Warum man derzeit besser die Finger von chinesischen ETFs lassen sollte

Noch im vergangenen Jahr galt der chinesische Aktienmarkt als im Kommen. Mittlerweile sind die Kurse zahlreicher chinesischer Aktien jedoch abgestürzt. Dementsprechend schlecht performten zuletzt auch China-ETFs. Derzeit sprechen gute Gründe dafür, weshalb man mit einem Investment in den chinesischen Markt besser vorsichtig sein sollte.

In großen Teilen der Welt sind die Aktienkurse seit Anfang des Jahres in beträchtlichem Umfang gestiegen. So kann beispielsweise der Weltindex MSCI World seit Anfang Januar auf ein Kursplus von über 15,7 Prozent zurückblicken. Doch nicht überall brummt der Aktienmarkt zurzeit. Gerade das ansonsten so wachstumsstarke China hat sich in den letzten Monaten mehr und mehr zum Anlegerschreck entwickelt.

Chinesische ETFs mit starken Verlusten

Der Hang Seng blickt aktuell beispielsweise auf ein Minus von 7,86 Prozent seit Jahresanfang zurück. Dabei täuschen die ersten sechs Wochen, in denen es am chinesischen Markt noch lief, sogar über das ganze Ausmaß des Einbruches hinweg. Betrachtet man nur die Zeit ab Mitte Februar, beläuft sich des Minus sogar auf rund 16,6 Prozent. Der MSCI China Index hat innerhalb des gleichen Zeitraums sogar 31,5 Prozent an Wert verloren.

Diese Verluste spiegeln sich auch bei den zahlreichen noch vor nicht allzu langer Zeit sehr beliebten chinesischen ETFs wider. Der HSBC Hang Seng Tech UCITS ETF (ISIN: IE00BMWXKN31) hat alleine innerhalb der letzten drei Monate rund 22,3 Prozent an Wert verloren.

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Beim iShares Dow Jones China Offshore 50 UCITS ETF (ISIN: DE000A0F5UE8), einem ETF, der Anlegern Zugang zu den 50 größten chinesischen Unternehmen, die auf dem chinesischen Festland tätig sind, verschafft, steht über die letzten drei Monate hinweg ein Minus von 16,5 Prozent in den Büchern. Erweitert man den Rückblick auf sechs Monate, schwillt das Minus gar auf 33,8 Prozent an.

Hierbei handelt es sich lediglich um Beispiele. Allerdings lassen sich noch beliebig viele andere chinesische ETFs nennen, denen es in den vergangenen Monaten ähnlich ergangen ist. Tatsächlich gibt es aktuell keinen einzigen China-ETF, der innerhalb der letzten sechs Monate einen Gewinn verzeichnen konnte.

Pekings Regulierungswut vertreibt Anleger

Auch wenn die chinesische Wirtschaft sich zuletzt im Juli nicht ganz so stark entwickelt hat, wie vorhergesagt worden war, kann von einer wirtschaftlichen Krise dennoch keine Rede sein. Auch in diesem Jahr wird das chinesische Wirtschaftswachstum die westlichen Wirtschaften in puncto Wachstum wieder deutlich abhängen. Doch der Grund für den Preisverfall am chinesischen Aktienmarkt war zuletzt auch ein völlig anderer.

Seit Jack Ma, Gründer des chinesischen Internetkonzerns Alibaba, im vergangenen Herbst das Missfallen der Kommunistischen Partei Chinas auf sich gezogen hatte, hat Peking die Zügel angezogen. Besonders die großen Tech-Konzerne, denen man in der Vergangenheit zum Teil viel Spielraum gelassen hatte, finden sich seitdem mit einem zunehmend kontrollwütig agierenden Behördenapparat konfrontiert.

Neben dem Technologie-Sektor sind mittlerweile auch vermehrt Unternehmen aus den Bereichen Konsum und Finanzen betroffen. Dabei werden keineswegs nur Bußgelder in Rekordhöhe fällig. Bereits mehrere zuvor noch sicher geglaubte Zukäufe und Börsengänge mussten bereits abgesagt werden.

Die von den Behörden genannten Gründe sind dabei oftmals angebliche Wettbewerbsverzerrungen und die übermäßige Marktmacht, welche einige große Konzerne in China angehäuft haben. Auch wenn sich solche Beschuldigungen sicherlich nicht in jedem Fall von der Hand weisen lassen, so besteht unter Experten dennoch wenig Zweifel daran, dass die eigentliche Motivation hinter der strengeren Regulation politischer Natur ist. So sollen besonders die großen Tech-Giganten wie Alibaba und Tencent zurechtgestutzt werden, ehe ihr riesieger Einfluss über die sozialen und digitalen Medien des Landes zu einer ernsthaften Bedrohung heranwachsen könnte.

