Wie man laut Verhaltensökonomen in einem Bärenmarkt investieren sollte

Auch wenn die Kursstürze im Rahmen der Corona-Pandemie teils beispiellos waren, hat die Vergangenheit gezeigt, dass die Mehrzahl der Anleger bei jedem Crash die gleichen Fehler begehen. Dies liegt zu einem großen Teil in verhaltenspsychologischen Faktoren begründet. Ein Blick auf die Ratschläge von Verhaltensökonomen kann dabei helfen, die gängigsten Fehler zu vermeiden und auch in Zeiten der Krise die richtigen Anlageentscheidungen zu treffen.

In Krisenzeiten gewinnt leicht die Panik überhand

Nachdem die Börsen weltweit noch bis Mitte Februar die Implikationen der heraufziehenden Pandemie ignoriert hatten, schienen ab dem 20./21. Februar alle Dämme zu brechen. Innerhalb kürzester Zeit kam es zu teils historischen Kursstürzen. Im Angesicht der stetig sinkenden Kurse, bekamen es immer mehr Anleger mit der Angst zu tun. In heilloser Panik wurden Wertpapiere verkauft und Depots geleert. Jeder wollte seine Anlagen und sein Erspartes so schnell wie möglich in Sicherheit bringen. Dadurch verschlimmerte sich der negative Trend jedoch nur noch weiter.
Für Verhaltensökonomen, welche die emotionalen, psychologischen und sozialen Faktoren erforschen, die hinter den ökonomischen Entscheidungen vieler Menschen stehen, ist dies keine Überraschung. Emily Bouchard, Anlagecoach bei Ascent Private Capital Management, erklärt, dass es psychologisch gesehen deutlich schwerer ist, während eines Bärenmarktes rationale Entscheidungen zu treffen. Es gäbe eine Reihe von Ursachen, welche Anleger jeweils zu spezifischen Fehlern verleiten würden.

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Drei Fehler sind weit verbreitet

Zum einen führen konkrete Verlustängste, befeuert von den tiefroten Kurszahlen, häufig zu Kurzschlussreaktionen. Wenn sich Menschen während eines Bullenmarktes mit der Möglichkeit von Kurseinbrüchen beschäftigen, sei dies für sie lediglich ein theoretisches Problem. Viele würden sich zwar gute Vorsätze machen, nicht in Panik zu geraten, hätten dabei jedoch keine Ahnung, in welchem Zustand sich ihr Gehirn während eines Börsen-Crashs befindet, verrät John Riddle, Chief Investment Officer von 361 Capital.
Zusätzlich befeuert werde das Ganze vom Herdentrieb. In Krisenzeiten sehnten sich Menschen nach Gewissheit. Jeder habe Angst, dass falsche zu tun und auf der Suche nach der korrekten Verhaltensweise werde dabei häufig der Schutz der Herde gesucht. Wenn überall Anleger hektisch versuchen, die Märkte zu verlassen, stelle sich jeder Einzelne die Frage, ob er diesem Beispiel nicht selbst auch folgen sollte, weiß die Verhaltensforscherin Samantha Lamas.

Als dritten Fehler führen Verhaltensökonomen den sogenannten Rezenzeffekt an. Darunter versteht man den psychologischen Effekt, dass neuere Informationen einen größeren Einfluss auf die menschliche Erinnerung ausüben als vorangegangene Informationen. Konkret äußert sich dies darin, dass jahrelange, positive Kursentwicklungen und anlagetechnische Gewissheiten im Angesicht eines Börsencrashs schnell in Vergessenheit geraten. Laut dem Verhaltensökonom Julian Goldberg verlieren viele Anleger während eines Crashs ihr Bezugspunktsystem. Sie hätten nur noch weiter sinkende Kurse vor Augen und könnten zukünftige positive Entwicklungen nicht mehr länger in ihre Kalkulationen mit einbeziehen.

Um zu verhindern, dass diese psychologischen Effekte zu falschen Entscheidungen an der Börse führen, sollten Anleger einer Reihe von Handlungsempfehlungen folgen.

Ein langfristiger Plan schützt vor Kurzschlussreaktionen

Eine eigene, langfristige Anlagestrategie ist nicht nur der Grundstein für den dauerhaften Erfolg an der Börse. Sie kann Anlegern auch dabei helfen, die hektischen Wochen und Monate eines Bärenmarktes zu überstehen. Wichtig ist dabei zum einen, dass Anlageziele nicht aufgrund kurzfristiger Entwicklungen aus den Augen verloren werden. Wer beispielsweise über einen Zeitraum von 15 oder 20 Jahren ein Vermögen aufbauen möchte und hierfür in ETFs oder Qualitätsaktien investiert hat, darf nicht aufgrund eines zwischenzeitlichen Einbruchs alles über Bord werfen. Bei langfristigen Investitionen zählt stets, was auf der Ziellinie erreicht wird, und nicht, welche Täler zwischenzeitlich durchquert werden müssen.

