relativ geringe Größe des Fonds zurückzuführen sein. Mit lediglich 28 Mio. Euro ist das Fondsvolumen derzeit noch überschaubar. Allerdings zeigt diese Entwicklung seit dem Ausbruch der Krise steil nach oben. Seit Februar hat sich das Fondsvolumen mehr als verdreifacht. Aufgrund der starken Performance des Indexfonds ist ein weiteres Wachstum in absehbarer Zukunft wahrscheinlich.

Der HANetf EMQQ Emerging Markets Internet & Ecommerce ETF im Überblick

  • Name: HANetf EMQQ Emerging Markets Internet & Ecommerce UCITS ETF
  • ISIN: IE00BFYN8Y92 / DE000A2N5XA8
  • WKN: A2JR0G / A2N5XA
  • Replikationsmethode: Physisch
  • Laufende Kosten (TER): 0,86 %
  • Ertragsverwendung: Thesaurierend
  • Auflagedatum: 02.10.2018
  • Fondsgröße: 28 Mio. EUR
  • Handelbar bei u.a.: Smartbroker*, Consorsbank*

Strategie und Ausblick

Der EMQQ erlaubt es Anlegern auch abseits der großen US-amerikanischen Tech-Giganten in die zunehmende Digitalisierung der Weltwirtschaft zu investieren. Wer vor allem an den großen chinesischen Internetkonzernen interessiert ist, kann mit diesem ETF konzentriert in diesen Markt einsteigen. Mit MercadoLibre oder Naver verfügt der ETF zudem auch über einige sehr wachstumsstarke Unternehmen außerhalb Chinas.

Wer sich seit Langem ärgert, seinerzeit den passenden Einstiegspunkt bei Amazon, Alphabet oder Microsoft verpasst zu haben, bekommt mit dem EMQQ eine zweite Chance, in das boomende Internet- und E-Commerce-Geschäft einzusteigen, ehe die Preise in unerschwingliche Höhen geschossen sind. Als möglicherweise besonders renditeträchtige Ergänzung zu einem soliden Basis-ETF ist der EMQQ daher durchaus eine gute Option.

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