Es ist wenig überraschend, dass das rigorose Vorgehen der chinesischen Behörden bei zunehmend mehr Anlegern für Verunsicherung sorgt. Auch bei Unternehmen, die sich derzeit noch nicht im Visier der Behörden befinden, besteht jederzeit die Gefahr einschneidender regulatorischer Eingriffe. Die Folge: Seit einiger Zeit ziehen Anleger große Mengen an Kapital aus chinesischen Aktien und den entsprechenden ETFs ab.

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Keine Ende der regulatorischen Eingriffe in Sicht

Dass es sich hierbei keineswegs nur um eine kurzfristige Phase handeln könnte, lässt ein aktuelles Kommuniqué der Kommunistischen Partei vermuten. Zu diesem Schluss kommt zumindest die Fondsgesellschaft DWS.

Demnach sollen die Behörden des Landes derzeit aktiv an diversen Gesetzen mit Blick auf Technologie und Monopole aber auch im Hinblick auf die nationale Sicherheit arbeiten. Damit in Verbindung stehende Gesetzesverschärfungen sollen dabei nicht nur die jetzt bereits betroffenen Sektoren Technologie, Finanzen und Konsum betreffen. Auch Unternehmen in den Bereichen Nahrung, Gesundheit und Versicherungen sollen stärker in ihren Freiräumen beschnitten werden.

Dabei werden die betroffenen Unternehmen in dem Papier ausdrücklich dazu aufgefordert, schon von sich aus tätig zu werden und sich stärker in die staatliche Regulierung einzubinden. Dass die meisten Unternehmen dies in vorauseilendem Gehorsam tun werden, kann als so gut wie sicher angesehen werden.

DWS kann der stärkeren Regulierung dabei durchaus auch etwas Positives abgewinnen. So werden zum Teil Dinge umgesetzt, welche in den USA und Europa bereits seit Längerem gefordert werden. Die große Marktmacht der US-amerikanischen Tech-Konzerne ist besonders den EU-Regulatoren schon lange ein Dorn im Auge. Ob aufstrebende chinesische Start-ups jedoch vom Zurechtstutzen der Großen wirklich werden profitieren können, ist derzeit noch mehr als unklar.

Ein jähes Ende der aktuellen Regulierungswelle dürfte daher noch auf sich warten lassen. Bei DWS rechnet man damit, dass die Unsicherheiten infolge der staatlichen Eingriffe auch im kommenden Jahr noch zu spüren sein werden.

Alternativen zu China-ETFs werden interessanter

Kurz- bis mittelfristig dürfte die aktuelle Misere am chinesischen Aktienmarkt also womöglich weiter anhalten. Erschwerend hinzu kommen in diesem Fall auch die zuletzt steigenden Infektionszahlen in einigen chinesischen Provinzen. So sah sich Peking vor Kurzem bereits dazu veranlasst, aufgrund der zunehmenden Corona-Infektionen in mehreren Regionen strenge Reisebeschränkungen zu erlassen. Dies hatte zur Folge, dass zeitweise auch mehrere der wichtigsten Containerumschlagplätze des Landes stillgelegt werden mussten.

Anleger, die ihr Geld nun in anderen Märkten investieren möchten, dürften ihren Blick vermutlich eher gen Westen als in Richtung anderer Emerging Markets richten. Auch in diversen weiteren Schwellenländern sind die Infektionszahlen zuletzt wieder spürbar gestiegen. Hierdurch stagnierten auch die dortigen Märkte.

Gut erkennbar ist dies an der Kursentwicklung des Lyxor MSCI Emerging Markets Ex China UCITS ETF (ISIN: LU2009202107). Dieser bildet die Wertentwicklung aller von MSCI definierten Schwellenländer mit Ausnahme Chinas ab. Über die vergangenen sechs Monate steht hier gerade einmal ein Kursplus von 2,46 Prozent zu Buche. Seit Anfang Juni tritt der Vergleichsindex weitestgehend auf der Stelle.

Im Vergleich dazu entwickeln sich die großen Indizes wie der US-amerikanische S&P 500 oder der Nasdaq 100 deutlich besser. Damit übereinstimmend hat DWS festgestellt, dass die Konsensschätzungen mit Blick auf das US-Wirtschaftswachstum seit Jahresanfang von 3,9 auf 6,5 Prozent gestiegen sind. Dies liegt zwar immer noch deutlich hinter den 8,5 Prozent, welche für die chinesische Wirtschaft prognostiziert werden. Im kommenden Jahr soll der chinesische Vorsprung jedoch nur noch auf 1,4 Prozent schrumpfen.

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Florian Schulze hat einen Abschluss in internationaler Politik und Wirtschaftspolitik und studiert derzeit Mathematik. ETFs, Aktien und Kryptowährungen sind seine Leidenschaft.

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