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Weil auch die Vorbereitung auf einen Crash Teil einer guten Anlagestrategie sein sollte, empfiehlt Mark Matson, Gründer von Matson Money, dass sich Anleger gerade jetzt im Angesicht des Bärenmarktes noch einmal mit ihrer langfristigen Strategie beschäftigen sollten. Zum einen werde hierdurch der Fokus von den kurzfristigen, negativen Kursentwicklungen weggelenkt. Anleger sollten sich auf das besinnen, was sie mit ihren Anlagen erreichen wollen. Zum anderen wüssten sie nun, was ein Börsen-Crash mit ihnen anstellt. Dieses Wissen um die tatsächliche Risikotoleranz, fernab von hypothetischen Überlegungen, ist bei der Ausarbeitung einer Anlagestrategie Gold wert.

Ein Blick zurück mildert den Rezenzeffekt ab

Es ist grundsätzlich eine gute Idee, stets einen Blick auf die zurückliegende Performance eines Index oder eines Wertpapiers zu werfen. Während eines Bärenmarktes gilt dies gleich doppelt. So hat der S&P 500 beispielsweise seit 1945 neun Bärenmärkte durchlaufen. Jedes Mal verlor er dabei zwischen 20 % und 40 % seines Wertes. Durchschnittlich betrachtet brauchte er jedoch lediglich 14 Monate, um all seine Verluste wieder wettzumachen. In den vielen Jahren zwischen den Crashs stieg er derweil beständig an. Betrachtet man die gesamte Kursentwicklung, würden die großen Crashs kaum mehr als kleine Dellen sein, sagt Sam Stovall, Chef Investment Stratege bei CFRA Research.
Für Anleger sei es daher ratsam, nicht tagtäglich auf die Entwicklung ihres Portfolios zu schauen, und so immer aufs Neue mit negativen Nachrichten konfrontiert zu werden. Auf diese Weise könne man verhindern, dass der Rezenzeffekt einen zu einer kurzfristig gedachten Entscheidung verleitet.

Antizyklisches Handeln entgegen dem Herdentrieb

Einer der am häufigsten vorgebrachten Börsentipps ist der Rat zum antizyklischen Handeln. Wenn die Kurse niedrig sind, sollte man daher nicht verkaufen und damit die eigenen Verluste realisieren. Stattdessen ist gerade dann der ideale Zeitpunkt gekommen, um günstig anzulegen. Weil auch für Experten nicht absehbar ist, wann die Talsohle erreicht ist, sollten Anleger beim Einstieg auf eine zeitliche Diversifikation setzen. Statt alles auf einen Schlag zu investieren, sollte über einen längeren Zeitraum verteilt jeweils ein kleinerer Betrag angelegt werden. Das hilft auch dabei, die psychologische Hemmschwelle zu überwinden, während eines Bärenmarktes zu investieren anstatt zu verkaufen.

Auch ein Rebalancing des eigenen Portfolios könne zurzeit sinnvoll sein, empfiehlt Samantha Lamas. Der Verkauf von profitablen Positionen sei für viele Anleger gerade jetzt schwierig. Jedoch bieten die zahllosen unterbewerteten Anlagen zurzeit eine günstige Möglichkeit, die Vermögensallokation auf den ursprünglich gewünschten Stand aus Zeiten vor dem Crash zurückzubringen. Die Besinnung auf den zuvor gefassten, langfristigen Anlageplan könne zudem dabei helfen, die richtigen Veränderungen am eigenen Portfolio vorzunehmen.

Die richtige Streuung schützt vor späterer Panik

Prof. Hartmut Walz, Verhaltensökonom an der Hochschule Ludwigshafen, gibt Anlegern unterdessen drei grundlegende Tipps, mit denen sie zukünftigen Krisen gelassener begegnen können. Erstens müssten Anleger ihr Vermögen deutlich stärker streuen. Neben einer Immobilie hält er dabei besonders Aktien-ETFs, welche Indizes abbilden, die möglichst viele Unternehmen weltweit beinhalten, für sinnvoll. Auch andere Anlageklassen wie Gold sollten im Depot Platz finden.

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Zweitens sollten unrentable Produkte wie Renten- und Lebensversicherungen gemieden werden. Auch von Zertifikaten sollten Anleger Abstand nehmen, da diese ein Vehikelrisiko beinhalten würden. Zuletzt empfiehlt er Anlegern, ihre Bargeldquote etwas zu erhöhen.
Zwar schützen weder ein breit aufgestelltes Portfolio noch das Befolgen verhaltensökonomisch sinnvoller Strategien zu hundert Prozent vor Verlusten. Wer jedoch die häufigsten Anlagefehler vermeidet, kann auch während eines Bärenmarktes gelassen bleiben.

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